Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Mobile World Congress 2016, Huawei bläst zum Angriff, Post-App-Ära in Sicht?

Michael Thomas

© Software & Support Media

Heute ging der Mobile World Congress 2016 zu Ende – die dort vorgestellten, zahlreichen Neuheiten bilden einen Schwerpunkt unserer dieswöchigen Kolumne. Doch der Android-Planet dreht sich bekanntlich schnell und so gibt es noch deutlich mehr zu berichten: So plant Huwaei offenbar, sich schon bald als größter Smartphonehersteller der Welt bezeichnen zu können, Microsoft stellt ein virtuelles Keyboard für Android vor, Entwicklern steht eine neue Version der Android Support Library zur Verfügung und Cyanogen ruft den Beginn der Post-App-Ära aus.

Der heute endende Mobile World Congress 2016 hatte als größte Mobile-Technologie-Messe der Welt natürlich wieder allerhand mit Spannung erwartete Produktneuheiten in petto. So lässt das Samsung Galaxy Gear 360 den Nutzer selbst zum VR-Schöpfer werden, das LG G5 ist mit Modulen erweiterbar und das Matebook von Huawei setzt neue Standards für das mobile Arbeiten. Eine Übersicht über die am sehnsüchtigsten erwarteten Geräte haben unsere Kollegen von Entwickler.de zusammengestellt.

Doch natürlich hielt der Mobile World Congress auch etwas ungewöhnlichere Neuheiten bereit. Der chinesische Hersteller Haier präsentierte mit der Haier Watch etwa eine mit 199 Euro zu Buche schlagende Android-Smartwatch, die sich im Hinblick auf ihre Bedienung in mehrerer Hinsicht von vergleichbaren Geräten unterscheidet. So öffnet beispielsweise ein Wisch nach unten eine Android-Smartphones ähnelnde Benachrichtigungsleiste; ein Wisch nach oben ein an iOS erinnerndes Menü für die Musiksteuerung sowie die Helligkeits- und Lautstärkerregelung. Wenig verwunderlich sind die Unterschiede, wenn man den Hintergrund kennt: Die Haier Watch läuft nicht mit Android Wear, sondern einem auf Android 5.1 Lollipop basierenden Betriebssystem.

Der Baumaschinenhersteller Caterpillar stellte mit dem CAT S60 ein gewohnt robustes, etwas klobiges Smartphone vor, dass seinen Nutzern dank Wärmebildkamera einen Hauch von Superman- bzw. Agentenfeeling verleiht.

Motorola hingegen verzichtete in diesem Jahr gleich komplett darauf, ein neues Smartphone zu präsentieren und steigt mit der Produktreihe VerveLife statt dessen massiv in den Markt für verbundene Outdoor-Wearables ein. Zu diesen zählen beispielsweise besonders robuste (wie alle Geräte der Produktreihe nach IP67 wasser-, schmutz- und staubdichte) Kopfhörer (VerveOnes, VerveRider, VerveLoop) für die verschiedensten Einsatzzwecke, sowie ein GPS-Tracker für Haustiere (VerveRetrieve).

Obwohl Google Glass kein großer Erfolg beschieden war, lassen sich die Hersteller ganz offenbar nicht abschrecken, denn der Mobile World Congress zeigte: Die Smart Glasses sind zurück! Die Epson Moverio BT-300 gewinnt zwar nicht unbedingt einen Schönheitspreis, dafür sollen es die inneren Werte richten. So sollen die verwendeten OLED-Screens für ein natürlicher wirkendes HUD sorgen. Zu den angedachten Einsatzzwecken zählt das Abspielen von 2D- und 3D-Videos, der Bereich Augmented Reality sowie die Steuerung von Drohnen. Auch Neuigkeiten zur Virtual-Reality-Brille HTC Vive wurden bekannt. Zwar wurde das Headset, Ergebnis einer Zusammenarbeit von HTC und Valve und als Konkurrenzprodukt zur Oculus Rift gedacht, nicht im Einsatz gezeigt, doch immerhin konnte das endgültige Design bestaunt werden.

Und Abseits des Massenmarktes? Dort wartete etwa der auf den Namen „Starship“ hörende Roboter, der mit rund 6,5 km/h unterwegs sein und knapp 10 Kilogramm an Lasten transportieren kann. Starship wird als „halb-autonomes“ System bezeichnet, d. h. trifft der Roboter beispielsweise auf ein Hindernis, funkt er die Zentrale an, woraufhin ein menschlicher Operator eingreifen und dem Gerät Anweisungen geben muss. Der Roboter ist für Hauslieferungen von Supermärkten und dem Einzelhandel gedacht. Im Gegensatz zu menschlichen Pizzaboten kann er allerdings keine Treppen steigen.

„Willkommen in der Post-App-Ära“

Mit diesen wenig bescheidenen Worten hat die für ihr gleichnamiges Android-Derivat bekannte Firma Cyanogen mit MOD eine neue Entwicklerplattform an den Start gebracht, die App-Entwicklern eine direktere Integration ihrer Anwendungen in das Betriebssystem ermöglichen soll.

