Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Streit um Java APIs, Smartphone mit 18.000-mAH-Akku und Patchday im Februar

Katharina Degenmann

Würde man biblische Geschichten in androidisch verfassen, hieße es nicht David gegen Goliath, sondern Google vs. Oracle. Diese streiten sich immer noch um die Verwendung von Java APIs und der Supereme Court soll es nun richten. Außerdem gibt es Gerüchte um ein Smartphone mit 18.000-mAH-Akku und Google schließt im Februar-Patchday insgesamt 41 Sicherheitslücken.

Oracle vs. Google: Der Java-Krieg geht in die nächste Runde

Der Streit um Java APIs zwischen Google und Oracle geht in eine neue Runde und so langsam wird es ziemlich unübersichtlich. Zum wiederholten Male stehen sich die beiden IT-Riesen vor Gericht wegen der Nutzung von Java APIs in Android gegenüber. Nun hat Google den Supreme Court angerufen und der soll Googles Rechte zur Verwendung der Java APIs prüfen. Doch alles der Reihe nach!

Die Vorgeschichte: „Es waren einmal zwei IT-Riesen…“

Durch die Übernahme von Sun Microsystems hat Oracle die Rechte an Java erhalten. Und bereits 2010 verklagte Oracle Google, da der Suchmaschinenriese illegitimierweise 37 Java APIs in Android kopiert haben soll und verlangt dementsprechend Schadensersatz von Google. Was danach folgte war und ist ein Rechtsstreit erster Klasse (siehe Infografik)!


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Im Mai 2016 schien es so, als hätte Google den Rechtsstreit für sich entschieden, doch Totgeglaubte leben bekanntlich länger. Damals entschied das Gericht zugunsten Googles und ordnete die Nutzung der Java APIs der sogenannten „Fair-Use“-Klausel (dt. angemessene Verwendung) zu. Gleich nach der Urteilsverkündung im Mai 2016 kündigte Oracle daraufhin an, die Entscheidung nicht zu akzeptieren und in Berufung auf Bundesebene zu gehen. Das tat Oracle prompt 2017, denn für Oracle fällt die Nutzung durch Google nicht unter die Fair-Use-Regelung.

Fair Use, ja oder nein?

Fair Use ist eine besondere Regelung des Urheberrechts. Demnach wird eine bestimmte, nicht autorisierte Nutzung von geschütztem Material zugestanden, sofern es der allgemeinen Bildung und Anregung geistiger Produktion dient. Dabei werden vier Faktoren miteinbezogen. Im Fall Oracle vs. Google geht es hauptsächlich um die Frage, ob die Nutzung der Programmierschnittstellen kommerziell genutzt werde oder nicht.

Oracle bietet die APIs grundsätzlich jedem kostenlos an, der Java-Anwendungen für Computer und mobile Geräte entwickelt. Verwendet man APIs jedoch für eine konkurrierende Plattform wie beispielsweise Android oder implementiert sie in elektronische Geräte wie Smartphones, muss man eine Lizenz erwerben.

Google wiederum sieht in der Verwendung der Java-Schnittstellen eine faire Nutzung, da es Android kostenlos zur Verfügung stellt und damit die APIs nicht auf kommerzielle Weise nutze. Der Einsatz von Java APIs fällt daher, zumindest für Google, unter die Fair-Use-Regelung.

Die Entscheidung ist gefallen – mal wieder!

2018 hat das Berufungsgericht entschieden, dass Googles Nutzung NICHT unter die Klausel des Faire Use fällt. Die Begründung des Gerichts lautete:

„The fact that Android is free of charge does not make Google’s use of the Java API packages noncommercial. Giving customers ‘for free something they would ordinarily have to buy’ can constitute commercial use.“

Zwar sei Android kostenlos, dennoch habe Google durch Android Werbeeinnahmen von über 42 Milliarden Dollar kassiert. Doch das lässt ein Suchmachinenriese natürlich nicht auf sich sitzen und wendet sich nun, wie zu erwarten war, an die nächste Rechtsinstanz – den Supreme Court.

