Offener Brief der Java EE Guardians bleibt erfolglos

Oracle bleibt hart: Java EE braucht neuen Namen

Dominik Mohilo

@ Shutterstock.com / ESB Professional

Java EE wird wohl in Zukunft nicht mehr unter diesem Namen erscheinen. Trotz der Bitte aus der Community zeigt sich Oracle an diesem Punkt entgegen aller Hoffnungen unerbittlich. Dennoch möchte Oracle das EE4J-Projekt weiterhin tatkräftig unterstützen und zeigt sich dafür an anderer Stelle kompromissbereiter.

Java EE / EE4J: Status Quo

Die zweite Hälfte des vergangenen Jahres brachte in Bezug auf Java EE viel Neues: Nachdem Oracle bekannt gab, die Enterprise Edition von Java an eine Open-Source-Organisation abtreten zu wollen, wurde wild spekuliert. Die JAXenter-Community sprach sich deutlich für die Spende an die Apache Software Foundation aus, gekommen ist es allerdings anders. Die Eclipse Foundation, die bereits mit der Spezifikationssammlung MicroProfile in den Enterprise-Gewässern fischte, war der glückliche Sieger des – zugegebenermaßen – nicht hart geführten Kampfes um Java EE.

Gemeinsam mit Java 9 erschien kurz nach der Ankündigung auch das neue Java EE 8, exklusive MVC 1.0, Management 2.0 und JMS 2.1 (wohl aus Zeitmangel, wie Experte Lars Röwekamp schreibt). Trüben konnte das Wegfallen der beliebten APIs die Euphorie in der Community allerdings kaum – denn, wie Lars Röwekamp in seiner Kolumne „Enterprise Tales“ ausdrückte: „Ein langersehnter Traum von James Gosling, dem Urvater von Java, aber nicht nur von ihm, scheint Realität zu werden“.

Den Worten folgten natürlich auch Taten. So dauerte es beispielsweise nicht lange, bis der gesamte Source Code von Java EE auf GitHub erschien und die Mühlen des Wandelns langsam zu mahlen begannen. Das Top-Level-Projekt EE4J wurde erstellt, in dem zukünftig sämtliche Java-EE-bezogene Projekte, Spezifikationen, Referenzimplementierungen und TCKs (Technology Compatibility Kits) unter einem Dach zusammenlaufen sollen. Mittlerweile sind die ersten Projekte bereits angelegt, etwa Eclipse Grizzly (Java NIO APIs) oder Eclipse Mojarra (JavaServer Faces).

Lesen Sie auch: So werden Java-Anwendungen fit für Microservices

Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär…

Wenn, tja, wenn da nur nicht der kleine Wermutstropfen des Namens wäre. Schon sehr schnell wurde klar, dass Oracles versprochenes Engagement durchaus ernst gemeint war. Auch stand Oracle zu seinem Wort, bzw. steht dazu, Java EE komplett und vollständig (inklusive GlassFish) an die Eclipse Foundation zu übergeben, Kritik wäre an dieser Stelle haltlos. Wo Oracle sich allerdings unerbittlich zeigte war die Frage nach dem Namen: Java ist eine geschützte Marke und dementsprechend sicher war es von Anfang an, dass Java EE nicht unter diesem Namen weitergeführt werden könne.

Das erste für alle Beteiligten greifbare Anzeichen, dass Java EE – oder EE4J in diesem Moment – wirklich ein Community-Projekt zu werden im Stande ist, manifestierte sich auf GitHub. In einer von der Eclipse Foundation angestoßenen Diskussion konnte die Community ihre Namensvorschläge für Java EE einreichen. Das EE4J PMC (Project Management Committee) wertete die große Anzahl eingereichter Namensideen aus und jedes PMC-Mitglied erstellte eine eigene Shortlist, bestehend aus fünf passablen Namen. Diese Namen wurden und werden aktuell noch auf ihre Zulässigkeit geprüft, denn nicht nur Oracle macht gewisse rechtliche Ansprüche geltend, auch die Eclipse Foundation hat klare Vorgaben, was die Namensgebung der Projekte unter ihrem Dach angeht.

Am Ende sollen noch in diesem Monat die Mitglieder der Community aus fünf endgültigen Namensvorschlägen wählen können. Dieses Verfahren kennen Eclipse-Veteranen auch von den Namenswahlen für die Simultaneous Releases der Eclipse IDE, die jedes Jahr stattfinden (Neon, Oxygen, Photon).

Die Java EE Guardians und der letzte Versuch

Trotz der Aussichtslosigkeit haben sich die Java EE Guardians unter Federführung von Reza Rahman dazu entschlossen, einen letzten Versuch in Form eines offenen Briefes an Oracle zu unternehmen, die Änderung des Namens zu verhindern. Die Guardians stellen in ihrer Bittschrift klar, dass sie hinter Oracles Entscheidung, Java EE an die Eclipse Foundation zu übergeben, stehen und es für einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung halten.

Es könne allerdings, so die Guardians, trotz Oracles Recht auf die Marke Java, nicht im Sinne des Unternehmens sein, einen Rebrand von Java EE und den javax-Packages zu verlangen. Dass die Community lieber weiterhin Java EE und javax für die Packages verwenden würde, ist in verschiedenen Umfragen deutlich geworden. Nicht zuletzt in Reza Rahmans Umfrage auf Twitter, bei der 68 Prozent für den Verbleib von Java EE als offizieller Name waren. Auch 76 Prozent der Teilnehmer unseres eigenen Quickvotes zu EE4J lehnten den vermeintlichen neuen Namen ab.

