Nicht Programmiersprachen sind komplex – Programmieren ist komplex!

Hartmut Schlosser

Programmieren wird niemals einfach sein! So lautet die Überschrift eines Blogeintrags von msmstudios, in der die Ansicht kritisiert wird, Programmieren sei deshalb schwierig, weil die zur Verfügung stehenden Sprachen zu komplex seien.

Denn: Wie sieht es mit Sprachen aus, die dem Entwickler Gutes tun wollen, indem sie ihm möglichst viel Arbeit abnehmen – im Extremfall über eine grafische Bedienoberfläche, die verspricht: Klicke dir dein Programm in wenigen Schritten selbst zusammen?

Das Problem dabei sei, dass man sich bei solchen GUI-Sprachen auf die Magie des Systems verlassen müsse: Ohne die Technologie-Vorgänge zu verstehen, erzeugt der „Entwickler“ ein Programm, über das er spätestens bei auftretenden Fehlern die Kontrolle verliert.

Von einem Programmierer erwarte man viel mehr: nämlich, dass er die Konzepte hinter der Sprache versteht und damit in der Lage ist, selbst abzuschätzen, welche Arbeit er sich von einer Sprache, einem Tool, einem Code-Generator abnehmen lassen möchte. Genau wie ein Elektroingenieur, von dem man auch nicht nur erwartet, dass er korrekt Strippen ziehen kann, der vielmehr auch in der Lage sein muss, die Logik der elektronischen Vorgänge, die Physik und Mathematik dahinter, zu verstehen, um etwa einen Architekten zu beraten und Sicherheitsfragen einzuschätzen.

I’m just trying to explain, no matter how easy the programming language is, if you don’t understand the logic behind the code, you won’t be able to write it in any language.

Anstatt also über die Einfachheit bzw. Komplexität gewisser Sprachen zu diskutieren, dürfte es gewinnbringender sein, andere Kriterien wie Mächtigkeit, innere Logik, Effizienz, Tooling-Unterstützung etc. zur Beurteilung einer Sprache heranzuziehen.

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Hartmut Schlosser
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