Oracle vs. Google = "Less innovation in Java"

Hartmut Schlosser

Java wird aufhören, innovative Ideen hervorzubringen. So lautet das Fazit der Forrester-Analysten Jeffrey Hammond und John R. Rymer in ihrem Blogeintrag „App Development Managers Should Care About Oracle’s Suit Against Google„. Oracles Klage gegen Google wegen möglicher Patentrechtsverletzungen in der Mobile-Plattform Android habe zur Folge, dass unabhängige Beiträge zur Weiterentwicklung von Java zurückgingen und Entwickler sich zunehmend außerhalb des Java-Universums umtun, wenn sie nach neuen, spannenden Ideen suchen.

Zwei Strategie-Optionen habe Oracle beim Umgang mit Java gehabt:

  1. Wiederbelebung von Java als Kristallisationspunkt für Internet-Innovation und damit Aufbruch in eine zweite goldene Java-Ära
  2. Nutzung von Java als Geldmaschine

Oracle habe sich nun eindeutig für die zweite Option entschieden, meinen Hammond und Rymer. Java sei im Enterprise-Sektor derart tief verwurzelt, dass Unternehmen auch weiterhin an Java festhalten würden, ja müssten. Dieser Fokus auf den Enterprise-Sektor verbunden mit der Geschäftsidee, die quasi Abhängigkeit vieler Unternehmen von Java auszunutzen, sei Oracles Strategie, die für die Analysten keineswegs überraschend kommt.

Das Schicksal von Java den eigenen Monetarisierungsbestrebungen sowie den Bedürfnissen des Enterprise-Sektors zu unterwerfen, sei indes wenig motivierend für Entwickler, die nach neuen, produktiveren Technologien suchten. Seit jeher habe der Enterprise-Sektor wenig Interesse an schnellen Veränderungen des Java-Standards gehabt. Und so werde die JVM zwar weiterhin als Plattform für neue Technologien taugen, stattfinden werde diese Innovation allerdings außerhalb der Java-Sprache.

Whatever the result of the lawsuit, Oracle’s action will result in slower innovation in Java from this point forward. This is the long-term result of the lawsuit: Less innovation in Java. We’ll see lots of innovation on top of JVMs and the Java Web container, but no more independent innovation in JVMs, compilers, and memory management.

Eine offene Partizipation der Community an der Weiterentwicklung von Java werde Oracle nicht zulassen. Weniger das gleichberechtigte Jazz-Kollektiv, mehr die hierarchisch gegliederte Marschkapelle werde das neue Leitbild der Java-Entwicklung sein, prognostizieren Hammond und Rymer.

Oracle will decide how Java addresses scale-out cloud environments. Oracle will decide how to make Java’s memory management more flexible and forgiving. Oracle will decide how to adapt Java to new devices like tablets. Oracle may also consider such contributions from the handful of Java license holders, but we won’t know about that until Oracle decides what to do with the dormant Java standards-setting process.

Was Android anbelangt, so sei Google gerade im Begriff gewesen, den Mobile-Markt zu erobern und nicht wenig Geld mit Java zu verdienen.

[Android] was on the cusp of generating a lot of revenue, and because Google doesn’t own a Java license, Oracle wouldn’t share in that bounty.

Gewinne Google den anstehenden Rechtsstreit, so bedeute dies den Durchbruch für Android auf dem Bereich der Java Smartphones und Tablets. Ginge Oracle als Sieger hervor, könne Oracle mit einer deftigen Abfindung rechnen und Google dazu zwingen, Java-Lizenzgebühren zu bezahlen. Ob dies das Aus für Android bedeuten würde, darüber darf weiter spekuliert werden.

In einem Punkt sind sich die Analysten allerdings einig: Die Java-Strategie für Unternehmen wird durch die neuen Entwicklungen nicht gerade einfacher. Java wird als Plattform in Zukunft noch diverser werden und viel mehr Elemente enthalten als die „offiziellen“ Java-Sprach-Releases.

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Hartmut Schlosser
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