Im Gespräch mit NGINX CEO Gus Robertson

NGINX überholt Apache – Gründe für den Erfolg eines Webservers

Lucy Carey
Gus Robertson

Der HTTP und Reverse Proxy Server NGINX hat in den letzten Monaten Apache als Nr.1-Server für die Top 10.000 der aktivsten Webseiten weltweit abgelöst. Wir sprachen mit Gus Robertson, CEO von Ngnix, Inc., über die Gründe für den Erfolg von NGINX und darüber, was wir in den nächsten Monaten aus dem NGINX-Lager erwarten können.

 

 

Konsumenten wollen schnellen Internet-Zugriff überall und zu jeder Zeit.

Hallo Gus! Welche Faktoren sorgen derzeit für die wachsende Verbreitung von NGINX?

Gus Robertson: Zunächst einmal hat sicherlich die Anforderung die Verbreitung von NGINX gefördert, performante Webseiten und Webanwendungen zu bauen, insbesondere angesichts der gestiegenen Erwartungshaltung der User nach sofortigen Ansprechzeiten. Zudem bleibt das Aufkommen von Smartphones und anderen mobilen Endgeräten nicht ohne Einfluss auf die Applikationsperformance: Trotz der Bandbreiten-Limitationen wollen Konsumenten schnellen Internet-Zugriff überall und zu jeder Zeit. Und da Webseiten sich zunehmend von statischem Content verabschieden und dynamische, funktionsreiche Anwendungen bieten, brauchen sie eine durchdachtere Applikationsarchitektur inklusive Traffic Management – und NGINX stellt gerade das bereit. 

Wir sehen Apache nicht notwendigerweise als direkten Wettbewerber.

Obwohl Apache weiterhin Marktführer ist, lässt sich doch eine Verlangsamung des Wachstums feststellen. Warum ist das so?

Gus Robertson: Apache ist eine großartige Software und hat eine starke Verbreitung. Wir sehen Apache nicht notwendigerweise als direkten Wettbewerber. Tatsächlich deployen viele unserer User NGINX vor Apache für Offload-Arbeiten, um sich etwa gegen Internet Traffic-Spitzen abzusichern oder um die Performance zu verbessern – oft um den Faktor 10. Einiges an dem vermeintlichen Rückgang von Apache im Markt kann darauf zurückgeführt werden, dass User NGINX und Apache nutzen, und nicht, weil sie Apache einfach ersetzen.

NGINX wurde speziell mit dem Fokus auf hohe Performanz, Ressourcen-Effizienz und Vorhersehbarkeit in Bezug auf die Geschwindigkeit von Webseiten und Applikationen in der modernen Ära des mobilen, dynamischen Content gebaut. Es bringt Performance-Gewinne um den Faktor 10 und ist Ressourcen-effizienter als andere Werkzeuge auf dem Markt. 

Wie ist der Stand der Dinge bei der Version 1.8 von NGINX?

Gus Robertson: Wir haben Ende April die Version 1.7 fertig gestellt. Bzgl. der 1.8 sind wir also noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung. Bisher haben wir dennoch an einigen sehr spannenden Innovationen gearbeitet und haben hohe Erwartungen an das nächste Release – stay tuned!

Haben Ihr eine langfristige Roadmap für NGINX?

Gus Robertson: Absolut. Wir wollen den Marktanteil unserer quelloffenen und kommerziellen Produkte weiter ausbauen. Zu diesem Zweck arbeiten wir an einer modularen Architektur, die es Usern ermöglichen wird, Drittpartei-Komponenten und eigene Module zu deployen. Wir suchen auch nach Wegen, die Performance weiter zu verbessern und moderne Innovationen und Trends der Industrie aufzunehmen, beispielsweise größere Festplatten, bessere Netzwerk-Kapazitäten und High Performance SSDs.

