Ansichten und Meinungen

Was bedeutet der Wechsel zum OpenJDK für Android?

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Fajne obrazki

Googles Ankündigung, die Harmony-Implementierung der in Android verwendeten Java-Bibliotheken in künftigen Versionen durch OpenJDK zu ersetzen, hat im Netz Wellen geschlagen und zahlreiche Reaktionen provoziert. Wir haben einige prominente Stimmen gesammelt.

Lizenzfragen

Andreas Gal, der frühere Technischer Leiter von Mozilla, schreibt in seinem Artikel „Oracle sinks its claws into Android“, dass Google Harmony und die Apache-Lizenz nutzt, weil unter Apache-Lizenz stehender Code genutzt und verändert werden kann, ohne diese Änderungen zu veröffentlichen – was im Grunde proprietäre Verbesserungen darstellt, wie sie im Fall der seit Android 1.0 genutzten C-Bibliothek Bionic, die unter der Apache 2 (APL) Lizenz steht, nicht möglich waren. Seiner Erfahrung bei Mozilla zufolge spielen Überlegungen dieser Art durchaus eine Rolle, da viele der Chipanbieter und Erstausrüster, mit denen Google zusammenarbeitet, offenbar gerne Hand an den Android-Code legen, diese Änderungen aber aus Wettbewerbsgründen nicht teilen wollen.

Bradley M. Kuhn, Präsident der Software Freedom Conservancy (SFC), legte in seinem kürzlich erschienenen Artikel („Sun, Oracle, Android, Google and JDK Copyleft FUD“) wert auf die Feststellung, dass OpenJDK mit der GPL und der Classpath-Ausnahme (an der er selbst beteiligt war) unter einer „sehr schwachen“ Lizenz steht. Die Classpath-Ausnahme sollte das Java-Ökosystem vor einem Copyleft-Schutz bewahren, der von allen Java-Programmen verlangt hätte, dass sie frei genutzt und weitergegeben werden. Aus lizenzrechtlicher Sicht besteht Kuhn zufolge kein großer Unterschied zwischen der Nutzung von OpenJDK und Harmony.

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Implikationen für die Android-Entwicklung

Gal zufolge hat Oracle nicht nur wegen Lizenzfragen, sondern auch aufgrund der Java-Roadmap, Marken und Patente einen beträchtlichen Einfluss auf die Zukunft von Android. Für ihn ist Open JDK „so offen wie ein Gefängnis“:

You can vote on how high the walls are, and you can even help build the walls, but if you are ever forced to walk into it, Oracle alone will decided when and whether you can leave. […] Oracle is pretty much in full control where OpenJDK is headed.

Des Weiteren sagt er Android ein hartes und arbeitsreiches Jahr voraus. Nicht nur müssten buchstäblich Millionen von Codezeilen geändert werden, vielmehr würden sich durch OpenJDK im Vergleich zu Harmony unzählige subtile Unterschiede, beispielsweise im Hinblick auf das Performanceverhalten, ergeben. Er prognostiziert, dass potentiell Millionen von Apps mit Abstürzen zu kämpfen haben werden. Auch der termingerechte Release von Android N dürfte seiner Ansicht nach in Gefahr sein.

Brendan Eich, der derzeitige technische Leiter von Mozilla, sprang Gal via Twitter argumentativ bei und unterstrich, dass Code-Änderungen definitiv die Kosten und das Risiko erhöhen.


Auch der ehemaligen Sun-Mitarbeiter und Codename-One-Gründer Shai Almog ist der Ansicht, dass sowohl Google als auch Android ein arbeitsreiches Jahr vor sich haben dürften, allerdings in einem nicht ganz so tragischen Ausmaß, wie es Gal und Eich an die Wand malen. Zudem sieht er durch die Nutzung von OpenJDK mehrere Vorteile: So werden die Nutzer seiner Ansicht von den vereinheitlichten Codebasen profitieren und einige Java-Standard-Tools besser als bisher mit Android zusammenarbeiten.

Rechtsstreit als Ursache?

Auch die Frage, ob der nach wie vor laufende Rechtsstreit zwischen Oracle und Google der Grund für die Entscheidung für OpenJDK war, wird von einigen Kommentatoren thematisiert.

Kuhns Ansicht nach sind die Gründe in erster Linie technischer Natur:

given that there was a reasonably licensed Free Software one available, Google made a technical switch to the superior codebase, as it gives API users technically what they want while also reducing maintenance burden. This seems very reasonable.

Gal hingegen ist der Ansicht, dass der Rechtsstreit definitiv Einfluss auf die Übernahme von OpenJDK hatte („The switch now is clearly driven by the Oracle vs Google lawsuit.“); auch Almog und Eich sind dieser Meinung. Allerdings kann Almog diesem Umstand letztendlich nur Gutes abgewinnen:

Google’s current version of Java is old and stale, replacing it is a good thing for everyone even though its not free of any costs. But everything has a cost and this one is probably worth paying in the long run.

Es ist hoffen, dass er mit dieser Einschätzung recht behalten wird.

Aufmacherbild: Android logotype von Shutterstock / Urheberrecht: Fajne obrazki

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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