Natürlich führen die Guardians in ihrem Schreiben mehr Gründe an, als lediglich den starken Wunsch der Community. Java EE hat sich in den letzten Jahren als passender und starker Markenname für das Produkt etabliert. Wird der Name nun so geändert, dass Java nicht mehr darin vorkommt, schwächt dies das Produkt selbst und es wird nicht mehr so stark als integraler Bestandteil des Java-Ökosystems wahrgenommen, was auch nicht im Sinne Oracles sein könne. Man erinnert zudem kritisch an die Umbenennung von J2EE zu Java EE, die auch heute noch zuweilen für Verwirrung sorgt.

Als unelegant bezeichnen die Guardians die Tatsache, dass bei einem erzwungenen Rebranding ein elementar wichtiger Teil der APIs im Package javax und ein anderer elementar wichtiger Teil in einem anderen Package untergebracht sein werden. Oracles Unerbittlichkeit könne, so die Guardians weiter, zuweilen fast schon als Unterminierung etablierter Werte wie Stabilität, Rückwärtskompatibilität und Kontinuität aufgefasst werden.

Zusammenfassend bitten die Guardians Oracle um exakt drei Dinge:

  1. Die Zusammenarbeit aller beteiligter Stakeholder, um den Namen Java EE zu erhalten,
  2. die Erhaltung existierender javax-Packages für bestehende Technologien und
  3. die Erhaltung des javax.enterprise-Packages für neue Technologien.

Zu guter Letzt machten die Guardians klar, dass sie in jedem Fall und unabhängig von der Namensfrage vollständig hinter der EE4J-Initiative stehen. Der offene Brief wurde auf der offiziellen Homepage der Java EE Guardians veröffentlicht, JAxenter führte bereits im Oktober ein Interview mit Reza Rahman zur Thematik.

Oracles Antwort

Punkt 2 scheint Seitens Oracle kein Problem darzustellen. Will Lyons, Senior Director of Oracle WebLogic Server Product Management bei Oracle, schreibt in der offiziellen Antwort auf das Schreiben der Guardians, dass die Nutzung existierender javax-Package-Namen und die Erweiterung bestehender javax-Namespaces zum Zwecke der Kompatibilität und Evolution existierender APIs von Oracle unterstützt wird.

Die Hoffnung, dass Oracle seine Position in Sachen neuer Technologien im „alten“ Package und natürlich die Namensfrage ändert, erwies sich unterdessen als vergebens. Oracle führt als Begründung dafür an, dass der Name Java EE und die javax.*-Namespaces das Markenzeichen Java beinhalten und dementsprechend indizieren, dass es sich dabei um Produkte handelt, die von Oracle verwaltet werden. Dies wäre aber de facto nicht mehr der Fall, da der Java Community Process für die Entwicklung von Java EE ja nicht mehr angewandt werde. Stattdessen komme der neue (und noch zu definierende) EE4J-Prozess zum Einsatz, sodass es aus Oracles Sicht unabdingbar ist, diesen neuen Technologien neue Package-Namen zuzuweisen und auch Java EE selbst umzubenennen.

Dennoch, so Lyons, stehe Oracle weiterhin hinter der EE4J-Community und möchte sein Engagement auch in Zukunft deutlich machen:

We will work with the EE4J community to mitigate continuity concerns that accompany this change. We are making it very clear that EE4J will be an evolution of existing Java EE 8 technologies:

  • We are contributing our existing GlassFish Java EE 8 Reference Implementation sources to EE4J.
  • We will contribute our existing TCKs.
  • We are intending to allow certain uses of existing javax packages as those packages evolve for compatibility.
  • We are intending to allow use of existing specification names for component specifications.
  • We are building an initial EE4J implementation that is intended to be both Java EE 8 and EE4J compatible.
  • We will work with the EE4J community to promote the new brand.

These are positive steps we can take. We support the efforts of the EE4J Project Management Committee to make branding recommendations to the Eclipse Foundation. We encourage the community to support the effort as well, and extend thanks to all for the continued interest in Java EE and EE4J technologies. And we hope to deliver soon more new projects with GlassFish sources contributed to EE4J!

Will Lyons

Fazit

Wer gehofft hat, dass Oracle sich in der Namensfrage erweichen lässt, wird ob dieser Antwort des Unternehmens auf den passionierten offenen Brief der Guardians enttäuscht sein. Oracle hat, wie zu erwarten war, kein Interesse daran, die Marke Java offen verfügbar zu machen und damit an dieser Stelle einen Präzedenzfall zu schaffen. Die Gründe dafür liegen natürlich auf der Hand. Dennoch ist das Committment des Unternehmens, an dem Prozess des Übergangs von Java EE zur Eclipse Foundation und damit zu einer offeneren Evolution der Enterprise Edition mitzuarbeiten, deutlich erkennbar.

Bleibt zu hoffen, dass die Community und das PMC des EE4J-Projektes die Namensfrage möglichst zufriedenstellend klärt. Hält Oracle Wort und hilft der Community, den neuen Markennamen entsprechend zu promoten und ins Bewusstsein der Nutzer zu tragen, steht einem Erfolg des Projektes hoffentlich nichts mehr im Wege.

Will Lyons‘ Schreiben an die Community kann auf der Mailing-Liste „EE4J-Community“ gefunden werden, dort findet auch die aktuelle Diskussion zur Sachlage statt. Wer mehr über EE4J erfahren möchte, startet seine Reise in die Enterprise-Welt am besten auf der Projektseite bei der Eclipse Foundation.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.