Wenn Open-Source-Freunden die Geduld ausgeht

Offener Brief an GitHub prangert mangelnde Unterstützung für quelloffene Projekte an

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Gonzalo Aragon

Ein derzeit im Netz kursierender, an GitHub adressierter Brandbrief kritisiert den (nach Ansicht seiner rund 1200 Unterstützer) mangelhaften Support von Seiten des Online-Dienstes sowie das Fehlen eines angemessenen Zwei-Wege-Kommunikationskanals. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs zählen u. a. Vertreter von jQuery, React Native, Node.js, WebTorrent und ui-bootstrap.

Die einzigen Reaktionen, die man auf die seit mehreren Jahren vorgetragenen Bitten erhalten habe, seien demnach allerhöchstens nichtssagende Antworten gewesen. Als Gründe für ihre Frustration über GitHub identifizieren die Verfasser des offenen Briefes in erster Linie drei Problemlagen:

  1. Bei der Behandlung von Fällen fehlen häufig elementar wichtige Informationen wie beispielsweise die für die Reproduktion eines Fehlers notwendigen Schritte oder die jeweils betroffene Versionsnummer. Aus diesem Grund wünschen sich die Unterzeichner u. a. benutzerdefinierbare Felder sowie einen Mechanismus, der sicherstellt, dass für jedes Ticket auch wirklich alle relevanten Felder ausgefüllt werden.
  2. Die Kommentare zu berichteten Fehlern bestehen häufig in einer Flut von Kommentaren, die zwar Auskunft darüber geben, wie weit verbreitet ein Problem ist, jedoch keinen inhaltlichen Mehrwert bieten (z. B. „+1“). Da die Nachteile (Stichwort Spamming) aus den Augen der Entwickler überwiegen, wünschen sie sich ein überarbeitetes Benachrichtigungssystem.
  3. Zahlreiche der Issues und Pull Requests gehen nicht mir den CONTRIBUTING.md-Richtlinien konform, was auf die Unauffälligkeit des entsprechenden Links bei der Erstellung eines Tickets zurückgeführt wird. Zudem wird kritisiert, dass zahlreiche der Richtlinien für den Großteil der berichteten Probleme irrelevant seien. Die unterzeichnenden Maintainer wünschen sich deshalb eine Möglichkeit, benutzerdefinierte Informationen anzeigen lassen zu können.

Die Unterzeichner würden diese Probleme nach eigenen Aussagen mit Vorliebe jederzeit selbst in die Hand nehmen – was durch den Umstand, dass GitHub nicht quelloffen ist, jedoch nicht im Bereich des möglichen liegt.

Offizielle Reaktion? Bislang Fehlanzeige

Doch auch GitHub selbst wird sich voraussichtlich zunächst nicht um die angerissenen Kritikpunkte kümmern. Wie etwa Julian Dunn, Produktmanager bei dem DevOps-Tool-Hersteller Chef in einer Replik auf den offenen Brief schreibt, sieht sich die zahlende Kundschaft von GitHub, da sie vornehmlich auf private Repositorien sowie GitHub Enterprise zurückgreift, mit den angesprochenen Problemen höchstens am Rande konfrontiert. Aus diesem Grund, so Dunns Überlegung, wird GitHub vermutlich auch in Zukunft keine großen Anstrengungen in die Verbesserung der Situation für quelloffene Projekte fließen lassen, es sei denn, GitHub werde durch äußeren Druck dazu gezwungen – aus rein marktwirtschaftlicher Perspektive verständlich, für Anhänger der betroffenen Open-Source-Projekte natürlich eine wenig erfreuliche Aussicht.

Lesen Sie auch: GitLab vs. GitHub: Wer bietet mehr?

Eine offizielle Stellungnahme zu den Vorgängen von Seiten GitHubs steht bislang noch aus. Mit der stetig steigenden Zahl von Unterzeichnern bleibt abzusehen, wie lange das Unternehmen diesen Kurs weiterverfolgen und auf eine Reaktion verzichten kann. Denn die Konkurrenz schläft nicht: GitLab jedenfalls ließ es sich nicht nehmen, die Gelegenheit für einen Seitenhieb auf den Mitbewerber beim Schopfe zu packen und in einem Blogpost die große Relevanz der thematisierten Probleme zu unterstreichen – und sich somit im selben Atemzug als die bessere Alternative zu präsentieren.

Aufmacherbild: Hand up holding a white blank megaphone von Shutterstock / Urheberrecht: Gonzalo Aragon

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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