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1+1=3

Plädoyer für ein radikales Umdenken: DevOpsCon 2015 ist eröffnet

Hartmut Schlosser

„Bei DevOps geht es um mehr als das Zusammenfügen zweier Disziplinen: Development + Operations. Es geht vielmehr darum zu verstehen, wie diese beiden Disziplinen einander wechselseitig beeinflussen, wie sich bestehende Rollen auflösen, wie neue Aufgaben entstehen und welche Risiken aber auch Chancen sich daraus ergeben. Letztlich geht es um eine grundsätzliche Neubewertung traditioneller Prozesse, Organisationsstrukturen und Technologien“. Mit diesem Motto des „Rethink IT“ läuteten Sebastian Meyen und Peter Rossbach die DevOps Conference in Berlin ein.

_MG_7418Sebastian Meyen eröffnet die DevOpsCon 2015

Damit im Falle DevOps die Gleichung „1+1=3“ wirklich aufgeht – die Addition von Development und Operations also einen echten Mehrwert erzielt -, gilt es laut Meyen, den trivialen Begriff von DevOps zu überwinden. Zweifellos ist es kein Fehler, die Kommunikation zwischen Entwicklern und Sysadmins zu verbessern („einfach ‚mal ein Bier zusammen trinken“) und Tools wie Chef und Puppet einzusetzen. Doch eigentlich will DevOps mehr: In einer radikalen Überprüfung gewachsener Strukturen sollen Wege gefunden werden, wie Unternehmen eine erneuerte IT installieren können, die fit ist für die Herausforderungen der kommenden Jahre.

DevOps ist in diesem Sinne ein Sammelbegriff vieler disruptiver Bewegungen, die die klassischen Entwicklungsprozesse und Unternehmensstrukturen in Frage stellen. Meyen nennt in seiner Eröffnungsrede fünf Punkte:

  • Continuous Delivery: Startups wie Facebook, Twitter, Amazon, Zalando haben es uns vorgemacht: Wer heute schnell auf veränderte Marktsituationen und Kundenanforderungen reagieren kann, erwirbt entscheidende Wettbewerbsvorteile. Statt monolithische Architekturen mit starren Release-Plänen sind schnelle Auslieferungsketten im Sinne von Continuous Delivery der neue Maßstab, an dem sich die IT von heute messen lassen muss. Durch Automatisierungstools und –techniken sollen Releases nicht zweimal pro Jahr, sondern nötigenfalls mehrmals pro Tag ausgeliefert werden können.
  • Microservices: Software-Monolithen entwickeln über die Jahre einen Komplexitätsgrad, der nicht mehr beherrscht werden kann. Es macht deshalb möglicherweise Sinn, Software in kleine, autonome Services aufzuteilen, die miteinander interagieren. Während Veränderungen an einer Software früher das Gesamtsystem betrafen, werden nun einzelne Services aktualisiert bzw. komplett ausgetauscht. Wie diese Services intern funktionieren ist irrelevant: Hier können unterschiedliche Sprachen, Technologien, Datenbanken, etc. zum Einsatz kommen (Stichwort „Polyglott Programming“).
  • Container: Container-Technologien wie Docker bieten eine interessante Möglichkeit, Microservices auf einfache und konsistente Art und Weise zu deployen, zu starten und zu stoppen. Sie machen den Komplexitäts-Tradeoff, den wir durch Microservices eingehen, erträglich und sind darum eine bedeutende Option im neuen DevOps-Game.
  • Cloud Computing: Die Cloud-Technologien, die in der Startup-Welt schon zur Normalität gehören, in der klassischen Industrie dagegen noch mit Argwohn betrachtet werden, scheinen für diese Veränderungen essenziell. Moderne Cloud-Plattformen sind in erster Linie deswegen interessant, weil sie eine neue Art von „Operating System“ anbieten, bei dem Services zur Verfügung gestellt werden, die in herkömmlichen On-Premise-Systemen nicht möglich wären.
  • Agilität: Agilität wurde aus dem Softwareengineering heraus angetrieben und hat sich zu einer Art Mainstream entwickelt. Agil zu sein ist heute „in“ und Scrum gehört fast schon zum Standard. Damit die agilen Rituale allerdings nicht zum Scrum-Schauspiel verkommen, gibt es mittlerweile wieder eine Rückbesinnung auf die Agilen Werte, also auch eine Art Überdenken (Re-Think). Jedenfalls wurde mit Continuous Delivery und DevOps der Bereich des agilen Denkens und Handelns erweitert, was mit Blick auf schnelle Reaktionszyklen nur von Vorteil sein kann.

rossbachProgram Advisor Peter Roßbach auf der DevOpsCon

Sicherlich spielen noch etliche weitere Aspekte in die DevOps-Bewegung hinein: ein effizientes Monitoring und Logging, ausfallsichere, „reaktive“ Systeme, die Produktentwicklung im Sinne des Design Thinking bzw. ein durchgänger Biz-Design-Dev-Ops Workflow. DevOpsCon Advisor Peter Roßbach sieht indes kein Problem darin, den DevOps-Begriff zu einem gewissen Grad unscharf zu belassen: Worauf es ankomme, sei, sich dem Gedanken eines konsequenten Überdenkens traditioneller IT zu öffnen und herauszufinden, welche neuen Ideen für das eigene Projekt Sinn machen.

Die DevOpsCon bereitet den Boden für diesen Diskurs und bietet die Möglichkeit des intensiven Erfahrungsaustauschs mit Experten und Mitsuchenden. JAXenter ist mit dabei und berichtet Live vor Ort.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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