Interview mit Philip Wenig über die Eclipse Science Working Group

'Open Source und Wissenschaft sind ein Dream-Team'

Redaktion JAXenter
Bild: P. Wenig

Die Idee war zwei Jahre gereift, kürzlich war es dann soweit: Am 4. Juni 2014 gab Mike Milinkovich den offiziellen Startschuss für die Science Working Group der Eclipse Foundation. Ziel ist es, eine einheitliche, Eclipse-basierte Plattform für den wissenschaftlichen Bereich zur Verfügung zu stellen. Schließlich verwenden bereits jetzt zahlreiche Forscher die Rich Client Platform als Grundlage für ihre Anwendungen. Bioclipse, Bio7, DAWN, KNIME oder uDig sind nur einige Beispiele. Philip Wenig, einer der Gründer der Eclipse Science WG und Eclipse-Magazin-Autor, hat uns einige Fragen zu der neuen Kooperation beantwortet. 

JAXenter: Wie und wann ist die Idee zur Eclipse Science Working Group entstanden?

Philip Wenig: Die Idee stand schon länger im Raum. Andy Gotz, Ola Spjuth, Alun Ashton und andere hatten sie bereits vor einigen Jahren. Schließlich traf ich 2012 auf der CeBIT in Hannover Ralph Müller und versuchte ihn davon zu überzeugen, eine Eclipse Forschungs-Arbeitsgruppe zu starten. Nachdem er all die verfügbaren RCP-Projekte gesehn hatte, die in einem wissenschaftlichen Rahmen stattfinden, ging er mit der Idee zur Eclipse Foundation. Mehrere Projekte existieren seitdem in verschiedenen Bereichen der wissenschaftlichen Forschung, von der Physik über die Biologie bis hin zur Chemie. Anfang Juli trafen wir uns dann an Hamburger Universität für ein erstes Meeting. Darauf folgten einige Treffen auf diversen EclipseCon’s, die rund um die Welt stattfanden. Schließlich begannen wir 2013 auf der EclipseCon in Ludwigsburg, eine Satzung zu schreiben. Unterdessen wurde Andrew Ross als offizieller Repräsentant der Forschungs-Arbeitsgruppe von der Eclipse Foundation und der Diamond Light Source gewählt, die Verantwortung auf sich zu nehmen und die Entstehung der Arbeitsgruppe voranzutreiben. Zur gleichen Zeit wurde ein Logo-Wettbewerb ins Leben gerufen sowie eine Website erstellt. Nachdem die Review-Phase überstanden war, wurde am 4. Juni dieses Jahres die Gründung der Forschungs-Arbeitsgruppe offiziell bekannt gegeben. Es war ein schöner Zufall, dass die Ankündigung der Arbeitsgruppe auf den gleichen Tag fiel, an dem das erste offizielle Meeting in der Diamond Light Source in England stattfand.

Dr. Philip Wenig ist Gründer der Open-Source-Software OpenChrom (http://www.openchrom.net) und Geschäftsführer der Lablicate UG (http://lablicate.com). Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Software für den Bereich der Chromatographie und Massenspektrometrie (GC/MS). Darüber hinaus beteiligt sich seine Firma Lablicate UG aktiv an der Science Working Group (WG) der Eclipse Foundation (http://science.eclipse.org).

JAXenter: Warum, glaubst du, bedarf es einer solchen Initiative?

Wenig: Eigentlich ist das nur ein Vorwand, um in der Welt herumzureisen, in indischen Restaurants zu sitzen und guten, englischen Old Ale zu trinken. Nein, Spaß beiseite. Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die es vorziehen, wissenschaftliche Bibliotheken nicht neu zu erfinden, benötigen einen Ort, an dem sie diese Art von Software finden und teilen können. Darüber hinaus profitieren Menschen, die gerade an ihrer Master- oder Doktorarbeit sitzen, sowie Doktoranden mit interessanten Projekten und Software-Kenntnissen von der Arbeitsgruppe. Wir wollen Tools im wissenschaftlichen Raum wieder verwendbar machen, indem wir einen oder mehrere Bereiche definieren, auf denen dann zusammengearbeitet werden kann. 

Wir hoffen, dass die Nutzung von Tools, die für eine bestimmte Technik erstellt wurden, in einem anderen Bereich völlig unerwartete Entdeckungen hervorrufen kann. Ein Beispiel ist der Spitzenanpassungsalgorithmus, an dem verschiedene Mitglieder der Gruppe arbeiten.

JAXenter: Was ist deine persönliche Motivation für die Gründung dieser Gruppe?

Wenig: Open Source und Wissenschaft sind ein Dream-Team, daran besteht kein Zweifel. Wissenschaftler benötigen die Freiheit, an Dingen zu werkeln und die Flexibilität, Dinge auf unerwartete Weise zu verändern. Dazu kommt, dass Software immer wichtiger für die wissenschaftliche Forschung wird. Deshalb passt ja auch Open Source so gut, denn es bietet Wissenschaftlern die Flexibilität, die sie benötigen. Neue Ideen entstehen auf den Schultern von Riesen, und neue Ideen können dann umgesetzt werden, wenn bereits existierende Instrumente geändert oder neu zusammengestellt werden.

Wissenschaftler benötigen die Freiheit, an Dingen zu werkeln und die Flexibilität, Dinge auf unerwartete Weise zu verändern.

JAXenter: Wer ist bislang schon beteiligt?

Wenig:

Diamond Light Source, Großbritannien
UT-Battelle (Oak Ridge National Laboratory), USA
Universität von Uppsala, Schweden
Facility for Rare Isotope Balken, USA
Marintek, Norwegen
Lablicate UG, Deutschland
Kichwa Coders, Großbritannien
Clemson University, USA
Tech’Advantage, Frankreich

JAXenter: Welche Unternehmen und Personen bzw. welche Forschungsbereiche zählen zu eurer Zielgruppe?

Wenig: Unternehmen, Institute und Einzelpersonen aus verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsbereichen sind bei uns herzlich willkommen.

JAXenter: Offiziell steht die Arbeitsgruppe. Was sind jetzt die nächsten Schritte?

Wenig: Es gilt nun, mehr Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen davon zu überzeugen, sich der Arbeitsgruppe anzuschließen. Die Beteiligten haben gerade begonnen, neue Projektvorschläge zu schreiben und zu voranzutreiben, um bereits existierende Projekte zur Eclipse Foundation zu migrieren.

JAXenter: Wann finden die nächsten Treffen statt?

Wenig: Auf der EclipseCon Frankreich in Toulouse und auf der EclipseCon Europe in Ludwigsburg.

JAXenter: Wie kann man am besten Kontakt zu euch aufnehmen?

Wenig: Indem man sich die Mailing-Liste einträgt, Fragen stellt und Kontakt zu den Beteiligten sucht. Oder aber man kontaktiert direkt Andrew Ross unter andrew.ross@eclipse.org.

Das Interview wurde in englischer Sprache geführt und erschien zuerst auf JAXenter.com. Dt. Übersetzung: Mohammed Hübsch.

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