Interview mit Lars Eilebrecht auf der ApacheCon 2019

Open Source: „Wenn man Entwicklern die passende Umgebung bietet, dann findet Innovation statt“

Katharina Degenmann

Die ApacheCon Europe steht in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Zeichen: Die Apache Software Foundation (ASF) feiert ihr 20-jähriges Bestehen! Wir sprachen mit Co-Founder und dem ehemaligen Vice President der Apache Software Foundation Lars Eilebrecht über die Entwicklung von Open Source, Copyright und die Entwicklung der ASF.

JAXenter: Hallo Lars, erstmal vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Freie Software galt lange Zeit als Projekt für Individualisten. Bill Gates hat vor knapp 15 Jahren gesagt: Open-Source-Entwickler sind Kommunisten“. Vor kurzem hat Microsoft GitHub gekauft. Woher kommt, deiner Meinung nach, der Sinneswandel? 

Lars Eilebrecht: Gute Frage – ich weiß nicht, ob Sinneswandel hierfür das richtige Wort ist. Ein Wandel ist sicherlich da. Als ich vor mehr als 20 Jahren begonnen habe, am Apache-Server-Projekt mitzuarbeiten, musste man immer noch erklären, was Open Source ist, bevor man erklärte, was die ASF eigentlich macht. Heutzutage ist das nicht mehr notwendig – Open Source hat sich etabliert.

Das Teilen von Software oder das Teilen von Code war eigentlich schon Gang und gebe, lange bevor der Begriff Open Source bekannt war. Ich muss gestehen, dass ich mir damals, als ich angefangen habe, keine Gedanken darüber gemacht habe. Ich war Student und war sehr dankbar, mir die ganze Software kostenlos herunterladen und benutzen zu können.

Die ASF hat sich als ein Raum für Weiterentwicklung bzw. Verbesserung von Software etabliert.

Aber wahrscheinlich haben auch Unternehmen schnell gemerkt, dass kostenlose Software, wie beispielsweise der Apache Webserver, einen großen Wandel herbeiführen kann. Ohne jegliche kostenlose Software, Libraries usw. sähe das Internet heute nicht so aus, wie es aussieht. Zum anderen hat man wohl erkannt, dass man das Rad nicht jedes Mal neu erfinden muss. Man hat Software die funktioniert und durch Open Source lässt sie sich erweitern oder verbessern – daran hat wohl jeder Interesse. Gerade kleine Firmen und Start-Ups haben davon profitiert, weil es Ihnen möglich war, auch ohne große Budget-Ausgaben an den Markt zu kommen. Gerade die ASF hat sich als ein Raum für Weiterentwicklung bzw. Verbesserung von Software sicherlich etabliert. Wir haben viele Projekte, die nicht neu entwickelt wurden, sondern Donations von Firmen sind.

JAXenter: Ein Aspekt, der in Bezug auf Open Source häufiger zur Sprache kommt, ist das Urheberrecht bzw. Copyright. Wie geht die ASF damit um?

Lars Eilebrecht: Zunächst einmal wird Open Source bei uns unter einer Lizenz vertrieben – das ist die Apache License. Wir stellen sicher, dass alle Software von Apache-Projekten auch unter der Apache License veröffentlicht wird. Die Apache License ermöglicht es jedem, die Software frei zu verwenden, in beliebiger Form – es gibt dabei keinerlei Restriktionen. Allerdings muss dabeistehen, dass ein Produkt, dass ich auf Grundlage der Apache Software entwickelt habe oder das Apache Software verwendet, auch Apache Software beinhaltet.

Jeder Entwickler bei der ASF, unterschreibt zudem ein Agreement, dass er zum Zeitpunkt, zudem er den Patch hochlädt, der ASF entsprechende Lizenz- und Patentrechte gewährt.. Damit steht es der ASF zu, diese Software unter ihrer Lizenz zu vertreiben. Damit wird sichergestellt, dass im Nachhinein kein Entwickler sagen kann „Aber Moment, ich habe hier ein tolles Feature eingebaut bzw. ein Patent angemeldet und möchte jetzt Geld von jedem haben, der das verwendet. Zum anderen wird auch der Entwickler geschützt, der möglicherweise ein tolles Feature entwickelt hat und jetzt von einem anderen Unternehmen hört, sie hätten darauf ein Patent angemeldet. Das ist nämlich auch der Grund, warum die ASF ins Leben gerufen wurde. Damals fingen Firmen an, einzelne Entwickler zu verklagen – darum ging es eben genau um Patente und Urheberrecht. Die ASF als gemeinnützige Organisation schützt die Entwickler nun auf eine gewisse Weise davor.

Bei der ASF geht es in erster Linie um die einzelnen Entwickler und um die Community.

