Ein Container-Standard für alle

Meilenstein für die Containerisierung der IT: Open Container Initiative veröffentlicht Spezifikation 1.0

Hartmut Schlosser

© Shutterstock / Visual Generation

Die Open Container Initiative (OCI) hat die erste Version ihrer Runtime- und Image-Spezifikationen veröffentlicht. Damit steht ein Standard für Container-Anwendungen bereit, der von Docker und anderen Container-Anbieter wie CoreOS, Google und Red Hat unterstützt wird. Ein Meilenstein für die Containerisierung der IT.

Offene Standards für Container-Lösungen

Die Open Container Initiative (OCI) wurde 2015 mit dem Ziel gegründet, ein minimales Set an allgemein akzeptierten Container-Standards zu spezifizieren. Auf Basis dieser Standards sollen Container-Anbieter Lösungen entwickeln können, die weiterreichende Funktionalitäten bieten aber dennoch miteinander interagieren können.

Logo Open Container Iniative

Die OCI sorgt unter dem Dach der Linux Foundation für offene Container-Standards

Vorangegangen waren intensive Debatten darüber, wie weit das Unternehmen Docker Inc. seinen De-Facto-Industriestandard Docker ausbauen und um optionale Features wie Container-Orchestrierung erweitern sollte. Um einer Entwicklung hin zu einer zunehmend proprietären Software entgegenzuwirken, hatte etwa CoreOS mit dem Projekt Rocket (rkt) eine alternative Container Runtime entworfen. Es drohte die Fragmentierung des Container-Ökosystems.

Diese wurde durch die Herauslösung der Docker Runtime (runc bzw. containerd) und deren Übertragung an die anbieterneutrale OCI abgewendet. Zudem wurde im April 2016 das Docker Image-Format gespendet, auch CoreOS hat mittlerweile rkt an die OCI übergeben. Bis dato haben sich über 40 Unternehmen und Communities unter dem Dach der OCI eingefunden, neben Docker und CoreOS beispielsweise Microsoft, AWS, Red Hat, IBM und Facebook.

OCI-Spezifikation 1.0

Der OCI 1.0 Standard umfasst Runtime- und Image-Spezifikationen, die Lebenszyklen und Image-Formate für Container festlegen. Die Runtime-Spezifikation soll für die Implementierung OCI-kompatibler Bundles und Container-Konfigurierungen genutzt werden, die Low-Level Betriebssystem- sowie Host-spezifische Details für unterschiedliche Plattformen enthalten können.

Die Image-Spezifikation soll dabei helfen, Werkzeuge für das Entwickeln von Container Images sowie deren Austausch und Betrieb in Container-Laufzeitumgebungen bereit zu stellen.

 Im Gespräch mit JAXenter kommentiert Docker Captain Vincent de Smet die Entwicklungen im Container-Ökosystem:

Wie beurteilst du die aktuelle Situation im Container-Ökosystem?

Vincent de Smet: Es ist entscheidend für Docker, weiterhin der akzeptierte Industrie-Standard zu sein, um die Position, die Docker Inc. sich im Markt erarbeitet hat, beibehalten zu können. Unternehmen wie Google setzen mit Container-Orchestrierungsframeworks wie Kubernetes auf Dockers Arbeit auf – genauso wie Red Hat und CoreOS mit OpenShift bzw. Tectonic. Innerhalb dieser Frameworks, die sich gut auf dem Markt etabliert haben, teils mehr noch als Dockers eigene Orchestrierungslösung, hat jede Komponente eine sehr klar definierte Funktion.

Wenn diese Industrie-Player nicht mehr zufrieden mit den Implementierungen sind, die Docker selbst bereit stellt – etwa wegen Dockers schnellen Update-Iterationen, speziellen in Docker integrierten Funktionalitäten oder anderweitigen Bedenken bzgl. Dockers Schirmherrschaft über die Technologie -, entstehen alternative Implementierungen wie rkt von CoreOS.

Wie hat Docker auf diesen Druck seitens der Konkurrenz reagiert?

Vincent de Smet: Docker selbst hat mittlerweile viele seiner Kernimplementierungen an Kubernetes angepasst und die eigene Cluster-Lösung Swarm im letztjährigen Release Docker 1.12 in Form des sogenannten „Swarm Mode“ überarbeitet.

Zudem hat Docker zur letzten Dockercon im April ihre Unternehmensprodukte von der Kern-Technologie gelöst, indem nun einerseits Docker CE / EE als Unternehmenslösungen angeboten werden und andererseits das Projekt Moby gegründet wurde.

Was wir momentan sehen, ist eine interessante Dynamik, in der jede Partei auf die Schwächen der anderen reagiert, um das eigene Produkt zu einer immer kompletteren Lösung auszubauen.

OCI – die nächsten Schritte

Der Veröffentlichung von OCI 1.0 soll noch in diesem Jahr ein formales Zertifizierungsprogramm folgen, mit dem Anbieter von Container-Lösungen die Konformität ihrer Implementierung nach OCI-Standard nachweisen können – ganz ähnlich, wie das bei anderen Standardisierungsgremien wie dem JCP (Java Community Process) der Fall ist. Zu diesem Zweck wurde bereits eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die u.a. mit der Bereitsstellung einer Test Suite für Runtime- und Image-Spezifikationen betraut ist.

Zudem kündigt Patrick Chanezon

Brandon Philips stellt auf dem CoreOS-Blog die Bedeutung der OCI-1.0-Spezfikation für das Container-Ökosystem heraus:

We anticipate that with this release a number of new and existing tools will implement the specifications, including the ecosystem of container engines, container orchestrators and container build tools.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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