Interview mit Dirk Lemmermann zum OpenJFX 13 Release

OpenJFX 13: „Durch die Entkopplung vom JDK bekommt JavaFX eine eigene Identität“

Dominik Mohilo

Dirk Lemmermann

Nicht nur Jakarta EE 8 soll am 10. September 2019 erscheinen, auch die neueste Version von JavaFX, OpenJFX 13, hat zufälligerweise dieses Release-Datum erhalten. Wir sprachen mit Dirk Lemmermann, selbstständiger Berater und Entwickler, über das JavaFX 13 Release, seine persönlichen Highlights und die Zukunft des Projektes.

JAXenter: Hallo Dirk und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. OpenJFX 13 hat gerade das Licht der Welt erblickt, was sind die Highlights des Releases?

Dirk Lemmermann: OpenJFX 13 bringt neue Features, Bug Fixes und bessere Grundlagen für die weitere Entwicklung von JavaFX. Zu den Highlights gehört die Unterstützung für natives Rendering, die Unterstützung für e-Paper-Displays und das Upgrade der Webkit Engine auf die Version 2.24.

JAXenter: Welches dieser Features ist dein persönliches Highlight? Warum?

Dirk Lemmermann: Bei den neuen Features sticht ganz klar die Unterstützung für natives Rendering hervor. Hiermit ist es möglich, mit einem Public API (also ohne Tricks und Workarounds) Speicher zwischen der JavaFX-Anwendung und nativen Anwendungen zu teilen und somit Technologien wie OpenGL, D3D oder auch zukünftig Metal (von Apple) in eigene Anwendungen einzubinden. Extrem grafikintensive Anwendungen wie z.B. CAD-Systeme, 3D-Editoren oder auch Spiele könnten somit auch mit JavaFX umgesetzt werden.

JAXenter: Der neue Release-Plan orientiert sich stark am JDK, auch wenn JavaFX nicht mehr Teil des JDKs ist. Hat sich das in deinen Augen als sinnvoll herausgestellt, oder wäre eine etwas „freiere“ Veröffentlichungspolitik praktikabler?

Dirk Lemmermann: Die Kopplung an den Release-Zyklus des JDKs sorgt für Struktur und Planbarkeit auf allen Seiten. Das sehe ich besonders im Moment als sehr wichtig an. Es gab bei JavaFX viele Veränderungen seit Java 8: APIs haben sich geändert, JavaFX wurde vom JDK ausgekoppelt, IDEs und Projekte, welche JavaFX nutzen wollen, müssen nun anders konfiguriert werden – das alles war für die Entwickler nicht immer leicht zu verdauen und hat durchaus zu Irritationen geführt. Auch die Akzeptanz von JavaFX wurde so nicht gefördert. Eine freiere Veröffentlichspolitik könnte sich da als weiterer Stolperstein herausstellen.

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JAXenter: Ich erwähnte es bereits, JavaFX ist nicht mehr Teil des JDKs. Hat sich dies positiv oder negativ auf die Arbeit an dem Projekt ausgewirkt?

Dirk Lemmermann: Ich habe bereits von Anfang an gesagt, dass ich die Entkopplung von JavaFX vom JDK positiv sehe. JavaFX bekommt so seine eigene Identität, seine eigenen Prozesse, seine eigene Community, sein eigenes Tempo. Alle haben bemerkt, wie stark die Entwicklung von JavaFX gebremst wurde, als es an den JDK-Entwicklungsprozess gekoppelt wurde. Vorher gab es in allen Update-Releases von Java 8 neue Features und echten Fortschritt, danach wurde es sehr zäh. Seit JavaFX wieder losgelöst wurde, sehen wir Fortschritt und den Willen der Community, das Toolkit voranzubringen.

JAXenter: JavaFX 14 ist das nächste Release, welches wohl im Frühjahr des kommenden Jahres veröffentlicht werden wird. Gibt es bereits erste Ideen oder gar feste Planungen, was darin enthalten sein soll?

Dirk Lemmermann: JavaFX 14 wird wohl das erste Release sein, das komplett auf GitHub entwickelt wird. Momentan laufen die Arbeiten daran, das Repository dorthin zu verschieben (aktuell befindet sich auf GitHub lediglich ein Mirror). Dieser Schritt sollte alle Prozesse vereinfachen und auch dafür sorgen, dass mehr und mehr Entwickler sich an der weiteren Entwicklung von JavaFX beteiligen können. In der Vergangenheit war es eben nicht ganz trivial, OpenJFX zu bauen – das sollte sich bald ändern. Was neue Features angeht, so ist es noch zu früh, etwas dazu zu sagen. Das wird sich klären, sobald OpenJFX 13 durch die Tür ist.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview, Dirk!

Nach dem Studium in Deutschland und mehreren Stationen in den USA (Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Start-up in Boston) hat sich Dirk Lemmermann als selbstständiger Berater und Entwickler in der Schweiz niedergelassen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt zumeist auf der Entwicklung von Benutzeroberflächen. Aktuell geschieht dies mithilfe von JavaFX, für das er mehrere kommerzielle Frameworks entwickelt hat. Weiterhin schreibt er einen JavaFX-Blog und ist ein regelmäßiger Comitter im ControlsFX-Open-Source-Projekt. Inzwischen sieht man ihn auch immer häufiger auf Konferenzen sprechen. Im letzen Jahr wurde er mit dem Java One Rockstar Award ausgezeichnet.

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Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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1 Kommentar auf "OpenJFX 13: „Durch die Entkopplung vom JDK bekommt JavaFX eine eigene Identität“"

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Christian Ciach
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Ich finde es ungünstig, dass OpenJFX die gleichen Versionsnummern trägt wie das JDK. Ich weiß, dass ich nicht der einzige bin, der lange Zeit dachte, dass OpenJFX 11 nur mit JDK 11 funktioniert und OpenJFX 12 nur mit JDK 12. Tatsächlich ist es aber so, dass OpenJFX 12 nur JDK 11 erfordert. Das fanden ich und meine Kollegen sehr überraschend. Die Tatsache, dass auch noch der Releasezyklus an das JDK gekoppelt ist, verstärkt diese falsche Annahme noch weiter.

Es würde mich nicht wundern, wenn viele potentielle Benutzer daher intuitiv die „falsche“ Version auswählen.