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Hast Du ein Problem, mache eine Party dazu

Pizza, Bier & Speedtesting: Willkommen beim Usability Testessen!

Redaktion JAXenter

Bei der Produktentwicklung spielt die Usability eine immer wichtigere Rolle. Zum einen sind die Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit von Software auch für den Einsatz im beruflichen Umfeld deutlich gestiegen. Zum anderen zeigen Marktentwicklungen, dass diejenigen Anbieter, die anwenderorientiertes Usability-Wissen in ihren Produkten berücksichtigen, eine hohe Kundenzufriedenheit erzielen und besonders erfolgreich sind. Der Frage, wie die Benutzerfreundlichkeit in konkreten Projekten verbessert werden kann, spürten am 7. Mai die Teilnehmer am Frankfurter „Usability-Testessen“ nach.

Vom Usability-Test zum Usability-Testessen

Zweifellos stellt Usability heute ein wichtiges Qualitätskriterium und zugleich einen zentralen Erfolgsfaktor für Hard- und Software dar. Usability-Tests ermöglichen es, die potenziellen Nutzer und ihre konkrete Nutzererfahrung in den Entwicklungsprozess direkt einzubinden. Auf diese Weise lassen sich schwerwiegende Fehler und Schwachstellen bereits in frühen Phasen der Realisierung feststellen und so z.B. Misserfolge bei der Produkteinführung vermeiden. Gleichzeitig können auch neue Aspekte hinsichtlich der Usability des Produkts durch die Rückmeldungen der Tester sichtbar gemacht und zugunsten einer hohen Kundenzufriedenheit umgesetzt werden.

Allerdings sind Usability-Tests häufig sehr zeitaufwendig und setzen voraus, dass genügend Testpersonen zur Verfügung stehen. Beide Anforderungen lassen sich insbesondere in kleineren Unternehmen nicht immer realisieren. In Großunternehmen wiederum sind Usability-Tests zwar meist Bestandteil der Produktentwicklung. Hier wünschen sich Designer jedoch, bereits in einem frühen Stadium der Entwicklung Rückmeldungen zu ihrem Produkt hinsichtlich der Usability von Testpersonen zu erhalten. Dieses Feedback hilft ihnen, die grundlegenden Schwachstellen hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit zu identifizieren und zu beheben noch bevor die Zielgruppe des Produkts, wie z.B. Berater oder Vertriebsmitarbeiter, Usability Tests durchführen.

Die Idee

Angesichts der geschilderten Problemlage ist die Idee zu einem innovativen Veranstaltungsformat aufgekommen:

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Nach dem Motto „Hast Du ein Problem, mache eine Party dazu“ veranstaltete Philipp Hormel im Jahr 2013 das erste „Usability Testessen“. Der Media-System-Designer eines Darmstädter Start-ups konnte Entwickler und Konzepter anderer Startups und Agenturen dafür gewinnen, neue Interfaces bei gesponserter Pizza und Getränken in seinem Unternehmen zu testen. Danach wurde das Usability Testessen regelmäßig in den Räumlichkeiten von Sponsoren und mit Unterstützung eines Organisationsteams durchgeführt.

Bei diesem Event kommen Entwickler und Nutzer an einem Tisch zusammen, um in lockerer Atmosphäre Prototypen, Websites und Apps vor ihrer Veröffentlichung auf ihre Gebrauchstauglichkeit zu testen. Hierzu stellen einige Teilnehmer ihre aktuellen Projekte zum Testen zur Verfügung. Die übrigen Teilnehmer testen, an welchen Stellen Schwierigkeiten bei der Benutzung dieser Projekte auftreten. Hierzu werden verschiedene Teststationen aufgebaut und dort sechs Testrunden von jeweils zwölf Minuten durchgeführt.

Die mehrstündige Veranstaltung startet üblicherweise abends in den Räumlichkeiten eines Sponsors. Damit die Tests möglichst effektiv durchgeführt werden können, erhalten die Teilnehmer bei ihrer Registrierung ein Kärtchen, das die Reihenfolge der Teststationen auflistet, die sie bei dem Event durchlaufen sollen. Hier sind auch die jeweiligen Testzeiten vermerkt.

Auf die Teilnehmer-Registrierung und einen ersten Austausch folgt die Einführung in das Veranstaltungsformat. Bei dieser stellt sich das Organisationsteam vor, informiert im Rahmen einer Präsentation über die Grundidee für das Event und erläutert die Testmethode, die „Thinking-Aloud-Methode“. Diese wird anhand eines konkreten Projekts durchgespielt und so veranschaulicht. Anschließend stellen Teilnehmer ihre Testobjekte vor, die sie zum Testen bereitstellen.

Nach der Klärung von Teilnehmerfragen zum Ablauf des Events starten die Teilnehmer dann mit den Tests an den verschiedenen Stationen. Getreu der „Thinking-Aloud-Methode“ sprechen die Tester die einzelnen Schritte ihres Vorgehens laut aus. Die Bereitsteller der Testobjekte notieren währenddessen die wichtigsten Erkenntnisse. Sie können im Anschluss Rückfragen zu den aufgetretenen Problemen stellen und sich die Stärken ihres Produkts erklären lassen.

Nach drei Testrunden findet eine halbstündige Pause statt. Diese nutzen die Teilnehmer, um sich mit Essen und Getränken zu stärken und auszutauschen. Es folgen drei weitere Testrunden. Danach versammeln sich alle im Plenum, um abschließend über ihre Erfahrungen beim Testen sowie ihre Eindrücke von den Testobjekten zu berichten. Das Feedback zum Event und weitere Anregungen hält das Organisationsteam fest und nutzt diese Informationen zur Weiterentwicklung des Veranstaltungsformats.

