Falscher Name? Pech gehabt!

Nomen est Omen: Wer so heißt, crasht jedes Formular

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock / Aysezgicmeli

Null ist doch kein Name, oder? Außerdem hat jeder Mensch (genau) einen Vor- und Nachnamen. Vielleicht kommt noch ein zweiter Vorname dazu, Doppelnamen kennt man ja auch. Aber das sollte es doch an struktureller Namens-Varianz gewesen sein! Auf solchen und ähnlichen Annahmen beruhen die meisten Formulare im Internet. Das ist allerdings ein echtes Problem für viele Menschen.

Was passiert, wenn ein Nutzer ein Pflichtfeld in einem Formular im Web nicht ausfüllt? Das System setzt „Null“ ein, um die fehlende Eingabe zu erkennen und den Nutzer zur Korrektur aufzufordern. Wenn nun jemand versucht, diesen Begriff als seinen Namen zu verwenden, kann das also durchaus schief gehen. Und das ist bei weitem nicht die einzige Problemquelle im Web, wenn es um Namen und Formulare geht. Zwar soll sich die Situation bezüglich des Namens „Null“ inzwischen ein wenig entspannt haben, wie die BBC berichtet – viele andere Stolperfallen werden aber weiterhin nur selten beachtet.

Das liegt daran, dass Formulare im Web (und ihre Print-Äquivalente!) zumeist auf die „typischen“ Namen in der Region ihrer Verwendung ausgelegt sind. Häufig fließen nur diese „normalen“ Namenstypen in die Testszenarien ein, die ein Formular durchläuft bevor es ins Netz geht. Aber was ist eigentlich „normal“ und „typisch“? Wer schon mal das Wort Globalisierung gehört hat, wird ahnen, was nun kommt.

Langer Name, großes Problem

Um Beispiele für inkompatible Namensmodelle zu finden, muss der geneigte Entwickler nicht einmal weit reisen. Der spanische Doppelnachname stellt für die meisten deutschen Websites noch kein Problem dar; immerhin gibt es hierzulande zumindest den optionalen Doppelnamen nach der Eheschließung. Aber wie sieht es anders herum aus? Was soll ein Deutscher in ein spanisches Formular eintragen, das zwei Nachnamen verlangt…? Vielleicht Null? Wer noch ein Land weiter reist, stößt außerdem direkt auf die nächste Falle. Die Portugiesen beschränken sich nämlich nicht darauf, zwei Nachnamen zu vergeben. Sie bevorzugen es, gleich drei oder mehr zu verwenden! Dass das zu Problemen führen kann, wenn es nicht direkt bei der Formularerstellung bedacht wurde, wird wohl jedem klar sein.

Und wer schon einmal versucht hat, ein deutsches Ü in eine Website aus dem englischen Sprachraum einzugeben, weiß sogar aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn das Formular den Namen nicht annimmt. Deutsche Umlaute lassen sich aber gut ersetzten. Wie sieht es hingegen mit zu langen Namen aus? Fehlt hier die Hälfte, wird es bereits bei Postsendungen wirklich schwierig, eine korrekte Zustellung zu garantieren. Das erlebt beispielsweise Janice Keihanaikukauakahihulihe’ekahaunaele immer wieder. 36 Zeichen lang ist ihr Nachname!

Offizielle Problemquellen

Onlineshopping ist allerdings für die meisten Menschen eher ein Hobby als ein unausweichlicher Bestandteil ihres Lebens. Dann macht der Shop halt kein Geschäft mit Menschen, deren Namen das System nicht akzeptiert! Für den Shopbetreiber mag das durchaus ärgerlich (und somit ein Grund zum Umdenken) sein; schlimmer sieht es aber bei allerlei offiziellen Angelegenheiten aus. Für die Hawaiianerin Keihanaikukauakahihulihe’ekahaunaele musste extra ein Update in das System einer Behörde eingespielt werden, damit ihr Name vollständig auf einen Ausweis gedruckt werden konnte.

