Onlinesysteme: Es muss nicht immer Browser sein

Jürgen Wiesmaier, Vorstand und CTO der compeople AG

Längst hat der Trend zu Onlineanwendungen auch den Bereich der Businessanwendungen erreicht. Gerade wenn es darum geht, großen Benutzergruppen Businessanwendungen dezentral zur Verfügung zu stellen, führt heute kein Weg an einer Onlinelösung vorbei.

Im Mittelpunkt stehen hierbei Fragen nach der Unterstützung von mobilen Einsatzszenarien, der Skalierung bei wachsender Benutzerzahl, der Aktualität der Programme und Daten sowie der Senkung der Betriebskosten. Diese Anforderungen bewegen die IT-Abteilung zahlreicher großer Unternehmen dazu, sich mit dem Thema Onlinesystem zu beschäftigen.

Auch wenn sich diese Punkte mit den Anforderungen an Webanwendungen im Business-to-Consumer-(B2C-)Bereich decken, gibt es bei Businessapplikationen Anforderungen und Rahmenbedingungen, die mit klassischen browserbasierten Onlinesystemen nur schwer zu erfüllen sind. Als Alternative zur Browseranwendung hat sich hier in den letzten Jahren der Smart Client bewährt.

Smart Client und browserbasierte Onlinelösungen

Der Unterschied zwischen einer Browserlösung und einem Smart Client ist den meisten Anwendern aus dem täglichen Arbeitsumfeld bekannt. Jeder schätzt die Vorteile eines modernen browserbbasierten Mail Clients, der es einem ermöglicht, notfalls auch im Internetcafe auf die E-Mails zugreifen zu können. Trotzdem werden die meisten nicht auf die Vorteile eines vollwertigen Clients wie Microsoft Outlook oder Lotus Notes verzichten wollen, wenn es darum geht, die tägliche E-Mail-Flut zu bewältigen.

Hinsichtlich der IT-Architektur unterscheiden sich die beiden Ansätze im Wesentlichen dadurch, dass der Smart Client als Frontend ein eigenständiges Programm nutzt und eben nicht den Browser. Das erspart dem Smart Client nicht nur das ständige Nachladen von Oberflächencode in Form von HTML und JavaScript, sondern befreit ihn auch von browsertypischen Restriktionen wie Netzwerkabhängigkeit, lokale Datenhaltung oder die Unterstützung für die parallel Bearbeitung mehrere Geschäftsvorfälle. So ist es möglich, mit dem Smart Client Anwendungen zu realisieren, die bezüglich Benutzungsfreundlichkeit, Funktionsumfang und Integrationsmöglichkeiten einer klassischen Fat-Client-Anwendung in nichts nachstehen aber gleichzeitig die Vorteile einer Onlineanwendung bieten.

Der entscheidende Vorteil einer Smart-Client-Applikation, der browserunabhängige Client, ist gleichzeitig auch ihr größter Nachteil, denn das Clientprogramm muss zunächst auf den PC des Anwenders gebracht und dann bei Bedarf auch aktualisiert werden. Daher ist es erforderlich, sowohl eine einfache Installation des Clients sicherzustellen als auch ein automatisiertes Online-Update zu integrieren.

Dass dies kein Hexenwerk ist, zeigen sowohl Programme aus dem B2C-Umfeld wie Apples iTunes als auch Smart-Client-Anwendungen, die seit Jahren erfolgreich in großen Unternehmen eingesetzt werden.

Ist der Smart Client installiert, erfolgt die Kommunikation zwischen Client und Server wie im Browserfall über das Standardprotokoll HTTPS. Im Vergleich zum Browser müssen hierbei zur Laufzeit allerdings nur die Daten und kein Code übertragen werden. Dieser Vorteil kommt wegen der geringen Bandbreite und den gleichzeitig hohen Latenzzeiten vor allem in mobilen Anwendungsszenarien unter GPRS besonders zum Tragen.

Welche Anwendungsteile auf dem Client und welche auf dem Server ausgeführt werden, kann aufgrund der fachlichen und technischen Anforderungen beim Smart-Client-Ansatz frei festgelegt werden. Auf diese Weise ist es möglich, komplette Programmteile auch offline zur Verfügung zu stellen und somit das Abwickeln der wichtigsten Geschäftsvorfälle ohne bestehende Onlineverbindung zu gewährleisten.

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Jürgen Wiesmaier, Vorstand und CTO der compeople AG
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