Open Source in the Enterprise

Hartmut Schlosser

Open-Source-Software hält auch immer mehr in Großunternehmen Einzug – so auch bei der SAP. Harald Müller, Vize-Präsident des Java Server Teams bei SAP, beschrieb in seiner Mittwochskeynote der JAX 2010 die Umstellung auf die neue Open-Source-Strategie beim Enterprise-Riesen – und gab Einblicke in den Leidensweg der SAP-Open-Source-Befürworter, die wohl zunächst etliche unternehmensinterne Hürden zu überwinden hatten.

Eine lange Übergangsphase habe es gebraucht, um das eher für seine proprietären Enterprise-Lösungen bekannte Unternehmen für den Einsatz von Open-Source-Komponenten zu öffnen. Dies sei nämlich noch vor wenigen Jahren ein klares Tabu-Thema gewesen. Erst 2007 wurde intern die Einbeziehung des ersten Eclipse-basierten Open-Source-Projekts genehmigt. Bis zum Jahr 2009 hat sich diese Ratio dann schon auf 30 Projekte erhöht, heute ist die SAP strategisches Mitglied der Eclipse Foundation und beteiligt sich auch an verschiedenen Open-Source-Projekten der Apache-Familie.

Interessante Einblicke in den Umgewöhnungsprozess gab Harald Müller, als er die erlebten Widerstände gegen die Einführung einer Open-Source-Strategie beschrieb:

Open-Source-Software sei nicht populär, könne den Kunden nicht verkauft werden. Vollzeit-Open-Source-Entwickler arbeiteten nicht wirklich für das Unternehmen, generierten selbst keine Werte. Open Source habe Sicherheitslücken und könne ohnehin nicht alles, was benötigt werde. Und die „typische“ SAP-Frage: Verlieren wir da nicht die Kontrolle über unser eigenes Projekt?

Vor allem auch für die SAP-Entwickler galt es einige Hemmschwellen zu überwinden: Statt alles von Grund auf selbst zu programmieren, habe sich die Arbeit z.B. mehr in Richtung der Systemintegration verschoben. Doch gelohnt habe sich die Umstellung nicht nur wegen der erzielten Kosteneinsparungen, sondern auch für die Persönlichkeitsentfaltung der Entwickler selbst: Durch die Community-Arbeit sei den SAP-Entwicklern oft erst der Blick über den Tellerrand gelungen: Neue Erfahrungen und Perspektiven hätten sich dadurch aufgetan, was nicht zuletzt auch zu einer größeren Motivation und einer besseren Qualität der Produkte geführt habe.

Harald Müller selbst beschrieb die Open Source SAP-Story als Erfolgsgeschichte und machte durchaus überzeugend klar, dass man es ernst meint mit Open Source à la SAP. Als Beispiel für gelungene Community-Arbeit führte er das Memory Analyzer Tool ins Feld, ein Analysewerkzeug zum Auffinden von Speicherlecks, das bei Eclipse als offizielles Projekt eingebracht wurde und nun von der Community weiterentwickelt wird, z.B. bereits ins Japanische übersetzt vorliegt. Und ein weiterer Nebeneffekt habe die Open-Source-Öffnung ebenfalls gehabt: Auch mit IBM hat man bereits in einigen Fällen erfolgreich zusammengearbeitet – vor wenigen Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit….

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.