Außerdem muss gerade in diesem Kontext auch die Namensreihenfolge bedacht werden. Ist Mao im Namen Mao Zedong nun der Vor- oder Nachname? Natürlich ist das ein recht einfaches Beispiel, immerhin ist der chinesische Politiker noch immer unter „Mao“ bekannt. Und wenn wir mal Angie weglassen, wird auf Politiker ja doch eher mit ihrem Nachnamen verwiesen, richtig? Jetzt kommt aber die Bonusfrage: Wer hat schon einmal darüber nachgedacht, was die gerade aufgezeigte Lesereihenfolge wohl für andere chinesische Namen bedeutet? Im Chinesischen ist der erste Namen natürlich immer der Nachname. Und nicht nur dort: Auch Japan und Ungarn verwenden diese Reihenfolge – und mit Ungarn ist das Problem auch wieder recht nah an unseren Kulturkreis herangerückt. Formulare, die den „first name“ abfragen und damit das meinen, was wir als Vornamen kennen, sind also für viele Menschen recht missverständlich.

Wessen Problem?

Natürlich könnten Entwickler nun erwarten, dass ihre User schon wissen werden, wie ihr Name am besten in ein Formular aus dem Ausland passt. Und dass „first name“ mit „given name“ gleichzusetzen ist, nicht mit dem Familiennamen, wird sich wohl auch schon herumgesprochen haben. Dennoch ist es einfach nutzerfreundlicher, Formulare so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen damit zurechtkommen.

Wo wir schon dabei sind: Das Problem endet nicht nach der korrekten Eingabe eines Namens in die verfügbaren Felder. Im Sinne eines geglückten Postversandes wäre es wohl sogar klüger, wenn Menschen, deren Vorname hinter dem Nachnamen steht, die falsche Eingabereihenfolge wählen. Ansonsten ist das Paket am Ende ja nicht korrekt beschriftet! Wie steht es dann aber um die Kundenansprache? Wird der Vorname als Nachname eingegeben, um den Postversand zu ermöglichen, wird künftig der falsche Name genutzt um mit dem Kunden zu kommunizieren. Das ist ja auch unhöflich!

Was für ein Bindestrich?

Damit ist auch noch lange nicht das Ende der Problem-Fahnenstange erreicht. So kann die Autorin dieses Artikels aus eigener Erfahrung berichten, dass selbst Bindestriche im Namen nicht überall akzeptiert werden. Wie steht es dann erst um Akzente und andere Sonderzeichen? Das Türkische, die skandinavischen Sprachen, das Spanische: Alphabete, die dem lateinischen entstammen, aber einige Extras mitbringen, gibt es überall.

Wer sich nun einen Überblick darüber verschaffen möchte, was es alles zu beachten geben könnte, sollte einen Blick auf die Liste von Patrick McKenzie werfen, der übrigens selbst in Japan damit zu kämpfen hat, dass sein Nachname einfach nicht mit diversen Websites kompatibel ist. 40 Tipps hat er zusammengetragen; in den Kommentaren zu seinem Artikel findet sich sogar noch die ein oder andere Ergänzung. So sollten im Umgang mit Österreichern beispielsweise auch multiple akademische Titel erfassbar sein!

Tipps und Tricks zur Problemlösung

Die Auswahl beliebter Fehler, die McKenzie zitiert, beginnt dabei ganz harmlos. So sollten Entwickler beispielsweise Abstand davon nehmen, anzunehmen, dass Menschen nur einen offiziellen Namen haben. Und wo wir schon dabei sind – dass dieser bei ihrer Geburt festgelegt wird und sich nur unter sehr eng spezifizierten Bedingungen noch einmal ändert, ist ebenfalls falsch. Immerhin gibt es ja auch Menschen, die ihren Namen ändern, weil das billiger ist, als ein Flugticket von Ryanair anzupassen! McKenzie beendet die Liste seiner Fehlannahmen über Namen mit der ultimativen Bankrotterklärung für alle Formulare:

40. People have names.
Patrick McKenzie

Darauf ist wohl kein Formular mehr ausgerichtet. Natürlich kann aber auch nach der Lektüre dieser Liste noch damit argumentiert werden, dass nicht jeder dieser Fälle wirklich absolut relevant für jedes Formular ist. Ein kleiner Onlineshop muss natürlich mit anderen Anforderungen zurechtkommen als die Website einer Behörde. Ein Blick in die Gedanken, die sich das W3C zu diesem Thema gemacht hat, kann aber in jedem Fall nicht schaden.

Aufmacherbild: Hello Word Cloud in Different Languages via Shutterstock / Urheberrecht: Aysezgicmeli

Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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