Oracle: "If Java Is Not Successful, We Will Fail"

Hartmut Schlosser

Auf Oracle TechNetwork hat Janice J. Heiss eine Zusammenfassung der Java-Strategie-Präsentation von Oracles Server-Spezialisten Steve Harris veröffentlicht. Der Vortrag wurde zwar schon am 24. Januar auf dem IOUC-Summit (International Oracle Users Group Community Summit) gehalten, doch lohnt ein Blick auf einige der Kernaussagen insbesondere zum Umgang mit der in den letzten Monaten nicht immer zufrieden gestellten Community.

  • Punkt 1: Oracle hat die Klagen über die letztjährige JavaOne gehört und verstanden, dass auf logistischer Seite „Raum für Verbesserungen ist“. Laut Harris hat man bei Oracle ein offenes Ohr für Vorschläge, wie die JavaOne wieder zu dem gemacht werden kann, was sie einmal war.
  • Punkt 2:If Java Is Not Successful, We Will Fail„. Harris wirbt um Verständnis dafür, dass Oracle mit Java selbstverständlich auch auf einen wirtschaftlichen Erfolg abzielt. Untrennbar verbunden sei der Erfolg Oracles aber auch mit dem Wohl und Gedeihen von Java, denn schließlich basiert die komplette Oracle Middleware auf Java:

    We really want Java to be successful, so keeping Java open, and having developers working in Java is really critical to our success. Steve Harris

  • Punkt 3: Für Oracle sei es wichtig zu verstehen, wie Java-basierte Anwendungen heute genutzt, entwickelt und deployt werden, sagt Harris. Man arbeite daran, den Bedürfnissen der ca. 9-14 Millionen Nutzer von Java gerecht zu werden, wobei vor allem auch die verschiedenen Communties des Java-Ökosystems nicht aus den Augen verloren werden sollen. Harris weist sowohl auf Open Source Communites wie OpenJDK, Glassfish, Eclipse und Apache als auch auf Communities, die sich um Frameworks bestimmter Unternehmen gebildet haben (die Anspielung auf Spring ist unverkennbar). All diese Communties und Unternehmen seien Teil des Ökosystems und hätten Java erst zu dem gemacht, was es ist: Zur weltweiten Nr.1 unter den Programmiersprachen.
  • Punkt 4: Als Modell zum Umgang mit Open Source Communities nennt Harris den von Sun übernommenen GlassFish Open Source Server. Dieser bleibe für Oracle von strategischer Bedetung, zeige zugleich auch in vorbildlicher Weise, wie die Zusammenarbeit mit Open-Source-Entwicklern und die Umsetzung offener Entwicklungsprozesse vonstatten gehen könne: öffentlich einsehbare Roadmaps, schnell zugänglich gemachte Downloads, kurze Feedback-Zyklen – „Genauso wie zu Suns Zeiten“ soll dort – und zukünftig wohl auch anderswo – verfahren werden.
  • Punkt 5: Zum Java Community Process (JCP) sagt Harris, dieser sei trotz mancher Probleme der letzten Jahre funktionstüchtig. Harris beschwört ebenso optimistisch wie unkritisch die Selbstheilungskräfte des JCP. Allerdings weckt Harris´ Bekenntnis zum JCP durch die Ankündigung, dass alle nötigen Veränderungen der Java-Plattform wie Modularität und Test Compliance im Rahmen des JCP diskutiert werden sollen, Hoffnung.

    [The JCP] has its flaws without a doubt and there is lots of politics involved, [.] but it is also without a doubt the best place for us all to sit at the table and argue over what we want to do with Java moving forward. Steve Harris

  • Punkt 6: Eine besondere Erfolgsgeschichte seit der Sun-Übernahme sei das OpenJDK-Projekt, bei dem es gelungen sei, wichtige Partner wie IBM und Red Hat mit ins Boot zu holen. IBM werde sich dabei vor allem der Weiterentwicklung der Klassen-Bibliotheken widmen:

    IBM will be actively participating and working on the class library evolution with an OpenJDK. We, of course, continue to compete intensely in all other quarters and will have our own VM implementations, but for the class library work, we will join together to move forward in the OpenJDK. Steve Harris

  • Punkt 7: Für die Weiterentwicklung des JavaEE-Standards sei es von entscheidender Bedeutung, die Möglichkeiten des Cloud Computing mit einzubeziehen. Der Fokus liege heute noch stark auf Single-Server-Systemen mit wohl definierten Rollen für Entwickler, Container Provider und Deployer. Fragen, die sich unmittelbar anschlössen, seien der Umgang mit Server-Clustern und deren Skalierbarkeit, Verwaltung, Multitenancy- und Versionierungsmöglichkeiten.

    Ein wichtiger Schlüssel für diese neuen Herausforderungen soll die Lösung des Problems der Modularisierung darstellen. Dabei ständen die Modularisierungsanstrengungen für JDK8 in einem direkten Zusammenhang mit Java EE: Gelänge die Modularisierung beim JDK8, so wäre die Grundlage zur Lösung der Modularitätsfrage auch in Java EE gelegt.

    If we can use modularity effectively at the base, then we can more effectively deal with the challenges we have with cloud computing. Ideally, I would like to see a roadmap showing how this leads forward to Java EE 8 also. We don’t have to do this all at once, but we need to make progress. Steve Harris

  • Punkt 8: Harris plädiert dafür, die Releasezyklen von Java SE und Java EE aufeinander abzustimmen. Sehen wir also bald zu jedem Java SE Release auch eine neue Java-EE-Version?
  • Punkt 9: Harris betont, dass Java auf 3 Milliarden Handys installiert sei und man zur Nutzung dieses Potenzials an einer neuen Version von Java ME arbeite: Java ME.next, dessen Ziel darin bestehe, zum Entwicklungsstand von Java SE 6 aufzuschließen, neue Webtechnologien wie LWUIT zu integrieren und APIs für Technologien wie Accelerometer und Near-Field Detection anzubieten. Kein Wort fällt indes zu Googles Smartphone-Shooting-Star und Oracle-Gegenmodell Android.
  • Punkt 10: Hinzu kommen noch die bekannten Aussagen zu JDK7, JDK8 und JavaFX sowie zur allgemeinen Marschrichtung von Oracle, einen kompletten, offenen, integrierten Stack von Hardware, Infrastruktur, Datenbanken, Middleware und Business Anwendungen bereit zu stellen.

Eine „compelling and challenging vision“ von Oracles Zukunftsplänen für Java, schließt Janice J. Heiss ihre Zusammenfassung. Hat sie recht damit?

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Hartmut Schlosser
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