Die Grundidee von MOD ist, den Entwicklern Zugriff auf die bislang nur den Entwicklern des jeweiligen Betriebssystems zur Vefügung stehenden nativen APIs zu verschaffen, wodurch das Schreiben integrierter App-Versionen bzw. entsprechender Erweiterungen (von Cyanogen so genannte „mods“) ermöglicht werden soll. Die Plattform soll zusammen mit der für nächsten Monat angesetzten Veröffentlichung von Version 13.0 des Cyanogen-Betriebssystems verfügbar gemacht werden. Darüber hinaus hat Cyanogen für all diejenigen OEM- und MNO-Partner, die ihre Geräte fit für MOD machen wollen, ein entsprechendes Programm gestartet, das u. a. ein spezielles Entwicklerkit beinhaltet.

Cloud Adé dank neuem Speicher?

Samsung hat mit der Massenproduktion von 256 GB fassenden Universal-Flash-Storage-Chips für mobile Geräte begonnen. Der neue, zunächst für den Verbau in High-End-Geräten angedachte Speicher ist angeblich fast doppelt so schnell wie herkömmliche, in PCs zum Einsatz kommende SATA-basierte SSDs. Die Übertragungsrate soll bis zu 850 MB pro Sekunde betragen; die sequentielle Schreibgeschwindigkeit sich bei bis zu 260 MB pro Sekunde einpendeln (etwa dreimal schneller als externe SD-Karten aus dem High-End-Bereich).

Mithilfe von USB 3.0 soll zudem eine Datenübertragung zwischen mobilen Geräten mit einer Rate von fünf GB in 12 Sekunden möglich sein. Als Sahnehäubchen ist der Chip zudem extrem kompakt bemessen, soll heißen: noch kleiner als externe microSD-Karten. Stellt sich die Frage, ob der Durchschnittsnutzer im Angesicht derartiger Kapazitäten und Übertragungsraten den derzeit häufig angepriesenen Schritt in die Cloud wirklich vollziehen muss.

Android Support Library v23.2: Vektorgrafiken für (fast) alle

Entwicklern steht ab sofort eine neue Version der Android Support Library zur Verfügung. Version 23.2 der Bibliothek (eigentlich eine Bibliotheks-Sammlung) hält gleich mehrere interessante Features bereit.

Die seit 5.0 Lollipop gegebene vollständige Unterstützung von Vektorgrafiken kann die apk-Größe grafikintensiver Awendungen beträchtlich reduzieren; allerdings war diese Möglichkeit bislang auf das API 21 (und höher) beschränkt. Dank der neuen VectorDrawable-Klasse (der AppCompat-Bibliothek) können normale Vektorgrafiken jetzt allerdings auch bis einschließlich Android 2.1 Eclair (API 7) genutzt werden, im Fall von animierten Vector-Drawables reicht die Unterstützung bis Android 3.0 Honeycomb (API 11) – damit sind rund 97 % aller noch im Umlauf befindlichen Android-Geräte abgedeckt.

Die weiteren Neuerungen verrät ein Blick in die offizielle Ankündigung bzw. ein kurzes Video der Android-Entwickler:

Markanteil von Android-Smartphones über 80 %; Huawei bläst zum Angriff

Huawei möchte offenbar bald deutlich größere Brötchen backen als bisher und hat angekündigt, innerhalb der nächsten 5 Jahre zum größten Smarthphone-Hersteller der Welt aufsteigen zu wollen – wofür das Unternehmen sowohl Apple als auch Samsung in die Tasche stecken müsste. Genau das hat Huawei offenbar vor: Aussagen von Richard Yu (CEO der Endgeräte-Sparte) zufolge soll Apple in 2 bis 3 Jahren und Samsung nach Ablauf von 5 Jahren geschlagen sein.

A propos Smartphones: Die kürzlich vom Marktforschungsunternehmen Gartner veröffentlichten Vergleichszahlen für das letzte Jahr zeigen, dass Android-Geräte mitterweile einen Marktanteil von 80,7 % (entspricht rund 325 Millionen verkauften Einheiten) erobern konnten – ein Plus von 4,7 %. Der Marktanteil von iOS-Geräten fiel hingegen um 2,7 % auf nunmehr 17,7 % (rund 71 Millionen Geräte).

Der Gartner-Bericht wirft auch etwas Licht auf Huaweis ambitionierte Martführer-Ziele: Über das gesamte Jahr 2015 gesehen war Samsung die mit 22,5 % der weltweit verkauften Smartphones der klare Platzhirsch. Apple folgt mit 15,9 %, Huaweis musste sich mit Platz 3 und 7,3 % Marktanteil begnügen. Es liegt also noch ein langer Marsch vor dem Telekommunikationsausrüster.

Microsoft stellt virtuelles Keyboard für Android vor

Unter dem Namen Hub Keyboard hat Microsoft eine neue virtuelle Android-Tastatur veröffentlicht. Hub Keyboard setzt Android 4.3 oder höher voraus und lässt sich auf Wunsch als Standard-Tastatur festlegen. Interessant ist hierbei insbesondere die Erweiterung des Clipboards: Im Gegensatz zur Standardversion kann das Hub-Keyboard-Clipboard nicht nur einen Eintrag, sondern gleich mehrere Sätze oder Satzteile zwischenspeichern. Des Weiteren gewährt Hub Keyboard seinem Nutzer Zugriff auf seine OneDrive- und SharePoint-Dokumente (über Office-365-Account), die bequem durchsucht und verlinkt werden können; ähnliche Funktionen werden auch für die Kontaktliste geboten. Eine interessante Übersicht über alle Features der Tastatur hat der Blogger Paul Thurrott zusammengestellt.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis nächste Woche!

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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