Indem wir unsere Load-Balancing- und Application-Delivery-Möglichkeiten weiter ausbauen, haben wir das Potenzial, eine einheitliche Plattform zu schaffen, mit der HTTP Traffic innerhalb eines Rechenzentrums End-to-End gemanagt werden kann. Jedoch sind wir uns dessen bewusst, dass NGINX seine Reputation auf der Basis seiner Geschwindigkeit, Verlässlichkeit und Leichtgewichtigkeit gewonnen hat, und wir werden diese Werte in unseren zukünftigen Entwicklungen weiter pflegen.

Wer gehört zu den Nutzern von NGINX? Gab es in den letzten drei Monaten prominente Adopter der Technologie?

Gus Robertson: Ja, NGINX hat mehrere hochkarätige User wie Facebook, Netflix, Box, Dropbox, Hulu, WordPress, Groupon und Living Social.  Laut w3techs startete in den letzten 2 Monaten alle 15,5 Sekunden eine der Top-10-Millionen-Webseiten mit NGINX (siehe hier)

Dazu kommt, dass laut w3techs unter den neuen Seiten, die auf NGINX migriert sind, prominente Vertreter wie CNET, The Washington Post, HubSpot und eHarmony.comwaren, um nur einige zu nennen.

Weshalb habt Ihr Euch dazu entschieden, die syslog Integration allen NGINX-1.7-Nutzern zur Verfügung zu stellen?

Gus Robertson: Load Balancing, Gesundheitschecks von Anwendungscode, Monitoring und Session-Persistenz sind einige der Features, die eine komplette Application-Delivery-Plattform benötigt, und die wir über unsere kommerzielle NGINX Plus Distribution bereit stellen. Unsere Community gab uns allerdings zu verstehen, dass eine syslog Integration ein Standard Feature eines Webservers in einer modernen verteilten Applikationsarchitektur sein sollte. Wir diskutierten das intern und stimmten zu, mit dem Ergebnis, dass dieses Feature jetzt im Open-Source-Produkt verankert ist.

Im Blog Post „What’s the difference between NGINX (F/OSS) and NGINX Plus?“ wird diese Entscheidung nochmals im Detail erläutert. 

Was sind Eure nächsten Ziele? Glaubst du, die derzeitigen Verbreitungsraten lassen sich aufrecht erhalten?

Gus Robertson: In der Vergangenheit waren Anwendungen von der unterliegenden physischen Infrastruktur und der Netzwerk-Hardware abhängig, um Verlässlichkeit und Performanz zu garantieren.

In Zeiten von Cloud Computing, Mobile und verteilten Anwendungsarchitekturen ist das nicht immer effizient, und im Falle einer Public Cloud nicht einmal mehr möglich. Du kannst nicht deine Hardware mit in die Public Cloud nehmen. Anwendungen müssen nativ in ihrer Architektur schon verlässlich und performant sein, und zwar den ganzen Weg über von der Client-Verbindung bis zum Backend der Applikationsserver. Das gibt Anwendungsentwicklern auch Unabhängigkeit von der unterliegenden Infrastruktur und ermächtigt sie dazu, neue Services oder Ressourcen von einem Moment zum anderen verfügbar zu machen, was in vielen Business-Fällen schlicht gefordert ist.

NGINX ermöglicht diese Konvergenz von Anwendungen mit granularer Kontrolle über das Traffic Management nativ in der Anwendungsarchitektur. Dabei sind wir immer noch in einem frühen Stadium dieses Trends, der getrieben ist von der User-Erwartung eines interaktiven Internet-Erlebnisses. Seiten wie Facebook, Netflix, WordPress, Living Social, Airbnb, Yammer und Eventbrite führen diesen Trend an. Er wird sich aber auf natürliche Weise auch auf große und mittlere Unternehmen ausweiten, da die erwähnten User-Erwartungen weiter wachsen und Wettbewerber mit neuen Apps in diese Marktsegmente vorstoßen, was traditionelle Unternehmen zwingt, ihre existierenden Webseiten zu verbessern.

Vielen Dank für dieses Interview!

Das Interview wurde in englischer Sprache von Lucy Carey geführt und ins Deutsche übersetzt. Das englische Original finden Sie auf JAXenter.com: Why Nginx is outmaneuvering Apache.

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Lucy Carey
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