Outsourcing – Hilfe von außen

Outsourcing-Märkte

Ist die Rede vom Outsourcen, denken die meisten vermutlich automatisch an Indien. Kein Wunder, schließlich besitzt dieses Land ein unglaubliches Potenzial im IT-Bereich. So schließen dort jedes Jahr etwa 300000 Programmierer ihre Ausbildung ab, und die Entwickler sind hochqualifiziert. Mittlerweile gibt es allerdings Konkurrenz. Sogar mehr als das. Denn Experten sind sich einig, dass China Indien bereits in den nächsten drei bis fünf Jahren den Rang des bevorzugten Outsourcing-Standorts streitig machen wird. Allerdings liegt längst nicht mehr nur Asien im Fokus der Unternehmen. Immer öfter wird auch der Blick nach Osteuropa gerichtet. Prominentestes Beispiel dürfte sicherlich IBM sein. Der Konzern verlagerte die SAP-Basisbetreuung nach Ungarn.

Geeignete It-Prozesse

Ein ideales Feld zum Outsourcen ist zweifellos das Testen von Software. Entwickler wissen, wie zeit- und somit kostenintensiv Softwaretests tatsächlich sind. Erschwerend kommt hinzu, dass in den Unternehmen oft weder das richtige Know-how noch das passende Equipment für das Testen zur Verfügung steht. Und natürlich spielt noch ein entscheidender Aspekt eine Rolle, der mit einer „Eigenheit“ von Softwareentwicklern zu tun hat: Bekanntermaßen ist nichts schwieriger, als seine eigene Software auf Herz und Nieren hin zu untersuchen. Dazu fehlt schlicht und ergreifend die Distanz zum Produkt und manchmal natürlich auch die Qualifikation. Denn längst nicht alle Entwickler haben eine systematische Testausbildung hinter sich gebracht. Professionelle Testlabors gibt es mittlerweile zu Hauf, auch in Deutschland. Nachdem man dort sein Projektprofil definiert hat, geht es in die Designphase, dann zur Codekontrolle und erst dann folgt der eigentliche Test. Wie der letztendlich aussieht, hängt vom Produkt ab. Normalerweise werden aber eine Vielzahl an Tests- und Testmethoden angeboten. Die Palette reicht von funktionalem, über agiles Testen bis hin zu statischen Analysen.

Das Testen ist natürlich nur ein möglicher Anwendungsbereich für das Outsourcen. Ebenso geeignet sind zum Beispiel Support-Prozesse, Servermanagement und die Personalabrechnung. Auch für Business Application und Utility eignet sich ein Outsourcing. Definitiv nicht ausgelagert werden dürfen hingegen IT-Produkte, die die Kernkompetenz eines Unternehmens darstellen. Ein typisches Beispiel wäre die System-Software von eBay. Denn wenn eBay diese auslagern würde, gäbe man damit sein gesamtes Know-how in fremde Hände. Auch das Prozessmanagement, also das Gestalten und Weiterentwickeln der im Unternehmen verbliebenen Geschäftsprozesse, darf nicht außer Haus gegeben werden.

Kosteneinsparungen

Da Projekte in so genannte Billiglohnländer ausgelagert werden, herrscht allgemein der Irrglaube, dass dort auch die IT-Experten wenig verdienen. Dem ist allerdings längst nicht mehr so – spätestens nach dem Markteintritt von Google in Indien. Der US-amerikanische Suchmaschinenbetreiber sprengte mit seinem Einstiegsgehalt von 20000 Euro pro Jahr das dortige Lohngefüge. Seitdem explodieren die Kosten auch für andere Firmen. Konnten amerikanische Unternehmen 2005 für einen Programmierer in den USA drei Mitarbeiter in Indien beschäftigen, sind es heute nur noch zwei. Mittlerweile sind die Lohnkosten so weit gestiegen, dass erste US-Firmen sich wieder aus Indien zurückziehen. Das ist allerdings nicht der einzige Aspekt, der die Kostenschraube weiter anzieht. Auch die Mieten für Büros haben sich in den letzten Jahren extrem erhöht. Und dann gibt es noch einen nicht zu unterschätzenden Punkt: den Zeitunterschied. Denn der beträgt zu Indien im Vergleich zur mitteleuropäischen Zeit viereinhalb beziehungsweise dreieinhalb Stunden während der europäischen Sommerzeit. Will man also schnell mal mit seinem indischen Kollegen telefonieren, muss man das jedes Mal berücksichtigen. Zu China beträgt der Zeitunterschied sogar schon sechs Stunden.

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