Interview mit Johannes Unterstein

„Persistenz ist in der heutigen Container-Landschaft eine große Herausforderung“

Hartmut Schlosser

Johannes Unterstein

Vielen Entwicklern ist die Arbeit mit Containern bereits in Fleisch und Blut übergegangen, gerade auf Unternehmensebene wird das Thema immer wichtiger. Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen. Im Interview mit JAXenter erklärt W-JAX 2016 Speaker Johannes Unterstein, in welchem Bereich Container besonders nützlich sind, wie Einsteiger sich mit ihnen vertraut machen können und wo der Fokus von Container 2.0 liegt.

w-jax 2016 logoTreffen Sie Johannes Unterstein auf der W-JAX 2016

Die Session Containerorchestrierung mit Mesos – DC/OS für Java-Entwickler wird am Donnerstag, 10. November, ab 9 Uhr im Saal „Barcelona“ stattfinden.
 

 
JAXenter: An welcher Stelle sind für dich persönlich Container-Technologien am nützlichsten? Wo liegt in deinen Projekten der größte Mehrwert durch den Einsatz von Docker & Co.?

Johannes Unterstein: Container sind ein zentraler Bestandteil meiner täglichen Arbeit und erleichtern meinen Alltag enorm. Sei es um CI-Jobs laufen zu lassen, Teile der Anwendung in verschiedenen Umgebungen (dev, qa, prod) zu starten oder Container einfach auf Docker Hub zu teilen. Weiterhin arbeite ich an Marathon, dem Container-Scheduling-System von DC/OS, und beschäftige mich daher den Großteil meines Tages mit der Orchestrierung von Containern.

Marathon macht es möglich, Anwendungen mit Mesos zu orchestrieren, die nichts von der Existenz von Mesos oder dem Mesos Resource-Offering-Konzept wissen. Dabei können diese Anwendungen bereits in ein Container-Format verpackt sein oder werden ad hoc über Mesos voneinander isoliert.

JAXenter: Welche aktuellen Container-Tools/Initiativen findest du am spannendsten – und warum?

Johannes Unterstein: Es gibt aktuell viele spannende Entwicklungen, die sich damit beschäftigen, Container einfach in Produktion zu verschiffen und zuverlässig zu betreiben. Dabei finde ich in den aktuellen Diskussionen sehr spannend, wie schnell sich alle Ebenen bewegen. Sei es auf einer sehr detaillierten Ebene, auf welcher über die Docker-Runtime kontrovers diskutiert wird, oder auf einer sehr abstrakten Ebene, auf welcher der Betrieb von hunderten oder tausenden Containern adressiert wird. Außerdem ist die Entwicklung verschiedener Standards, wie zum Beispiel CNI für Networking, interessant zu beobachten.

JAXenter: Florian Leibert, CEO von Mesosphere, hat jüngst das Bild einer neuen Generation von Container-Anwendungen beschrieben: Container 2.0 (siehe hier). Was würde aus deiner Sicht zu einer solchen Container-2.0-Welt gehören (Dinge also, die heute noch nicht zuverlässig und umfassend funktionieren, aber funktionieren könnten bzw. sollten)?

Container 2.0 adressiert sowohl zustandsbehaftete Container, als auch die Kombination mit Big Data Frameworks

Johannes Unterstein: Eine große Herausforderung in der heutigen Container-Landschaft ist das Thema Persistenz. Zustandslose Container sind relativ einfach zu handhaben: Zum Beispiel können diese im Fehlerfall einfach auf einem beliebigen Knoten neu gestartet werden, mit zustandsbehafteten Containern ist das nicht mehr so einfach. Was passiert, wenn ein Container mit persistenten Daten nach einem Netzwerkproblem wieder erreichbar ist, aber bereits eine zweite Instanz gestartet wurde?

Container 2.0 adressiert sowohl zustandsbehaftete Container als auch die Kombination mit „Big Data“ Frameworks, wie etwa Spark, Cassandra, Kafka die optimalerweise auf demselben Cluster wie die Container laufen.

JAXenter: Hast du einen Tipp, wie sich Einsteiger am besten dem Thema Container nähern können?

Johannes Unterstein: Ein guter Einstieg ist, sein aktuelles Projekt in Container zu verpacken und einfach zu schauen, was passiert. Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, wenn man sich die Abhängigkeiten seiner aktuellen Installation in Form eines Dockerfiles verdeutlicht, um sie zu dokumentieren und vielleicht herauszufinden, wie und ob man seine Komponenten der Anwendung sinnvoll aufteilen könnte.

JAXenter: Dein Talk auf der W-JAX heißt „Container-Orchestrierung mit Mesos – DC/OS für Java-Entwickler“. Was ist die Kernbotschaft deiner Session, die jeder Teilnehmer mit nach Hause nehmen sollte?

Johannes Unterstein: Ich möchte in meinem Talk die Geschichte eines neuen Java-Services von der Entwicklung, über die ersten Container, bis hin zur Produktion erzählen und dabei zeigen, wie einfach dieser Workflow mit der Hilfe von DC/OS ist. Als Entwickler hat man, glaube ich, viel gewonnen, wenn man seine Zeit und Energie sinnvoll in die Lösung der Fachlichkeit der Anwendung investieren kann und ein Werkzeugkasten an die Hand bekommt, um die technischen Probleme eines großen und/oder verteilten Systems zu bewältigen.

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Die Session Containerorchestrierung mit Mesos – DC/OS für Java-Entwickler wird am Donnerstag, 10. November, ab 9 Uhr im Saal „Barcelona“ stattfinden.

Abstract:
In Zeiten von Docker, Big Data und Microservices wird es immer wichtiger, seine verteilte Anwendung sinnvoll auf sein Cluster zu verteilen und dabei trotzdem noch den Überblick zu behalten. Daher werden Plattformprodukte bzw. Cluster-Management-Systeme wie Kubernetes oder DC/OS immer wichtiger und halten in immer mehr Bereiche Einzug. In dieser Session werden wir einen Java-basierten Service implementieren und ihn mit einer Handvoll umgebenden Services zunächst mit Docker-Compose starten. Danach werden wir sehen, wie einfach es ist, die gleiche verteilte Anwendung in DC/OS auf dem eigenen Cluster zu deployen und zu monitoren. Danach werden wir einzelne Services unabhängig von der restlichen Anwendung skalieren und im laufenden Betrieb aktualisieren. Und das Coolste dabei: Wir können uns alle Vorgänge visualisieren lassen.

 

johannes_untersteinJohannes Unterstein organisiert die Java User Group in Kassel, lehrt an der DHBW Stuttgart und arbeitet als Distributed Applications Engineer bei Mesosphere. Als Teil des Marathonteams arbeitet er hart daran mit, Marathon und DC/OS ein Google-Like-Scaling für jedermann zu ermöglichen. Trotz der großen Faszination von Containern und deren Orchestrierung kann er es sich nicht verkneifen, oft über Elasticsearch und Neo4j zu sprechen.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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