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Oracle strikes back

Oracle vs. Google: Oracle geht im Android-Fall in Berufung

Hartmut Schlosser
oracle google android

(c) Shutterstock / rangizzz

Der Rechtsstreit zwischen Oracle und Google geht in die nächste Runde: Die beiden IT-Riesen stehen sich erneut wegen vermeintlicher Copyright-Verstößen in Googles Android-Plattform gegenüber. Hatte sich im Mai 2016 Googles Sichtweise durchgesetzt, die Nutzung der Java APIs in Android sei unter fairen Bedingungen erfolgt, geht Oracle nun in Berufung.

So langsam wird es unübersichtlich. Die Klage Oracles, Google habe in Android illegitimerweise 37 Java APIs kopiert, geht bereits auf das Jahr 2010 zurück und hat seither mehrere Stationen durchlaufen (siehe Infografik).

Google hatte im Mai 2016 vor einem Bezirksgericht in San Francisco einen wichtigen Sieg errungen, indem die Nutzung der Java APIs in Android unter die sogenannte “Fair Use”-Klausel gestellt wurde. Das Gericht hatte damit Googles Sichtweise übernommen, dass die besagten 37 Java APIs nicht einfach kopiert wurden, sondern eine irgendwie geartete kreative Erweiterung darstellen bzw. der Anregung neuer geistiger Produktionen dienen. Oracle geht gegen diese Entscheidung nun auf Bundesebene in Berufung.

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Schon im Mai 2016, gleich nach der Urteilsverkündung zugunsten Googles, hatte Oracle angekündigt, die Entscheidung nicht zu akzeptieren und auf Bundesebene in Berufung zu gehen. Wie der Überblick der bisherigen Ereignisse zeigt, hofft Oracle auf eine Wiederholung der Geschichte und wie bereits 2014 auf eine Aufhebung des Bezirksgerichtsurteils.

Lesen Sie auch: Oracle versus Google: Zusammenfassung der zweiten Prozessphase

Oracles Begründung für die Berufung

In der am vergangenen Freitag eingereichten Eröffnungsschrift für das Berufungsverfahren widerspricht Oracle der Sichtweise, Google habe die Java APIs unter fairen Bedingungen (Fair Use) genutzt. Stattdessen habe Google tausende Zeilen von urheberrechtlich geschütztem Code aus Oracles Java Programmierplattform kopiert und in der kommerziell mit Oracle konkurrierenden Android-Plattform eingesetzt.

“Google hat Milliarden von Dollar eingestrichen und Oracles Java Business ruiniert.”

Eine neuer Prozess ist für Oracle deshalb angebracht, weil 2016 wichtige Beweisstücke vom Bezirksrichter William Alsup nicht zugelassen worden seien. Ein weiterer noch unberücksichtigter Streitpunkt sei die Entwicklung, Android zunehmend auch als Desktop-Betriebssystem einzusetzen. Dadurch habe sich der potentielle Schaden, der Oracle entstanden sei, nochmals deutlich erhöht.

Was ist ein API?

Wie schon in den vorangegangenen Stationen des Rechtsstreits, stehen die Kontrahenten auch dieses Mal vor dem Problem, einem fachfremden Richter die Bedeutung und Funktionsweise einer Programmierschnittstelle (API) erklären zu müssen. Schon früher hatte man deshalb zahlreiche Metaphern verwendet: APIs seien etwa wie die “Hamburger” auf der Speisekarte von Schnellrestaurants. Die realen Hamburger mit ihren unterschiedlichen Zubereitungsweisen repräsentierten dagegen die verschiedenen Implementierungen.

In der jetzt vorgelegten Schrift bemüht Oracle den Vergleich zur Verfilmung eines Romans. Nehme ein Filmemacher die wichtigsten Handlungsteile eines Buches und mache daraus einen Film, sei dies ein klassischer Fall des “unfairen Gebrauchs”, so Oracle. Genau einen solchen Fall sieht Oracle nun in Googles Handeln gegeben: Googles Kopieren der Java APIs sei das Äquivalent dieses klassischen unfairen Gebrauchs einer Romanvorlage für ein Film-Plagiat.

Man sieht: Auch dieser Vergleich lässt einen breiten Interpretationsspielraum zu. Zur Klärung der Sachlage trägt er nur wenig bei.

Wie geht es weiter?

Google hat sich noch nicht zu Oracles Statement geäußert. Erwartet wird eine Antwort in den kommenden Monaten. Sollte Oracle in der Frage gewinnen, dürften Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe folgen. Frühere Forderungen Oracles beliefen sich hier bereits auf mehr als 6 Milliarden US-Dollar.

Über den Kontext eines Rechtsstreits zweier IT-Größen hinaus stehen für die gesamte Software-Industrie zwei wichtige Fragen auf dem Spiel: 1) Können APIs grundsätzlich dem Copyright unterliegen? Der europäische Gerichtshof hatte diese Frage 2012 verneint. Anders urteilte 2014 das Bundesberufungsgericht der USA. 2) Eine zweite Frage ist, ob auf der Grundlage eines API-Copyrights hohe Schadensersatzsummen zu erzielen sind. Genau diese Frage wird jetzt zwischen Oracle und Google verhandelt.

 

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, Eclipse, ALM und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare
  1. Jacob2017-02-14 17:39:41

    Why there is no java run-time on Android or Chrome OS? This could solve the issue
    No idea why Google is against java.

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