Interview Jürgen Hoffmann, Senior Manager Platform Architecture bei Pivotal

„Für große und umfangreiche Anwendungen ist der Serverless-Ansatz oft nicht optimal“

Dominik Mohilo

Kubernetes ist die Basis von Knative, Knative eine neue Abstraktionsebene für die Container-Plattform. Pivotal Function Service abstrahiert noch weiter und setzt auf Knative auf. Was genau die Multi-Cloud-Serverless-Plattform heute ausmacht und welche Funktionalität in Zukunft noch implementiet werden wird, darüber spricht Jürgen Hoffmann, Senior Manager Platform Architecture bei Pivotal, mit uns im Interview. Zudem gibt er eine Einschätzung ab, wie sich die Container-Welt in naher Zukunft entwickeln wird und erklärt, wofür sich der Serverless-Ansatz eher nicht eignet.

JAXenter: Hallo Jürgen und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Pivotal hat vor einiger Zeit das Serverless Framework Pivotal Function Service veröffentlicht. Kannst du uns vielleicht kurz erläutern, was den Developern und dem IT-Betrieb damit für ein Tool an die Hand gegeben wird?

Jürgen Hoffmann: Pivotal Function Service (PFS) ist eine Kubernetes-basierte, Multi-Cloud-Serverless Plattform. Als eventorientierte Umgebung unterstützt sie Entwickler beim Deployment, Ausführen und Updaten von Funktionen. Dafür übergibt der Entwickler den Quellcode an die PFS-Build-Komponente, welche ihn dann mittels vorgefertigter Buildpacks entsprechend ausführbar macht und als Container bereitstellt. Die Skalierung der Infrastruktur erfolgt dabei völlig automatisiert. Das Besondere daran ist zudem seine Offenheit: Der Pivotal Function Service bietet den Nutzern in jeder Cloud, egal ob öffentlich oder privat, die gleichen Developer- und IT-Betriebs-Möglichkeiten.

JAXenter: Pivotal war auch an der Gründung von Knative beteiligt – wie spielen PFS und Knative zusammen? Welche Gemeinsamkeiten gibt es, welche Unterschiede?

Pivotal Function Service erweitert Knative u.a. um ein einfach zu bedienendes CLI.

Jürgen Hoffmann: PFS ist das erste Multi-Cloud-Paket, das auf Knative aufsetzt. Hinter der Open-Source-Initiative Knative steckt ein ganz praktisches Problem: Entwickler, die Container-basierte Functions in Serverless-Umgebungen einsetzen wollen, mussten sich bisher um die verschiedenen Spezifikationen der Cloud-Anbieter kümmern. Eine Funktion, die auf einer AWS-Cloud ausgeführt werden sollte, sah anders aus als eine, die für Google Cloud entwickelt wurde. Knative bildet hier die verbindende, standardisierende Zwischenebene. Sie ermöglicht es, Funktionen flexibel zwischen verschiedenen Clouds hin her portieren zu können, ohne zusätzlichen Programmieraufwand. Der Pivotal Function Service erweitert Knative nun um die genannten Services und ein einfach zu bedienendes CLI.

JAXenter: Welche Funktionen sind für PFS in Zukunft geplant, was fehlt dem Framework also noch?

Jürgen Hoffmann: Derzeit treiben wir vor allem das Thema Authentifizierung voran. In der Alpha-Version von PFS ist das noch nicht so gelöst, wie wir das gerne hätten. Bisher ist die Authentifizierung nur mit einigen Docker-Image-Registries möglich. Die tiefergreifende Integration in das Kubernetes-Ökosystem ist ebenfalls geplant.

JAXenter: Das Thema Serverless hat im Jahr 2018 immer mehr Fahrt aufgenommen, mit Knative und PFS sind zwei starke neue Player auf der Spielfläche erschienen. Warum erlebt das Thema derzeit einen solchen Hype? Ist dieser deiner Meinung nach berechtigt? Wieso?

Jürgen Hoffmann: Da spielen meiner Meinung nach mehrere Entwicklungen zusammen. Die Container-Technologie sorgt für eine neue Dimension der Skalierung bei eventgetriebenen Microservices. Gleichzeitig nutzen immer mehr Unternehmen die flexiblen Möglichkeiten der Infrastruktur-Bereitstellung – von Cloud bis Serverless Computing. Zudem wird die Erfassung von Daten und deren Auswertung zunehmend geschäftskritischer, etwa um datengetriebene Geschäftsentscheidungen zu treffen oder Geschäftsmodelle wie IoT umzusetzen. Jetzt können ganz neue Business-Intelligence-Optionen umgesetzt werden, die vorher an technischer Machbarkeit scheiterten – wie die Erfassung von Daten von hunderttausenden Sensoren, die geografisch extrem verteilt sind. Wenn man dank Serverless sich um die Konfiguration der notwendigen Infrastruktur keine Gedanken machen muss, kann man in ganz neuen Data-Analytics-Dimensionen denken.

JAXenter: Gibt es Anwendungsfälle, in denen ein Serverless-Ansatz eher hinderlich als förderlich ist?

Es ist nicht immer sinnvoll, große umfangreiche Anwendungen in kleinen eventgetriebenen Teilen zu programmieren.

Jürgen Hoffmann: Serverless spielt vor allem dann seine Vorteile aus, wenn es darum geht, eventgetriebene Services auszuführen, die ihre Spezifikation mitbringen. Denn Serverless vereinfacht zwar sehr die Infrastruktur-Bereitstellung, ist aber nichts für stark individualisierte Umgebungen. Externe Komponenten anzubinden, wie etwa das eigene Rechenzentrum, ist kaum möglich. Zudem ist es nicht immer sinnvoll, große umfangreiche Anwendungen in kleinen eventgetriebenen Teilen zu programmieren. Solche verteilten Anwendungen und ihr Aufrufverhalten zwischen den Einzelteilen werden schnell sehr komplex und damit schwer handhabbar.

JAXenter: Knative und PFS setzen auf Kubernetes auf, womit die Verschmelzung von Containern mit Serverless eigentlich final ist. Wird die Container-Technologie auch in Zukunft das Maß der Dinge sein oder gibt es bereits mögliche Nachfolger?

Jürgen Hoffmann: Das ist schwer zu sagen. Derzeit löst die Container-Technologie viele praktische Probleme und viele Entwickler beschäftigen sich mit der Optimierung. Ein Thema ist momentan beispielsweise die Umsetzung eines Unikernels – ein für jeden Container zugeschnittener Kernel, in dem dann nur exakt die Funktionen sind, die vom Docker Image am Ende auch benutzt werden. Bisher teilen sich die Container ja einen aktiven Kernel, in dem die User Spaces generiert werden. Wie gut das Unikernel-Prinzip funktioniert, muss sich noch zeigen. Generell sind aber Container und Serverless nur für bestimmte Bereiche der Anwendungsentwicklung wegweisend. Die Technologien werden auf absehbare Zeit weder den gesamten Development- noch den Infrastruktur-Bereich ablösen – Legacy-Systeme, Virtualisierung und auch proprietäre Rechenzentren wird es meiner Meinung nach noch eine Weile geben.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Jürgen Hoffmann ist Senior Manager Platform Architecture bei Pivotal.
 
 
 
 

 

Werden Sie sich 2019 mit Kubernetes beschäftigen?

Loading ... Loading ...

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: