Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Google im Energiesparmodus, AMP als soziales Alibi und Flutter Preview 2

Katharina Degenmann
Android

Diese Woche ging es auf dem Androiden-Planten wieder besonders wild zu. Google legte versehentlich einen Schalter um und aktivierte ungewollt den Energiesparmodus bei etlichen Smartphone-Nutzern. Außerdem startet Google eine Invasion in die Autoindustrie und verpasst künftigen Autokäufern eine Android-Zwangsjacke. Das AMP-Projekt wird hingegen aktuell als soziales Alibi verwendet und das Team von Flutter veröffentlicht die Release Preview Nummer 2.

Wer hat denn da den Energiesparmodus angelassen?

Wer kennt das nicht? Man hat nur wenig mit dem Smartphone gemacht und trotzdem sinkt der Akkustand rapide. Läuft der Akku erstmal auf dem letzten bisschen Reserve, beginnt der Kampf um jedes Prozent. Ein Trick, um Energie zu sparen, ist die Verwendung des Energiesparmodus. Dumm nur, wenn man überhaupt keine Energie sparen möchte und das Gerät den Sparmodus selbstständig aktiviert. Naja, ganz wie von Zauberhand passiert sowas dann doch nicht – Google hatte bloß Testphase…

Keine App-Updates, verspätete Benachrichtigungen und fehlende Standortdaten: Viele Smartphone-Nutzer mit Android 9 („Pie“) trauten vergangenen Donnerstag kaum ihren Augen. Obwohl etliche Geräte noch ausreichend aufgeladen waren, schaltete sich spontan der Energiesparmodus ein. Schnell wurde klar, das Problem ist nicht das Smartphone selbst. Was folgte, war eine Diskussion auf Reddit, bei der nicht nur die Smartphone-Nutzer ihrem Ärger Luft machten, sondern auch der Übeltäter eine Stellungnahme abgab:

Screenshot via Reddit

Der Grund dafür lag also bei Google. Ein interner Test an der Energiesparfunktion sei versehentlich an mehr Nutzer ausgeliefert worden, als beabsichtigt. Offenbar war auf den Geräten der Stellenwert, ab dem sich der Energiesparmodus automatisch einschaltet, von den normalen 15 Prozent auf 99 Prozent angehoben worden. Neben Googles hauseigenen Pixel-Geräten waren auch Smartphones von OnePlus und Nokia betroffen. Google hat die Einstellungen umgehend wieder zurückgestellt.

„Es ist also alles halb so wild“ – eben nicht! Zwar musste Google nur den „Schalter“ umlegen, doch was bleibt, ist das mulmige Gefühl der Nutzer. Die Illusion, dass nur man selbst Zugriff auf sein Smartphone hat, ist mit dieser Aktion dahin. Schließlich hat Google nicht etwa eine Schad-App von den Geräten der User entfernt, sondern das Gegenteil getan. Sie haben heimlich, also ohne Zutun des Nutzers und ohne sein Wissen, per Fernzugriff etwas auf den Geräten installiert, das einen Schaden verursacht hat. Viele User stellen nun zu Recht die Frage, auf welche Bereiche unseres Smartphones Google sonst noch zugreifen kann!?

Androids Mitfahrgelegenheit

Informationssysteme in Fahrzeugen sind heutzutage nichts Unbekanntes. Neu ist allerdings, Android direkt in die Dashboards der Autos einzubauen. Doch dank Google wird dieses Phänomen bald keine Seltenheit mehr sein.

Der Suchmaschinenriese arbeitet schon seit Langem daran, einen Fuß in die Tür der Automobilindustrie zu bekommen. Durch seine sogenannte Mirroring-Technik hat der das Unternehmen dafür gesorgt, dass durch Android eine angepasste Oberfläche und einige Apps auf dem Autodisplay angezeigt und darüber bedient werden konnten. Doch Google wäre nicht Google, wenn es sich damit zufrieden geben würde. Und so folgt nun die Google-Invasion.

Google kooperiert mit der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz und will auf diese Weise die Präsenz von Android im Dashboard der Fahrzeuge deutlich ausweiten. Google Maps, Google Assistant und Google Play Store sollen zukünftig in den Autos mitfahren und mit Fahrzeugdiagnosediensten und Online-Updates versehen werden. Die Infotainmentsysteme sollen ab 2021 in Millionen Fahrzeugen eingebaut werden.

Android fährt mit und TomTom an den Karren

Doch dass die Autohersteller in Sachen Infotainment künftig auf Google setzen, sorgte nicht bei allen für uneingeschränkte Freude. Für den niederländischen Navigationsspezialisten TomTom ist das ein potentielles Desaster. Laut ARD stürzte die TomTom-Aktie gleich um 30 Prozent ab.

