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Java 9 vor der Entscheidung

Oracle greift Jigsaw-Kritiker an: „Red Hat und IBM wollen Java 9 aus Eigeninteresse verzögern“

Hartmut Schlosser

Während das Modulsystem für Java 9 die Abstimmung des JCP Exekutiv-Komitees durchläuft, werden die Diskussionen hitziger. Nach der Kritik von Red Hat, IBM und Hazelcast hat Oracles Mark Reinhold in einem offenen Brief Stimmung für eine Pro-Jigsaw-Position gemacht. Dabei fielen deutliche Worte.

Mark Reinhold hat sich in einem offenen Brief an das JCP Exekutiv-Komitee gewandt. Darin fordert er die Mitglieder des Komitees auf, in der aktuellen Abstimmung über das Java-9-Modulsystem für den entsprechenden JSR 376 zu stimmen. Wer im Public Review Ballot jetzt mit „Nein“ stimme, entscheide sich in Wirklichkeit gegen den Java Community Process selbst. Starker Tobak!

Reinholds Argumente

Reinhold greift in dem Brief ungewöhnlich deutlich die ablehnende Haltung Red Hats an. Red Hat hatte der Jigsaw-Spezifikation technische Unausgereiftheit vorgeworfen, eine Position die von IBM sowie vom Maven-Unternehmen Sonatype und Vertretern der OSGi-Community unterstützt wird.

Reinhold schreibt, Red Hat Middleware habe den Zielen und Anforderungen des JSR ursprünglich zugestimmt, dann aber konstant daran gearbeitet, diesen zu unterminieren. Statt an einem allgemeinen, skalierbaren Modulsystem zu arbeiten, sei Red Hat eigentlich an einem „Meta-Modulsystem“ interessiert, mit dem andere Modulsysteme interoperieren könnten – allen voran das eigene Red-Hat-Modulsystem in JBoss/Wildfly.

Die wiederholten Hinweise Reinholds, ein solches Meta-Modulsystem liege außerhalb der vereinbarten Zielsetzung, habe Red Hat nicht akzeptiert. Deshalb komme die Erklärung Red Hats, im Draft Review Ballot jetzt mit „Nein“ zu stimmen, nicht überraschend.

Eine Überraschung für Reinhold ist hingegen die Ablehnung IBMs. Von IBM sei im Laufe der Entwicklung von JSR 376 nur wenig zu hören gewesen, so Reinhold. Die jetzt von IBM vorgebrachten Einwände seien allerdings alle schon lange vorher diskutiert worden, wobei sich IBM damals nicht tief involviert habe.

Deshalb sieht Reinhold in der Ablehnung von IBM den egoistischen Wunsch am Werk, Java 9 zu verzögern, weil es den eigenen Interessen am ehesten entgegen komme. Als Vorwand diene das vage Argument, dass innerhalb der Expertengruppe für JSR 376 kein Konsens erzielt werden konnte.

I can only conclude that IBM has decided that their interests are best served by delaying this JSR and, also, JSR 379 (Java SE 9)—which is regrettable.

Was ist dran?

Reinholds Argumentation läuft also darauf hinaus, Red Hat und IBM Eigeninteressen zu unterstellen. Der JCP sei aber gerade eine Institution, die solche unternehmenspolitisch motivierten Blockadehaltungen, die dem Fortschritt entgegen stünden, verhindern soll.

Deshalb zieht Reinhold das Fazit:

„A vote against this JSR due to lack of consensus in the EG is a vote against the Java Community Process itself.“

Reinholds Position ist im Grunde nur dann stimmig, wenn man seine Meinung teilt, die vorgebrachten technologischen Einwände seien nicht mit der ursprünglichen Zielsetzung von Jigsaw vereinbar. Doch genau darüber scheint momentan gestritten zu werden.

Kritiker werfen Oracle nämlich genau das vor, dass die technologischen Kritikpunkte nicht ernst genommen wurden und als „unternehmenspolitisch“ abgelehnt wurden. So beispielsweise Christoph Engelbert (Hazecast) hier auf JAXenter:

Ob IBM und Konsorten hier als schlechte Verlierer auftreten? Ich glaube nicht. Viele der angesprochenen Punkte sind Real-World-Probleme und müssen angesprochen werden. Das große Problem mit dem JPMS ist, dass es nicht nur einen kleinen, begrenzten Rahmen betrifft, sondern tatsächlich nahezu jede Anwendung. Viele der Änderungen sind extrem einschneidend und bringen entsprechende Einschränkungen mit sich.

Hinzu kommt, dass Reinhold in dem offenen Brief nur auf IBM und Red Hat eingeht. Zuletzt haben sich aber auch Hazelcast, die Eclipse Foundation und individuelle JCP Komitee-Mitglieder kritisch zu Jigsaw geäußert.

 

Wie geht es weiter?

Wie dem auch sei, die Ergebnisse der JCP-Abstimmung werden in Kürze bekannt sein. Alles deutet auf einen knappen Ausgang hin. Oracles George Saab (Vice president of development for the Java platform) hat in einem Interview auf InfoWorld bereits kommentiert, dass die ablehnende Haltung von Red Hat und IBM das Release von Java 9 durchaus verzögern könne.

Sollte der JSR 376 vom Exekutiv-Komitee abgelehnt werden, bleibt Oracle 30 Tage Zeit, Verbesserungen einzubringen und den JSR erneut in eine Abstimmungsrunde zu führen. Sollte der JSR dann erneut abgelehnt werden, sehen die Regularien eine Beendigung des JSRs vor. Damit wäre das Projekt Jigsaw dann wohl gescheitert.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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