Kassandra OpenOffice

Was der Tod von OpenOffice für Hudson und JavaEE bedeuten könnte

Melanie Feldmann

© Shutterstock.com / Lynn Watson

Es erinnert ein bisschen an die Geschichte von Kassandra, die den Untergang Trojas prophezeite und keiner wollte auf sie hören. Auch Oracle scheint die Zeichen nicht richtig deuten zu können. Jetzt stirbt auch das ehemals unter Oracle-Schirmherrschaft stehende OpenOffice. Ein schlechtes Omen für andere ehemalige und aktuelle Open-Source-Projekte des Konzerns.

Die Apache Foundation denkt öffentlich darüber nach, das Open-Source-Projekt OpenOffice einzustellen. Es fehle an Programmierern, um das Office-Paket plattformübergreifend weiterzuentwickeln, gibt Dennis E. Hamilton, Vorsitzender des OpenOffice Project Management Committee (PMC), in der Mailinglist zu bedenken. Auch würde zu viel Zeit vergehen bis Sicherheitslücken geschlossen werden. Damit scheint OpenOffice endgültig den Weg ins Nirvana zu nehmen. Auch wenn von offizieller Seite noch nichts beschlossen sei.

2010 übernahm Oracle OpenOffice und seine Community von Sun. Nachdem Unmut darüber aufkam, dass Oracle dem Projekt nicht genug Unterstützung zukommen ließ, entstand als Fork LibreOffice unter dem Dach der Stiftung The Document Foundation. Damit wanderte auch ein Großteil der Community ab. Oracle übergab daraufhin OpenOffice der Apache Software Foundation, wo es unter Apache OpenOffice weitergeführt wurde. Schon damals galt dies als Todesstoß für OpenOffice, da damit sowohl ein großes Unternehmen als auch eine Community fehlten, um das Projekt voranzubringen.

History repeating?

Schwarzseher könnten jetzt unken, dass dies nach einem Muster aussieht, das sich schnell wiederholen könnte. Vielleicht ist Hudson das nächste Projekt, das seinem Ende entgegensieht. Der Erfinder von Hudson Kohsuke Kawaguchi verließ nach der Sun-Übernahme durch Oracle das Unternehmen und nahm seine Software mit. Es lagen aber beispielsweise die Namensrechte von Hudson weiter bei Oracle. Da auch hier sich die beiden Parteien nicht einigen konnten, wurde der Fork Jenkins gegründet, der heute aus dem Buil-Prozess nicht mehr wegzudenken ist.

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Ebenfalls bis zum Fork kam es bei MySQL. Nachdem Oracle neue Funktionen und seine Unterstützung immer mehr in die kommerzielle Version der Datenbank einfließen ließ und die freie Variante vernachlässigte, entstand MariaDB. Mittlerweile setzen mehrere Linux-Distributionen, Google und auch die Wikimedia Foundation mit Wikipedia auf MariaDB. MySQL ist zwar immer noch eine der am weitesten verbreiteten Datenbanken und deswegen kaum vom Aussterben bedroht. Jedoch zeigt sich auch hier wie unsensibel Oracle mit einer Community umgehen kann.

Auch mit Java EE könnte sich das Muster wiederholen. Erst zieht Oracle die Unterstützung des Projekts ab und die Community beschwert sich. Oracle geht zunächst nicht auf die Beschwerden ein und rückt erst nach einiger öffentlichen Dramatik durch die Java EE Guardians und andere prominente Vertreter aus der Community damit raus, dass Java EE irgendwie mehr mit der Cloud verbandelt werden soll. in der Zwischenzeit steht mit Microprofile schon der neue Quasi-Fork in den Startlöchern und wartet nur darauf, dass Oracle es sich sowohl technisch als auch menschlich mit der Community verspielt.

Über die Zeit betrachtet wirft Oracles Verhalten kein gutes Licht auf die Zukunft seiner Open-Source-Projekte. Vielleicht war dem Unternehmen am Anfang nicht bewusst, welche Probleme und Herausforderungen es sich bei der Sun-Übernahme mit der Open Source Community ins Boot geholt hat. Mittlerweile könnte man aber davon ausgehen, dass das Unternehmen dazugelernt hat. Es sieht aber nicht unbedingt danach aus.

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Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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