Petition für die Freiheit von APIs: Kohsuke Kawaguchi macht Front gegen Oracle, Microsoft & Co.

Hartmut Schlosser

Verebbt schienen die hohen Wellen, die seit August 2010 der Rechtsstreit zwischen Oracle und Google um die Android-Plattform aufgeworfen hatte. Am vorläufigen Verfahrensende hatte Bundesrichter William Alsup die Copyright- und Patentrechtsverletzungen, die Oracle dem Android-Eigner Google vorgeworfen hatte, fast vollständig zurückgewiesen. Für die gesamte IT-Branche bedeutsam war das Urteil auch deshalb, weil Alsup die Möglichkeit, APIs mit einem Copyright zu belegen, ausgeschlossen hatte. Nun könnte in einem Berufungsverfahren genau diese Frage anders bewertet werden.

Oracle kündigte schon kurz nach der Urteilsverkündung im Mai 2012 an, in Berufung gehen zu wollen. Über sogenannte „Friend-of-the-Court Briefs“ bekommt Oracle nun Unterstützung von verschiedenen Industrie-Vertretern, darunter Microsoft und IBM. In dieser auch „Amicus Curiae“ genannten Form der Beteiligung Dritter an einem Gerichtsverfahren soll das Urteil Alsups offenbar unter Beschuss genommen werden. „Das etablierte Regime verteidigt seine Pfründe gegenüber der Startup-Szene“, kommentieren Sacha Labourey und Steven G. Harris von CloudBees.

Beide unterstützen in einem Blogpost öffentlich eine Petition von Jenkins-Gründer Kohsuke Kawaguchi, die unter dem Titel „Support API Freedom“ die Copyright-Fähigkeit von APIs ausräumen möchte. Hier der Wortlaut der Petition:

As can be seen in the Oracle v Google lawsuit, legacy vendors are getting together to try to overturn a court ruling that APIs are NOT copyrightable. If successful in their appeal, the ruling would prevent competitive implementations of the same API, resulting in a new kind of lock-in that reduces competition and set a precedent that affects all APIs and programming languages.

Our economy will be more competitive when people can switch providers using compatible APIs. Thus it is important to protect the openness of APIs and the freedom of software developers to provide alternative implementations.

Entrenched software vendors are banding together to protect their proprietary interests. We need to show the people’s support of the other side. Please support API freedom.
Kohsuke Kawaguchi

Sacha Labourey und Steven G. Harris raten, sich an der Petition zu beteiligen. Die beiden Köpfe des PaaS-Anbieters CloudBees stellen die Copyright-Frage in den Zusammenhang mit aktuellen IT-Trends wie die Nutzung von Cloud-Computing-Angeboten. Der Wechsel von kommerziellen Software-Paketen hin zu Open Source Software und Cloud-Diensten (SaaS, PaaS, IaaS) beinhalte nämlich eine erhöhte Abhängigkeit von Drittpartei APIs. Die Frage laute deshalb: Profitiert die Wirtschaft mehr dadurch, dass Unternehmen einfach von einem Service Provider zum nächsten wechseln können, indem sie die identischen APIs nutzen? Oder soll es Anbietern möglich gemacht werden, diese Wettbewerbsfähigkeit über ein API Lock-in zu verhindern?

Should this happen only because a handful of legacy software vendors want to protect their franchise a few more years? This decision will impact us for decades to come. Sacha Labourey und Steven G. Harris

Um die Obama-Administration zu einer Reaktion zu zwingen, müssen in der Petition bis zum 5. Mai 100.000 Unterschriften gesammelt werden. Allerdings stehen die Chancen hierzu nicht sonderlich gut, haben sich doch seit dem 5. April erst 90 Personen beteiligt.

Unterdessen ist die Aufhebung des Copyright-Urteils nicht die einzige Front, an der Oracle und Microsoft gegen Googles Android-Plattform kämpft. Gemeinsam mit 15 weiteren Unternehmen, darunter Nokia, haben sie die Lobby-Vereinigung „Fairsearch“ ins Leben gerufen und eine Beschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel eingereicht. Die IT-Lobbykommission wirft Google vor, sich durch wettbewerbswidrige Strategien Vorteile zu verschaffen, da Android den Markt durch zu günstige Preise und die Benachteiligung dritter App-Anbieter untergrabe.

Hauptpunkt der Beschwerde durch Fairsearch ist, dass Google den Markt durch die kostenlose Bereitstellung des Android-Betriebssystems für Hersteller monopolisiere. Darüber hinaus benachteilige Google die Anbieter von Apps, die in Konkurrenz zu Google Maps, YouTube oder dem Google Play Store stehen, da Google diese Programme auf dem OS vorinstallieren lässt.

Der zuständige Beamte für Kartellrecht der EU, Joaquin Almunia, bestätigte, dass die EU unabhängig von Fairsearch Android bereits seit zwei Jahren beobachte. Da Fairsearch offiziell Beschwerde eingereicht hat, muss die EU nun entscheiden, ob sie die Untersuchungen aufnimmt.

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Hartmut Schlosser
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