Open-Source-Anwendungen im Unternehmenseinsatz – eine echte Alternative

Und die Nachteile?

Die Hindernisse, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Einsatz von Open-Source-Software vorgebracht werden, verschwinden langsam, aber sicher. Zu den traditionellen Argumenten gegen Open Source gehören die Integration in unternehmenskritische Umgebungen, das Fehlen spezialisierter Ressourcen und Zweifel bezüglich der Gesamtkosten. Das Hauptargument gegen Open Source in der Vergangenheit lautete allerdings: „Wird sich Open Source mittel- und langfristig am Markt behaupten?“ Mit der Entwicklung von seit Jahren erfolgreichen, offenen Lösungen, etablierten Strukturen im technischen Support und Dienstleistern, die die Verfügbarkeit und Langlebigkeit von Open Source untermauern, gelang es, diese Vorurteile abzubauen. Mittlerweile erhalten Open-Source-Autoren immer häufiger sogar Unterstützung durch private Investoren und Risikokapitalgeber.

Aktueller Status: Die Angebote sind marktreif

Die wachsende Anzahl von Open-Source-Software auf IT-Systemebene verdeutlicht eine höhere Reife der Angebote: Noch vor wenigen Jahren trugen Open-Source-Anbieter „Eulen nach Athen“, indem sie ihre Lösungen nur Anwendern anboten, die bereits der Open-Source-Gemeinde angehörten. Im Gegensatz dazu wählen Unternehmen und Organisationen heute Open-Source-Anwendungen, weil sie einen klaren Wettbewerbsvorteil bieten.

Fast täglich kündigen neue Unternehmen – und darunter sind sogar die weltweiten Topunternehmen – ihre Entscheidung an, eine Lösung im Open-Source-Lizenzmodell zu entwickeln. Gerade für öffentliche Institutionen, die in der Regel mit engeren Budget- und Ressourcenvorgaben arbeiten, spielten schon in der Vergangenheit bei IT-Investitionen Fragen der Kosten und der Verwaltung eine große Rolle. Für kommerzielle Unternehmen gilt dies heute genauso. Im Jahr 2006 führte die internationale Oracle User Group (IOUG) eine Befragung durch, mit dem Ergebnis, dass 37 Prozent der Unternehmen, die eine Oracle-Datenbank im Einsatz haben, zugleich auch eine Open-Source-Datenbanklösung einsetzen.

Die Tatsache, dass die meisten Open-Source-Lösungen heute außerhalb der Kern-IT-Prozesse eingesetzt werden (laut der oben erwähnten IOUG-Studie kommen nur zehn Prozent der Lösungen in strategischen Projekten zum Einsatz) ist leicht zu erklären. Es herrscht nach wie vor der Wunsch, diese Lösungen zuerst in nichtkritischen Bereichen zu testen, um mit der Technologie vertraut zu werden. Außerdem sollen sie auch intern im Unternehmen erst auf eine höhere Akzeptanz stoßen.

Dennoch stellen auch zehn Prozent unternehmenskritischer Einsatz ein beachtliches Volumen dar. Meiner Meinung nach wird diese Zahl in naher Zukunft explodieren, denn es werden immer mehr erfolgreiche Anwendungsbeispiele bekannt werden. Doch unabhängig von der Frage „kritisch“ oder „nichtkritisch“: Open-Source-Erfolgsgeschichten wie der Apache Web Server (auf seiner Grundlage werden über 40 Millionen Webseiten betrieben, was einem Marktanteil von 60 Prozent entspricht) oder der Application Server JBoss (zehn Millionen Downloads) arbeiten nur reibungslos und effizient auf der Grundlage erprobter Basistechnologie. Fazit: Open Source bietet damit unabhängig vom Einsatzbereich eine solide Alternative zu kommerziellen Lösungen. Ein Beitrag in der BusinessWeek vom Oktober 2005 sprach vom „Entstehen eines wirklichen Ökosystems, dessen Ambitionen es sind, Software zu entwickeln, die es schon bald mit den Lösungen von Microsoft, Oracle, IBM oder SAP aufnehmen wird.“ Seit Veröffentlichung dieses Artikels haben Venture-Capital-Unternehmen mehr als 400 Millionen US-Dollar in fast 50 Open-Source-Firmen investiert.

Ein Blick in die Zukunft

Ohne zu übertreiben kann man bei Open Source also von einer goldenen Zukunft sprechen. Wie die zu Beginn des Beitrags zitierte IDC-Studie unterstreicht, wird Open-Source-Software immer besser werden, je größer die Gemeinde wird. Open Source wird in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Non-Profit-Organisationen mittlerweile akzeptiert – ein weiteres Steigen der Akzeptanz liegt in greifbarer Nähe. In weniger als fünf Jahren – das ist meine Prognose – werden viele Open-Source-Firmen aus einer Randposition in den Mittelpunkt des Interesses rücken und als etablierte Marktteilnehmer anerkannt werden.

Bertrand Diard ist Mitbegründer und CEO von Talend, einem französischen Anbieter von Open-Source-Datenintegrationssoftware.
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