Interview mit Niklas Grebe

Home Automation: „Offene Protokolle mit offener Hardware wären der heilige Gral“

Melanie Feldmann

Niklas Grebe

Home Automation ist eines der großen Themen des Internet of Things. Wir haben mit IoTCon Speaker Niklas Grebe (InnoGames) über seine automatisierte Wohnung gesprochen. Er setzt vor allem auf Open Source Hard- sowie Software und hofft auf einheitliche Standards.

JAXenter: Viele Entwickler wagen ihre ersten Gehversuche im Internet der Dinge in den eigenen vier Wänden. Darum geht es auch in deinem Talk auf der IoTCon „DIY low Cost Open-Source-powered Smart Home in a rented Flat“. Kannst du kurz beschreiben, was du genau gemacht hast?

Niklas Grebe: Ich habe Steckdosen, Lampen, die Beheizung der Räume (Temperaturmessung und Steuerung der Heizungen) sowie Musik automatisiert, die jeweils via Smartphone und Smartwatch (AppleWatch) geschaltet werden können. Ebenso kann ich via Infrarot mein TV, Hifi-Anlage und Settop Boxen steuern. So muss ich nicht zehn unterschiedliche Fernbedienungen rumliegen haben, sondern kann ganz bequem zum Beispiel via Sprachbefehl in mein iPhone sprechen: „Mach Bundesliga an.“ Und schon schaltet sich mein TV an, die Settop Box geht auf den Bundesliga-Kanal, mein Verstärker geht auf den richtigen Channel und das Licht dimmt sich entsprechend. Hinzu kommen noch kleine Helferlein im Alltag. Im Flur habe ich ein kleines Display, das die aktuellen Abfahrtszeiten der nächstgelegenen Bus- und U-Bahn-Haltestelle anzeigt.

JAXenter: Auf welche Hard- und Software hast du dabei zurückgegriffen?

Niklas Grebe: Ich nutze pro Raum einen Raspberry Pi und für kleinere Aktoren den ESP8266/NodeMCU. Beide haben sich bislang sehr gut bewährt, bis auf kleinere Aussetzer im Badezimmer. Ich vermute wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Als Software benutze ich auf den Raspberry Pis das Raspian-Betriebssystem, zum Monitoring Graphite mit Grafana im Frontend und für simple Szenensteuerung IFTT. In naher Zukunft möchte ich noch Node-RED und ein MQTT-System integrieren.

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JAXenter: Auf welche Knackpunkte bist du beim Bauen und Entwickeln gestoßen?

Niklas Grebe: Kosten neigen dazu zu explodieren. Ich bestelle vieles aus China, um die Kosten möglichst gering zu halten. Aber dann dauert es auch gut und gerne mal drei bis vier Wochen. Man ist dann immer verleitet einfach kurz zum nächsten Elektronikfachhandel zu gehen und anstatt zwei bis drei Euro online aus China zu bestellen gibt man dann zehn bis 20 Euro im Laden aus. Gerade bei Audiokabeln gibt es extreme Preisunterschiede. Nicht-Invasive Komponenten zu finden – da ich in einer Mietwohnung lebe – ist auch teilweise eine Herausforderung.

Offene Protokolle, idealerweise implementiert mit offener Hardware, wären der heilige Gral.

JAXenter: Momentan sind Home-Automation-Projekte wie deines hauptsächlich etwas für technikversierte Bastler. Was müsste deiner Meinung nach getan werden, um das zu ändern?

Niklas Grebe: Derzeit kochen sämtliche Hersteller jeweils ihr eigenes Süppchen um die Kunden an eine Produktfamilie zu binden, was sehr schade ist. Man muss immer selbst Hand anlegen und die jeweiligen Produkte entsprechend umbauen oder erweitern, damit man diese mit anderen vernetzen kann. Es gibt zwar einige offene Standards, doch diese sind allerdings noch längst keine Norm. Apple hat mit Homekit auch einen wichtigen Schritt gemacht, um die Situation etwas zu verbessern. Ich könnte mir auch eine EU-weite Standardisierung vorstellen– zumindest was die Kommunikation zwischen IoT-Geräten angeht. Dies würde zumindest aus Sicht des Kunden helfen. Offene Protokolle, idealerweise implementiert mit offener Hardware, wären der heilige Gral. Nicht zuletzt, um Start-ups die Einstiegshürden zu nehmen. Da ist gerade ein riesiger Markt. Wenn wir dann weit verbreitete Standards für Hard- und Software haben, brauchen wir gute Visualisierungstools wie Node-RED und zentrale Dashboards wie bei Homekit, um den Endkonsumenten die Möglichkeit zu geben die Komponenten selbst zu steuern oder durch selbst erstellte Logiken automatisch steuern zu lassen. Einiges geht also schon in die richtige Richtung, aber steckt noch eher in den Kinderschuhe.

JAXenter: Was ist der nächste Schritt bei deinem Home-Automation-Projekt?

Niklas Grebe: Intelligente Szenen für Tageszeit und Stimmung zu konfigurieren und diese möglichst komfortabel zu setzen. Ich warte auch noch auf Hardware für einen Magicmirror und Bewegungsmelder, um durch Bewegung Licht und Musik anzumachen.

JAXenter: Wie sieht deiner Meinung nach das IoT in zehn Jahren aus?

Niklas Grebe: Der Alltag der Menschen hat sich durch IoT und die daraus resultierende Automatisierung weiter verbessert. IoT-Fähigkeiten sind in jedem Haushaltsgerät eingezogen und die Daten werden anhand einer KI verknüpft. Jeder Haushalt generiert so einen großen Haufen an Daten, das Big-Data-Zeitalter für den Haushalt. Wenn man ein Haus baut, benötigt man neben einem Ingenieur ebenso einen Fachinformatiker.

JAXenter: Danke für das Gespräch!

grebe_niklas_wpNiklas ist Backend-Entwickler bei Innogames seit 2012. Spiele zu entwickeln ist seine Leidenschaft und neben seiner normalen Arbeit versucht er alle möglichen Wege seine Wohnung zu automatisieren.
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Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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