Ergebnisse des Usability Testessens in Frankfurt

Vom Usability Testessen profitieren alle Teilnehmer gleichermaßen: Die einen lernen in den Testrunden neue Anwendungen kennen. Die anderen erhalten ein ehrliches Feedback, wie sie ihr Produkt hinsichtlich Usability weiter optimieren können. Die Begrenzung auf maximal 40 Teilnehmer ermöglicht darüber hinaus allen ein effizientes Arbeiten sowie einen lockeren Austausch bei Essen und Getränken zum Start des Events.

Orga-Team Frankfurt

Organisationsteam für die Usability Testessen in Frankfurt am Main: obere Reihe (v.l.n.r.): Philipp Hormel, Tomas Herzberger, Jochen Stärk, Matthias Kramer, Marc Schlegel. Untere Reihe (v.l.n.r.): Oliver Mahn, Miriam Dobner

Beim Frankfurter Usability Testessen, das am 7. Mai in den Räumlichkeiten der compeople AG stattfand, lobten die Teilnehmer durchgängig das innovative Veranstaltungsformat. Bereitsteller von Testobjekten betonten, dass sie erkannt hätten, wie wichtig es sei nach dem Motto „Criticism is more powerful than praise“ vorzugehen und ihre Projekte so früh wie möglich zum Testen bereitzustellen. Sie freuten sich über die vielen wertvollen Rückmeldungen, die sie von den Testern erhalten hatten und mit denen sie sich jetzt bestens ausgestattet fühlten, um ihr Produkt entscheidend zu optimieren. Die Tester wiederum fanden es spannend, dass sie viele verschiedene Objekte in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien kennengelernt hatten. Erwähnt wurde darüber hinaus die gute Atmosphäre, in welcher das Testen und der Austausch stattfanden und allen Spaß gemacht hätten.

Matthias Kramer, Mitglied des Frankfurter Organisationsteams und Mitbegründer des Start-ups www.lizza.de, betont die branchenübergreifende Relevanz der Usability-Testessen:

Das Sympathische an diesem Event ist, dass hier Produkte von Teilnehmern aus ganz unterschiedlichen beruflichen Umfeldern beim Speed-Testing getestet werden. Dadurch erhalten die Bereitsteller von Produkten ein sehr vielfältiges und schnelles Feedback.

Oliver Mahn, Mitglied des Frankfurter Organisationsteams:

Mir gefällt, dass hier Produkte in allen Stadien des Entwicklungsprozesses getestet werden wie z.B. Business-Ideen, Apps, Websites oder auch theoretische Modelle. Und nicht zu vergessen ist auch, dass die Veranstaltung kleinen Unternehmen und Start-ups die Chance bietet, Kosten und Zeit für aufwendige Tests ihrer Produkte zu sparen.

Es geht weiter!

Neun Usability Testessen haben – einschließlich der Veranstaltung am 7. Mai 2015 – bislang stattgefunden, sieben davon in Darmstadt. Das Event kommt gut an und ist bereits innerhalb kürzester Zeit nach Ankündigung überbucht. Ziel des Ideengebers ist es daher, Organisationsteams in anderen Städten und Bundesländern dafür zu gewinnen, Usability Testessen durchzuführen und das Veranstaltungskonzept auf Grundlage des Feedbacks der Teilnehmer weiter zu entwickeln.

Mit Events nun auch in Frankfurt ist der erste Schritt in diese Richtung gemacht. Motivation für Sponsoren, das Usability Testessen auch in weiteren Städten in ihren Unternehmen zu unterstützen, liefert Miriam Dobner, Interaktionsdesignerin bei der compeople AG:

Ich halte das Usability Testessen für ein interessantes und zugleich wichtiges Veranstaltungsformat. Deshalb möchte ich durch meine Mitarbeit im Organisationsteam dazu beitragen, dass Usability Testessen auch in Frankfurt regelmäßig durchgeführt werden. Mich begeistert insbesondere, bei den Events mit zu erleben, wie ergiebig es ist, sich bei der Produktentwicklung am Nutzer zu orientieren. Nach nur fünf Testdurchgängen sind bereits die wesentlichen Schwachstellen eines Testobjekts ermittelt und dieses kann in kurzer Zeit im Hinblick auf die Usability optimiert werden.

Jürgen Wiesmaier, Vorstand der compeople AG:

Usability spielt im Zeitalter der Digitalisierung eine wichtige Rolle bei der Realisierung zukunftsfähiger IT-Anwendungen für die unterschiedlichsten Devices. Daher begrüßen wir die Eigeninitiative der Organisatoren und Teilnehmer des Usability Testessens und möchten als Sponsor dazu beitragen, dass sich die Veranstaltung auch in Frankfurt als feste Institution etabliert.

Momentan werden die Usability-Testessen zwei-monatlich, und zwar abwechselnd in Darmstadt und in Frankfurt durchgeführt. Damit sich das Event schnell weiter verbreitet, hat der Ideengeber das Veranstaltungsformat mit einer Creative Commons-Lizenz versehen. So können Organisationsteams seit dem 28.04.2015 die Inhalte des Events frei nutzen, d.h. ohne Einschränkungen durch ein Urheberrecht. Interessierte finden ausführliche Informationen hierzu unter: https://www.qundg.de/usability-testessen-expansion-creative-commons.

Wer an einem der nächsten Usability-Testessen teilnehmen möchte, oder die Idee gar so spannend findet, dass er selbst ein Testessen sponsoren möchte, findet alle Informationen auf der Website: www.usability-testessen.de

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