OpenJDK wird Referenz für Java 7: Bahn frei für Open-Source-Implementierer?

Hartmut Schlosser

Oracle Java-Entwickler Henrik Stahl hat in seinem Blog angekündigt, dass die Referenzimplementierung für Java SE 7 vollständig auf Basis des OpenJDK-Quellcodes unter der GPL Open-Source-Lizenz bereitgestellt werden soll.

Sun hatte stets das eigene Sun JDK als Referenzimplementierung genutzt und unter der Binary Code License (BCL) zur Verfügung gestellt. Diese Praktik habe es laut Stahl schwierig für Open-Source-Implementierer gemacht, den offiziellen Code zu evaluieren, außerdem enthielt das Sun JDK stets einige Features, die nicht Teil des Standards waren.

Das ist gegenüber der bisherigen Praxis unter Sun eine Veränderung, die Oracle mit der Strategie begründet, man wolle sich in Richtung eines „offeneren Java-Ökosystems“ entwickeln.

In line with our strategy towards a more open Java ecosystem, we are going to provide a Reference Implementation that is based entirely on the OpenJDK open source code and make it available under the GPL open source license.

An der generellen Praxis der Technology Compatibility Kits (TCK), die für alternative Java-Implementierungen notwendig sind, um die Kompatibilität zum Java-Standard nachzuweisen, wird sich indes nichts ändern. Das TCK wird für kommerzielle Lizenznehmer angeboten sowie für Open-Source-Implementierer „gratis“ zur Verfügung gestellt, schreibt Stahl.

In einem Update bemüht sich Stahl allerdings klarzustellen, dass sich die Haltung Oracles gegenüber dem Apache-Harmony-Projekt nicht verändert habe.

Update: I have been asked to make a couple of clarifications. First, there is no change to our policy visavi Apache Harmony. OCTLA is a program that allows free access to the TCK for OpenJDK-derived implementations licensed under GPL and is only intended for that purpose. Second, the Oracle implementation (what you find on java.com or java.oracle.com) will remain under the BCL license only. Finally, to be completely clear, the OpenJDK source code remains under GPL.

Weiterhin hält Oracle also an den oft kritisierten Feldbeschränkungen fest, die es verhindern, dass Harmony als vollständige Open-Source-Alternative für das OpenJDK gelten darf. Dies berührt insbesondere den Streitfall um Googles Android-Betriebssystem, das zu großen Teilen auf Apache Harmony basiert. Oracle macht für Apache Harmony eine Feldbeschränkung für den Mobile-Bereich geltend – und wurde u.a. von der Apache Software Foundation und Community-Vertretern wie Stephen Colebourne kritisiert, Oracle handele hier vertragsbrüchig und gefährde die „Offenheit“ der Java-Plattform.

Auch bei der Abstimmung zum JSR für Java SE 7 sind innerhalb des Java SE Exekutiv-Komitees Stimmen laut geworden, die Lizenzbedingungen lägen im Widerspruch zu den Anforderungen des Java Specification Participation Agreement (JSPA). Google hatte wegen dieser Lizenzproblematik gegen den JSR gestimmt.

Nichtsdestotrotz schließt Stahl seine Ankündigung mit den Worten, die vorgeschlagenen Veränderungen würden die Dinge sowohl für kommerzielle als auch für Open-Source-Implementierer vereinfachen.

We believe that these changes will lead to improved clarity in the Java community, as well as make things easier for both commercial and open source Java SE implementors.

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Hartmut Schlosser
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