OpenDaylight-Initiative versammelt IT-Größen um offene, Java-basierte Netzwerk-Plattform

Hartmut Schlosser

Unter dem Namen „OpenDaylight“ haben sich verschiedene namhafte IT-Unternehmen zusammengeschlossen, um unter dem Dach der Linux Foundation eine gemeinsame Plattform für Netzwerklösungen bereit zu stellen. Zu den Mitgliedern des Industrie-Konsortiums gehören IBM, Ericsson, Citrix, Juniper, Brocade, Big Switch, Cisco, Red Hat und Microsoft.

Ziel der Initiative ist die Bereitstellung einer erweiterbaren, quelloffenen SDN-(Software-defined Networking)-Plattform, mit der sich kommerzielle Lösungen entwickeln lassen, etwa Virtualisierungsplattformen, Cloud-Systeme oder Telekommunikationsnetzwerke. Die Plattform wird in Java geschrieben und unter der Eclipse Public Licence verteilt. Codebeiträge und Entwicklerressourcen sollen von den Mitgliedern der Initiative bereit gestellt werden.

Kern der OpenDaylight-Plattform soll eine modular aufgebaute Controller-Komponente sein, die mit einer eigenen Java Virtual Machine (JVM) ausgestattet wird. OpenDaylight soll auf allen Java-fähigen Betriebssystemen und Hardware-Typen laufen. Unterstützt wird das OSGi Framework und bidirektionales REST, über das die APIs angesprochen werden können. Integriert werden etablierte Standards wie das OpenFlow-Protokoll.

Der Software-basierte SDN-Ansatz beinhaltet das Prinzip, innerhalb des Netzwerks die Kontrollschicht von der Datenschicht zu trennen. Dadurch kann von der Komplexität des unterliegenden physikalischen Netzwerkes abstrahiert und die Verwaltung des Netzwerkes zentral programmatisch geregelt werden.

Die folgende Architekturübersicht wird von der Initiative bereit gestellt:

Architektur-Skizze OpenDaylight. Bild: http://www.opendaylight.org/

Die Reihe der teilnehmenden Unternehmen ist beeindruckend und liest sich wie das Who-is-Who der Networking-Anbieter. Mit von der Partie sind neben den oben genannten Platinum Member auch die beiden Gold Member NEC und VMware sowie die Silver Member Arista, Dell, Fujitsu, Hp, Intel, Nuage Networks und PLUMgrid. Dabei birgt die Beteiligung von Marktführer Cisco durchaus Potenzial für Reibungspunkte. SDN wird von Marktanalysten als mögliche Bedrohung für Cisco gesehen, da virtualisierte Netzwerke Hardware teilweise obsolet machen. Auch die Beteiligung von Microsoft an der Open-Source-Initiative kam für einige überraschend. Microsoft ist selbst kein Mitglied der Linux-Foundation, hat mit dem Projekt Hyper-V aber eine Virtualisierungsplattform am Start, die auch Linux unterstützen soll.

Vergleichbar ist die OpenDaylight-Initiative mit ähnlich gelagerten Industrie-Zusammenschlüssen wie die Cloud-Lösung OpenStack oder die Eclipse-Plattform, an denen ebenfalls verschiedene Parteien an einer geteilten Kernplattform arbeiten. Jim Zemlin, Direktor der Linux Foundation, kommentiert denn auch, die IT-Welt habe mittlerweile gelernt, dass gemeinsame Entwicklung die Innovation im Software-Bereich entscheidend fördern könne:

This is a rare gathering of leaders in the technology ecosystem who have decided to combine efforts in a common platform in order to innovate faster and build better products for their customers. […] We are excited to be working with OpenDaylight and expect truly amazing things to come. Jim Zemlin

Mike Milinkovich von der Eclipse Foundation weist auf den Umstand hin, dass die Eclipse Public Licence (EPL) als Lizensierungsmodell gewählt wurde. Die EPL könnte sich laut Milinkovich zur ersten Wahl für Plattform-Lösungen entwickeln, da die sogenannte „Copyleft“-Natur der Lizenz es erzwingt, dass jeder Plattform-Fork wieder unter die offene EPL-Lizenz gestellt werden muss, was Alleingänge bzw. Plattform-Fragmentierung verhindert. Gleichzeitig ist die EPL Anbieter-freundlich, da individuelle Lösungen auf Basis eines EPL-Projektes kommerziell vertrieben werden können.

The combinations of those two main features has been a big part of the success of the Eclipse community. We’ve seen remarkably few forks at Eclipse (aka fragmentation), while enjoying massive amounts of commercial adoption of our technologies. Mike Milinkovich

Erste Teile der OpenDaylight-Codebasis sollen im dritten Quartal 2013 veröffentlicht werden. Enthalten sein soll der Kontroller-Kern, ein virtuelles Overlay-Netzwerk, Protokoll-Plug-ins und diverse Verbesserungen für Switches. Mit dem unteren Trailer stellt sich das Projekt der Öffentlichkeit vor.

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Hartmut Schlosser
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