Über den Umgang mit Menschen

Open Code of Conduct – Ein Knigge für Open-Source-Communities

Michael Thomas

© Shutterstock.com/chattanongzen

Erst kürzlich hatte der technische Leiter von Go, Russ Cox, verkündet, dass Google einen Code of Conduct für die Community der Sprache formulieren wolle. Diese Bestrebungen könnten bereits ihr Ende gefunden haben: Die Gruppe TODO, deren Mitglied Google ist, hat mit dem „Open Code of Conduct“ einen Muster-Verhaltenskodex für Open-Source-Communities entworfen.

„Open-Source-Software ist für alle da, und deshalb sollten auch die Communities offen für alle sein“. Mit diesem Satz kann man wohl am einfachsten die Motivation umreißen, die hinter dem Open Code of Conduct steht. Der Verhaltenskodex ist das Ergebnis der Arbeit von TODO („talk openly, develop openly“), einem Zusammenschluss von Unternehmen, die quelloffene Software nutzen, und speist sich aus zahlreichen Vorbildern, namentlich den entsprechenden Kodizes und Diversity-Richtlinien der Communities (von) Django, Python, Ubuntu, Contributor Covenant und Geek Feminism.

Ziele und Inhalte

Ziel des Open Code of Conduct ist es, Open-Source-Communities ein leicht verständliches und einfach zu übernehmendes Grundgerüst für das Verhalten der Mitglieder untereinander zur Verfügung zu stellen, um ein einladendes Umfeld für eine fruchtbare Zusammenarbeit zu schaffen.

Die Macher selbst betrachten den Kodex zwar als nicht vollständig, die wichtigsten Punkte sind ihrer Ansicht nach jedoch bereits enthalten: Neben einer freundlichen und geduldigen Grundhaltung gehört dazu etwa die Bereitschaft, offen für Menschen jedweder Herkunft, Identität, Einstellung etc. zu sein. Weitere Maßgaben betreffen einen rücksichts- und respektvollen Umgang untereinander, sowie die ständige Bereitschaft, bei etwaigen Differenzen zu versuchen, die Position des Gegenüber nachzuvollziehen.

Ein gesonderter Paragraphen umfasst die Ausführungen zur Diversity: Hier soll unverrückbar der Grundsatz der Gleichheit gelten. Diskrimierung jedweder Art, sei es u. a. (die Liste ist nicht abschließend) aufgrund des Alters, des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der politischen Ansichten, der Religion, der sexuellen Orientierung oder des sozioökonomischen Status wird ausdrücklich untersagt.

Bei Zuwiderhandlung gegen eine der aufgeführten Verhaltensnormen drohen dem jeweiligen Regelbrecher Sanktionen, die bis hin zum dauerhaften Ausschluss aus der Community führen können.

Über TODO

Bisherige Mitglieder der Initiative sind Box, Dropbox, Facebook, GitHub, Google, Khan Academy, Square, Stripe, Twitter, WalmartLabs und Yahoo. Neben dem Open Code of Conduct strebt die Gruppe eigenen Aussagen zufolge danach, in Zukunft noch weitere für Open-Source-Projekte relevante Materialien zu erarbeiten. Dazu sollen Best Practices für das Aufziehen großer Projekte ebenso gehören wie beispielsweise die Kodifizierung von Qualitätskriterien sowie ein Verzeichnis von Mitgliederprojekten, die diesen Standards entsprechen.

Aufmacherbild: code of conduct text concept on brown envelope von Shutterstock.com / Urheberrecht: chattanongzen

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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