Oracle vs. People?

Alles kreist also um die Frage, ob APIs dem Urheberrecht unterliegen bzw. wann die Faire-Use-Regelung zum Tragen kommt. Wenn Oracle Recht bekommt und APIs zukünftig nicht nur unter Patent- sondern auch unter Urheberrecht fallen würden, würde das die Softwareentwicklung für immer verändern. Damit wäre ein Nachbau von APIs deutlich schwerer und ohne Lizenz wahrscheinlich kaum mehr möglich.

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18.000-mAH-Akku – #DeinErnst?

Ende Februar findet in Barcelona eine der weltweit wichtigsten Fachkonferenzen rund um den Mobilfunk statt, nämlich der Mobile World Congress (MWC). Neben zahlreichen Herstellern wird auch der französische Smartphone-Hersteller Avenir Telecom anwesend sein und der ließ bezüglich eines neuen Smartphones seiner Marke „Energizer“ eine richtige Bombe platzen:

Richtig gelesen: Avenir Telecom möchte ein Smartphone mit 18.000-mAH-Akku vorstellen! Zum Vergleich: Akkus von aktuellen Oberklasse-Smartphones (Samsung Galaxy Note 9 etc.) verfügen im Schnitt über rund 4.000 mAH. Das Smartphone soll dabei nur eines von diversen Geräten einer kompletten Serie sein, die unter der Marke „Energizer“ vermarktet werden und über Avenir Telecom vertrieben werden sollen.

Das noch namenlose mobile Riesenakku soll ein klassisches Android-Smartphone sein. Wie lange die Akku-Laufzeit allerdings beträgt, verriet der Hersteller noch nicht. Mit einer weiteren Information rückte er dennoch raus: Die Kameras des neuen Smartphones lassen sich aus dem Gehäuse nach oben herrausschieben.

Nur nicht zu früh freuen!

Trotz all der Vorfreude ist Vorsicht geboten! Bereits vor einem Jahr präsentierte Avenir Telecom nämlich ein Smartphone mit dem Namen P16K Pro, dessen Akku eine Kapazität von 16.000 mAh aufwies. Das Problem dabei: Es kam nie auf den Markt. Warum das P16K Pro damals den Marktstart verpatzte, ist bis heute nicht bekannt. Ob das neue Gerät der Powermax-Reihe also wirklich den Markt erreichen und auch in Deutschland über die Ladentheke wandert, bleibt abzuwarten.

Finde den Fehler – Googles Patchday im Februar

Es war mal wieder soweit: Google hat uns auch im Februar mit seinem Patchday beglückt. Im aktuellen Patch-Level 2019-02-05 werden Sicherheitslücken behandelt, die als „critical“ oder „high“ eingestuft werden. Im Februar identifizierte Google bisher insgesamt 11 Sicherheitslücken als kritisch und 30 als hoch, die nun alle gestopft wurden.

Die kritischen Sicherheitslücken befanden sich im Framework selbst sowie in der System-Komponente und in den Qualcomm-Komponenten. Erwischt hat es die OS-Versionen 7.x Nougat, 8.x Oreo und 9 Pie. Wie jeden Monat kann Google mit Glück behaupten, dass noch keine der entdeckten Lücken ausgenutzt worden ist. Und damit das so bleibt – schnell aktualisieren!

Update für Pixel-Besitzer

Eine kleine Besonderheit ist, dass es diesmal keine Sicherheitsupdates für Pixel-Besitzer gibt. Im Pixel-Update-Bulletin heißt es:

There are no Pixel security patches in the February 2019 Pixel Update Bulletin.

Ob sich das noch ändert, bleibt abzuwarten.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann hat Politikwissenschaft und Philosophie studiert. Seit Februar 2018 arbeitet sie in der Redaktion der Software & Support Media GmbH und ist nebenbei als freie Journalistin tätig.
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