Und auch für die potenziellen Autokäufer ist diese Neuigkeit mit Vorsicht zu genießen. Denn durch die Kooperation erhält der Suchgigant Zugriff auf persönliche Daten der Nutzer. Google müsse sich zwar vorher die Zustimmung des Kunden einholen, doch sollte dieser nicht zustimmen, können die Informationsdienste auch nicht genutzt werden. Für die einen ist das wohl sanfter Zwang, für die anderen einfach Google-like!

Alle Informationen zu Googles Kooperation mit den Autoherstellern gibt es auf Android Police.

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AMP – Google gibt Kontrolle ab…

AMP (Accelerated Mobile Pages) ist eines von Googles jüngsten und gleichzeitig umstrittensten Projekten. Ursprünglich wurde AMP eingeführt, um das Web bzw. die Ladezeiten von Webseiten zu beschleunigen. AMP legte einen fulminanten Start hin und hat sich innerhalb zweier Jahre rasant verbreitet, sodass mehrere Milliarden AMP-Webseiten pro Tag aufgerufen werden.

Und eben genau diese steigende Google-Dominanz hat für viel Kritik gesorgt. Das Fehlen eines Opt-out-Mechanismus‘, die mangelnde Cross-Browser-Kompatibilität und die Depriorisierung von AMP-losen Websites in den Suchergebnissen durch Google sind riesige Probleme. Google zeigt guten Willen und gibt aus diesem Grund die Weiterentwicklung des Formats aus der Hand – teilweise zumindest. Das Unternehmen hat nämlich ein Konsortium geschaffen, das ab sofort gemeinsam über das Format entscheidet.

…HAHA reingefallen!

Statt Google allein, wird zukünftig also ein Komitee aus Vertretern von verschiedensten Unternehmen und Organisationen bei AMP mitbestimmen. Insgesamt besteht das Konsortium aus 710 Mitgliedern, darunter Vertreter von Unternehmen wie Twitter, Pinterest, eBay, Yahoo und Bing.

Quelle: AMP Project

Für Google-Kritiker könnte das also ein Freudentag sein. Wenn sich denn auch tatsächlich was ändern würde, denn:

Für Google ändert sich im Grunde nichts, denn man wird auch weiterhin AMP unterstützen und das Format so wie bisher behandeln. Es wird lediglich die Weiterentwicklung des Formats von der Umsetzung in den Google-Produkten getrennt. Vermutlich wird Google auch mit Konsortium ohnehin alle Weiterentwicklungen durchdrücken können, wenn sie denn notwendig sind.

Googlewachtblog

Es scheint also, als ginge es Google eher um ein soziales Alibi, als um mehr Mitbestimmungsrecht für Dritte.

Release Preview 2 bei Flutter: pixelgenaue iOS-Anwendungen im Fokus

Flutter ist Googles neues Toolkit für mobile Apps, mit dem man in Rekordzeit native Oberflächen auf iOS und Android erstellen kann. Heute wurde die zweite Release Preview als letzter großer Meilenstein vor Flutter 1.0 veröffentlicht.

Der Fokus der Flutter Preview 2 liegt auf pixelgenauen iOS-Anwendungen. Um leichter Anwendungen entwickeln zu können, die sich eng an die Apple Interface-Richtlinien halten, wird in dieser Version die Unterstützung für die auf „Cupertino“ abgestimmten Steuerelemente in Flutter stark erweitert. Hierfür sorgt eine umfangreiche Bibliothek von Widgets und Klassen, die es noch einfacher machen sollen, Anwendungen für iOS zu bauen. Eine weitere Neuerung ist die bis um bis zu 30% kleineren Anwendungspakete auf Android und iOS. Die minimalste Flutter App auf Android „wiegt“ jetzt nur noch 4,7 Megabyte, wenn sie im Release-Modus gebaut wurde, was im Vergleich zu früheren Versionen eine Einsparung von 2 MB bedeutet.

Tausende von Flutter-basierten Anwendungen seien bereits in den Appstores von Apple und Google erscheinen, darunter etwa Alibaba (Android, iOS), Tencent Now (Android, iOS) und Google Ads (Android, iOS).

Alle Informationen zur neuen Release Preview gibt es auf dem Google Developers Blog.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann studiert Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit Februar 2018 arbeitet sie in der Redaktion der Software & Support Media GmbH. Nebenbei ist sie als freie Journalistin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einem regionalen Radiosender gesammelt.
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