OpenOffice bei Apache: Zwischen Beleidigung und offener Innovation - JAXenter

OpenOffice bei Apache: Zwischen Beleidigung und offener Innovation

Hartmut Schlosser

Was passiert, wenn man ein Projekt, das über eine riesige Anwender-Community verfügt, mit einer mächtigen Entwickler-Community zusammenbringt?

Was passiert, wenn eine ausgereifte Content-Plattform auf Entwickler trifft, die darauf spezialisiert sind, neue Funktionen in alle möglichen Anwendungen zu integrieren?

Was passiert, wenn eine neue, permissive Lizenz in ein Projekt eingeführt wird, die Unternehmen und Entwickler größere Spielräume verschafft?

Diese Fragen stellt sich Todd Barr, CMO des CMS-Spezialisten Alfresco, angesichts der Entscheidung Oracles, das OpenOffice-Projekt der Apache Foundation zu übergeben.

Seine Antwort lautet: Innovation happens!

Während an verschiedener Stelle an den lauteren Beweggründen für Oracles Schritt gezweifelt wurde, versteht Barr die OpenOffice-Übergabe an Apache als Chance, OpenOffice mit vernünftigen Cloud-Funktionalitäten, Online/Offline-Möglichkeiten und Social-Media-Anbindungen auszustatten. Und mit einer User-Basis von 100 Millionen sei der OpenOffice-Brand ein unschlagbares Argument für die Weiterentwicklung bei Apache.

Kritischer sieht Katherine Noyes vom LinuxInsider die Angelegenheit. In ihrem Bericht „Oracle and OpenOffice: The Final Insult“ trägt sie verschiedene in der Blogosphäre geäußerte Kritikpunkte zusammen.

  • Zementiert Oracle mit diesem Schritt nicht den Fork zwischen LibreOffice und OpenOffice, anstatt einen Schritt auf The Document Foundation zuzugehen?
  • Will Oracle nach dem Streit um Apache Harmony die Apache-Foundation mit einem lizenzrechtlich schwierigen Projekt weiter belasten?
  • Versucht Oracle nach dem verlorenen Konkurrenzkampf mit LibreOffice, sich eines lästigen Projekts zu entledigen?

Am Schluss steht die Frage: Ist OpenOffice@Apache nicht der erste Schritt des langsamen Todes für OpenOffice?

Kulturschock als Chance

Nein, meint Apache-Mitglied Christian Grobmeier, der Oracles Entscheidung durchaus positive Aspekte abgewinnen kann. Allerdings sei der Eingang von OpenOffice in Apache nicht mit einem Projektzugang zu vergleichen, sondern eher mit einer Verschmelzung zweier Foundations. Hierbei träfen kulturelle Unterschiede bzgl. Ínformationsvermittlung, User Downloads, Support und Konferenzpolitik aufeinander, die es erst einmal auseinanderzudividieren gelte. Dieser Kulturchock berge aber auch die Chance, reinen Tisch bei OpenOffice zu machen und sich von so manchem historischen Balast zu befreien:

If OpenOffice.org moves, the Apache incubator will for sure act as a huge shower and remove some dirt which has been grown by history. For sure, a good cleaning is always nice to have.

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Hartmut Schlosser
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