Orion 4.0 M2: Coden in der Cloud

Hartmut Schlosser

Wer hätte das gedacht. Als die Eclipse Foundation 2010 das Projekt Orion ankündigte, in dem eine Browser-basierte Entwicklungsumgebung entstehen sollte, reagierten viele skeptisch. Alt waren damals schon die Diskussionen um das Ansinnen, die populäre Desktop IDE Eclipse in den Browser zu bringen. Anfänglich war es die Idee, die bestehende Eclipse-Plattform Browser-fähig zu machen – was sich aber aufgrund gewisser Code-Altlasten als gar nicht so einfach herausstellte. Mit Orion wagte man deshalb einen kompletten Neuanfang, losgelöst von der traditionellen Eclipse-Plattform, und konzentrierte sich auf die Webentwicklung mit HTML, CSS und JavaScript. Und hatte Erfolg. Seit 2011 ist der Orion Editor auch im Firefox enthalten und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die Entwicklung von Orion geht zügig voran, Releases kommen im 4-Monatsrhythmus. Erschienen ist gerade der zweite Meilenstein für Orion 4.0, in dem Verbesserungen am Editor und in den JavaScript Tools gemacht wurden. Beispielsweise können jetzt Markdown Files gerendert werden. Die Auto Completion ist intelligenter geworden und ergänzt Block Comments und fehlende Klammern zuverlässig. Neue Optionen für Randlineale stehen zur Verfügung. Außerdem gibt es das Update zu JGit 3.0 und Support für sogenanntes Git Blame,  mit dem sich anzeigen lässt, welcher Autor zuletzt eine Codezeile verändert hat. Alle Neuerungen sind auf dem Orion-Blog beschrieben.

git-blame in Orion 4.0 M2. Bild: http://planetorion.org

Das aktuelle Eclipse Magazin beschäftigt sich übrigens schwerpunktmäßig mit Orion. Dort gibt Orion-Entwickler Ken Walker Einblicke in die interne Entwicklung des Orion-Projektes. Herauszuheben ist der Eclipse-typische Ansatz, eine Basisplattform bereit zu stellen, die sich durch wiederverwendbare Komponenten ergänzen lässt:

Wir wollten eine Entwicklungsplattform zur Verfügung stellen, die Entwickler zufriedenstellt – anfangs vorwiegend Webentwickler. Das ist ein ziemlich wählerisches Völkchen. Was Tools angeht, sind sie Minimalisten. Viele benutzen NotePad++, vi oder, wenn sie’s wirklich drauf ankommen lassen, Sublime Text. Kommandozeilentools. Es gibt also nicht viel, wogegen wir uns durchsetzen müssen, um diese Entwickler in die Cloud zu bekommen. Aber wir versuchen eben auch, eine Reihe von Komponenten zur Verfügung zu stellen, die man nutzen kann. Man kann z. B. nur unseren Editor als einzelne, verkleinerte JavaScript-Komponente verwenden und ihn in die eigene Webseite einbetten. Man muss nicht alles von Orion verwenden. Wir versuchen also, solche Komponenten zu schreiben und Plug-in-Architektur und Microservice-Frameworks als Grundlagen für Browserunterstützung und modernste HTML5-Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Ken Walker

Dass diese Komponenten-basierte Entwicklung für viele Player interessant ist, zeigen bereits einige Industrie-Projekte:

Mozilla hat zum Beispiel nur den Editor genommen und ihn in Firefox eingebettet, als Teil der Debug-Plattform und für Scratchpad, womit man innerhalb von Firefox Content evaluieren kann. HP hat erst kürzlich große Teile des Orion Node Servers in die hauseigene ALM-Lösung integriert. Sie machen damit Liveentwicklung in der Cloud. IBM hat gerade auf der [IBM] Rational-Konferenz „Innovate“ in Florida die ALM-Lösung JazzHub angekündigt. Auch hier kommt Orion zum Einsatz. Manche Leute verwenden auch Teile von Orion auf ihren Websites, um Beispiele zu schreiben. Es gibt also viele verschiedene Möglichkeiten, Orion zu konsumieren. Wenn Sie in der JavaScript-Community Promises/A+ verwenden: Wir haben eine Implementierung davon, die jeden Tag verwendet wird. Wir verwenden Orion, um Orion zu coden, wir hosten selbst.Ken Walker

Wer sich für Orion interessiert, kann die Funktionalitäten in der gehosteten Variante OrionHub ausprobieren. Und natürlich lohnt sich ein Blick ins aktuelle Eclipse Magazin. Dort beschreibt Tom Schindl übrigens, wie Orion auch für die Java- und JavaFX-Programmierung eingesetzt werden kann:Man nehme JDT, JavaFX und eine Prise Orion“.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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