Wenn wir eine Donation von einer neuen Software bzw. einem neuen Projekt bekommen, dass auch zu einem Hauptprojekt werden soll, stellen wir als Teil des ncubator-Prozesses sicher, wo die Software herkommt, wer dazu beigetragen hat. Rückwirkend wird dann eine Bestätigung jedes Mitentwicklers eingeholt.

JAXenter: Wenn es um das Open-Source-Ökosystem geht, war die ASF lange Zeit allein auf weiter Flur. Mittlerweile gibt es aber auch andere „Big Player“ auf dem Markt, wie etwa die Eclipse Foundation oder die Linux Foundation. Worin entscheidet sich die ASF?

Lars Eilebrecht: Es gibt sicherlich Open-Source-Foundations, die ähnlich sind wie die ASF. Ein großer Unterschied der ASF, auch im Vergleich zur Eclipse Foundation, ist, dass es für Firmen nicht möglich ist, sich einen Platz zu kaufen – weder im Board of Directors, noch als Mitglied. Es ist auch nicht gedacht, dass eine Firma als Ganzes Mitglied wird. Es ist immer nur möglich, sowohl in den Projekten als auch in der Foundation selbst, als einzelne Person Mitglied zu sein. Die Mitgliedschaft ist außerdem unabhängig davon, bei welcher Firma jemand angestellt ist.

Natürlich ist es so, dass einige Entwickler von einer Firma dafür bezahlt werden, an einem bestimmten Projekt mitzuarbeiten. Teilweise auch, weil ganze Projekte als Donations an die ASF übergeben werden. Aber der meiner Meinung nach wichtigste Unterschied, warum die ASF auch von anderen Firmen als wichtiger Ort angesehen wird, um Open Source zu entwickeln, ist die Tatsache, dass es für eine Firma nicht möglich ist, die Kontrolle über ein Projekt oder über die Foundation zu erlangen.

Bei der ASF geht es in erster Linie um die einzelnen Entwickler und um die Community. Das ist auch unser Mantra: „Community over Code.“ Natürlich geht es auch in gewisser Weise um die Software, doch vor allem geht es um die Projekte und die Menschen hinter den Projekten als solches. Wenn man den Personen und den Entwicklern die passende Umgebung bietet, um Sachen entwickeln zu können, dann findet Innovation statt. Man muss nichts vordefinieren. Oftmals ist es so, dass die besten Projekte oder die besten Features von Entwickler kommen, die in ihrer Freizeit entwickelt haben.

Wenn die Community gepflegt wird, funktionieren auch die Produkte und dann funktioniert auch die ASF!

JAXenter: Wie kann ich Mitglied bei der ASF werden?

Lars Eilebrecht: Es gibt mehrere Möglichkeiten. Zum einen haben wir einmal pro Jahr eine Mitgliederversammlung, die online stattfindet. In dieser Versammlung werden unter anderem neue Mitglieder gewählt. Wer Mitglied werden will, braucht mindestens 50 Prozent der Stimmen. Einige Zeit vor dieser Versammlung haben Mitglieder die Möglichkeit, entsprechende Kandidaten zu nominieren.Das Ganze basiert natürlich darauf, dass diese Person zeigt, dass sie ein Interesse hat, bei der ASF mitzuarbeiten bzw. was sie gemacht hat.

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Typischerweise beginnt es mit einer Mitgliedschaft an einem Projekt. Durch die Beisteuerung wird man irgendwann vom Project Management Committee (PMC) eingeladen, ein Mitglied dieses Projektes zu werden. Wenn man dann zeigt, dass man sich an diesem Projekt interessiert, wird man irgendwann nominiert. Es basiert also rein auf der Nominierung eines Mitglieds. Das Projekt an sich, die Entwicklungszeit usw. spielen dabei keine Rolle.

JAXenter: Wie würdest Du die ASF in eigenen Worten beschreiben?

Lars Eilebrecht: Da kommt mir als erstes unser Mantra in den Sinn: „Community over Code.“ Es geht bei der ASF nicht nur um die Software – wir sind keine kommerzielle Firma, der es um den Gewinn oder die Entwicklung bestimmter Produkte geht. Die ASF hängt an der Community. Wenn die Community gepflegt wird, funktionieren auch die Produkte und dann funktioniert auch die ASF!

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Lars is co-founder and former Vice President of The Apache Software Foundation, and started contributing to the Apache HTTP Server project in 1996. He is also a member of the ASF Security Team and Press Team. Apart from his involvement with the ASF he is an independent IT consultant based in London with more than 20 years of accumulated expertise in information and security technology. He has worked for companies such as the BBC, Channel 4, Cable & Wireless and Pearson.
Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina ist hauptberuflich hilfsbereite Online- und Print-Redakteurin sowie Bücher- und Filme-Junkie. Nebenbei ist sie Möchtegern-Schriftstellerin, die heimlich hofft, eines Tages ihr Geld als Kaffee-Testerin zu verdienen. Seit Februar 2018 arbeitet sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH, davor hat sie Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
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