Oracle & IBM: Böses Blut bei der Apache Foundation

Hartmut Schlosser

Enttäuschung und Verbitterung ist in beinahe jedem Blogposting von Apache-Vertretern herauszulesen, das sich mit der Allianz zwischen IBM und Oracle zur Entwicklung des OpenJDK beschäftigt.

Oracle/Sun, das der alternativen Java-Implementierung Apache Harmony stets die offizielle Anerkennung verweigert hat, hat nun mit IBM einen der großen Harmony-Unterstützer „abgeworben“ und mit der Klage gegen Google deutlich gemacht, dass es keine Götter – sprich quelloffene, durch die offiziellen Kompatibilitätstests legitimierten Java-Versionen – neben sich dulden wird.

Du sollst keine anderen Götter…

Damit manövriere sich jedes Unternehmen, das auf die Java-Plattform setze, in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Oracle, argumentiert Paul Querna in seinem Blogposting „Java Trap, 2010 Edition„. Kein Zweifel habe Querna daran, dass Oracle und IBM die Java-Plattform technologisch auf Vordermann bringen werden. Den Glauben an die Offenheit des Java Community Process habe Querna nach dem „Abfall“ von IBM nun aber endgültig verloren.

I know Oracle and IBM – they will pump millions into the continued development of the platform, but it’s not a platform I want to be using. Big companies throwing around development like this don’t create the values I find essential in picking a platform. Paul Querna

Oracle is going to control the future of Java. I don’t know what will happen to the Java Community Process, but I lack any faith in it continuing. Paul Querna

Apache und Java

In das selbe Rohr stößt Apache-Committer Jon Stevens. In seinem Blogposting „Apache Board Should Consider Dumping Java Development“ geht er sogar soweit, das komplette Java-Engagement der Apache Software Foundation (ASF) in Frage zu stellen.

Based on what I read today about IBM giving up the legal fight over the issues which have surrounded the JCP since day one, I feel that now is the time for the ASF to stand up and stop supporting Java development. The process that now surrounds Java does not reflect the open nature of the ASF. Jon Stevens

Jahrelang habe sich die ASF als Mitglied des JCP für die Offenheit und Verbreitung der Java-Plattform eingesetzt. Mit dem Oracle-IBM-Deal habe man nun das Gefühl, bewusst ausgeschlossen worden zu sein. Es sei deshalb an der Zeit, einzusehen, dass die Zielsetzung der ASF nicht mehr mit den Werten der aktuellen Java-Führung vereinbar sei. Es sei Zeit, aufzustehen und das Handtuch zu werfen.

It is simply about standing up for what you believe in and knowing when to throw in the towel. Jon Stevens

It is hypocritical for the ASF to support a language and set of corporations which doesn’t want or need its involvement anymore. Jon Stevens

Das bedeute nicht das Ende von Apache, sondern eine Verschiebung des Fokus hin zu anderen Sprachen und Plattformen.

In the end, I really feel that the ASF should put its weight behind languages that aspire to reflect the sense of openness that the ASF embodies. We tried for many years with Java, but the reality is that with IBM gone, there is nobody left to back us. The fight is over, move on. Jon Stevens

Eine kleine Geschichte der Computer-Industrie

Steve Loughran erzählt in seinem Blog „The new cold war: IBM and Oracle against Google“ eine kleine Geschichte der Computer-Industrie, wobei er bei IBM beginnt, das einst in der Lage war, alle IT-Komponenten aus einer Hand zu liefern: Hardware, Betriebssysteme, Speichersysteme, Programmiersprachen, etc. Eine enorme Diversifizierung habe seither stattgefunden, in der Suns Java eine herausragende Rolle gespielt habe.

Oracle, so nun Loughrans Fazit, wolle die Uhren wieder zurückdrehen und zum großen Alleinunterhalter der IT-Branche werden:

I think Larry and Hurd pine for the old days, the 360 series days, when the account team would turn up and say „here is your future, this is the bill“. Steve Loughran

Das tragische dabei sei, dass Oracle mit der Einbeziehung IBMs auf gutem Wege sei, diese Vision zu verwirklichen.

IBM’s announcement of their effective departure from Harmony and involvement in OpenJDK changes things. It’s an attempt to put Oracle and IBM in charge of the stack. Yes, things like OSGi may go into Java 7, but what won’t change is Oracle’s attempt to say „we are in charge, we decide“, except now IBM gets to help a bit. Steve Loughran

Wie soll sich die Apache Foundation verhalten? Für Loughran geht es hier um mehr als nur die Zukunft von Harmony, über die er sich weniger Sorgen macht als andere. Google, ohnehin in den letzten Jahren führend bei der Apache-Harmony-Entwicklung, habe womöglich ein großes Interesse an einer Weiterentwicklung von Harmony.

This may not mean the end of Harmony -I can see Google’s interest in staying alive. Steve Loughran

Auf dem Spiel stehe im Grunde eine Neuausrichtung der Apache Foundation, da die Oracle-IBM-Bestrebungen nichts Gutes für das ganze JCP-Programm verhießen.

I think Apache is going to have to consider it’s relationship with Oracle and IBM too -as well as the Java language. Apache has grown through Java, and is a key part of the Java ecosystem, but if Oracle wants to own that ecosystem, what does Apache want to do? Does it just want to do the logging and build tools that Oracle and IBM need from it, or does it want to be independent? Steve Loughran

Böses Blut?

Enttäuschung und Resignation herrscht also wohl vor bei der Apache Foundation. Aber vielleicht gibt es ja auch Apache-Vertreter, die der Oracle-IBM-Allianz etwas Gutes abgewinnen können?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.