Kolumne: Mobile Welten

Nexus mit Jelly Bean

Kay Glahn

Im Rahmen der diesjährigen Google-I/O-Konferenz [2012] hat Google Android 4.1 der Öffentlichkeit präsentiert. Das unter dem Namen Jelly Bean firmierende Betriebssystem bietet zahlreiche Detailverbesserungen. Außerdem sind neue Apps wie zum Beispiel der persönliche Assistent Google Now hinzugekommen, der Apples Siri Konkurrenz machen soll. Ein zentraler Punkt der neuen Version ist die Verbesserung der User Experience. Das Projekt Butter soll laut Google die Benutzeroberfläche von Android schnell, flüssig und glatt machen. Das soll durch Techniken wie die vertikale Synchronisation (VSync) und Tripple Buffering möglich werden. Mithilfe von VSync wird bei Android 4.1 nun für alle Grafikoperationen und Animationen sichergestellt, dass nicht mehr Bilder pro Sekunde generiert werden als das Display anzeigen kann. Alle Grafikausgaben halten sich nun an einen 16-Millisekunden-Zeittakt. Mit Tripple Buffering werden zusätzliche Bilder im Voraus berechnet und in der Grafik-Pipeline abgelegt. Zu den Detailverbesserungen am UI gehören unter anderem die flexibleren Widgets, die nun ihre Größe dynamisch an den zur Verfügung stehenden Platz anpassen können, sowie erweiterte Notifications, die nun beispielsweise Grafiken und Actions enthalten können. Hierfür stehen jeweils neue APIs zur Verfügung. Aktuelle Android-Geräte wie das Samsung Galaxy Nexus, das Nexus S oder das Motorola Xoom werden ein Update auf das neue System erhalten.

Sowohl von Entwicklern als auch von Benutzern wird oft kritisiert, dass Updates für bestehende Android-Geräte von vielen Herstellern entweder gar nicht oder erst mit monatelanger Verzögerung bereitgestellt werden. Google hat sich dieses Problems angenommen und das Android Platform Development Kit vorgesellt, welches Geräteherstellern bereits zwei bis drei Monate vor dem Release-Termin einer neunen Android-Version zur Verfügung gestellt werden soll. Es beinhaltet bereits die wichtigsten für die Portierung auf die Hardware erforderlichen Bestandteile der neuen Version und soll somit für zeitnahe Updates bei den zahlreichen Geräteherstellern sorgen. Ob sich das aber bereits auf die Verfügbarkeit von Android-4.1-Updates auswirkt ist fraglich.

Nexus 7 mit Android 4.1

Das einzige Gerät, das bereits mit der neue Android-Version läuft, ist Googles neues Tablet Nexus 7. Das ebenfalls im Rahmen der Google I/O vorgestellte Device ist Googles erstes eigenes Tablet. Es wird nicht wie vielleicht erwartet von Googles Hausmarke Motorola hergestellt, sondern kommt von Asus. Das Tablet verfügt, wie der Name vermuten lässt, über ein 7-Zoll-Display und ist mit einem Tegra-3-Prozessor mit 4+1 Kernen von NVIDIA ausgestattet.

Abb. 1: Mit dem Nexus 7 ergänzt Google seine Nexus-Reihe um ein eigenes Tablet mit Android 4.1

Von der Größe her ist das Nexus 7 um einiges kleiner als das iPad und erinnert eher an das Kindle Fire von Amazon. Genau mit diesem will Google vermutlich auch konkurrieren. Denn während Amazon sein Tablet vor allem als Distributionsplattform für Inhalte aus seinem eigenen Store nutzt, soll beim Nexus 7 der Google Play Store eine zentrale Rolle spielen. So positioniert Google das neue Tablet auch eher als Entertainment-Gerät für den Zugriff auf Google Play und YouTube und nicht so sehr als Arbeitsmaschine. Das Gerät ist je nach Ausstattung ab 199 US-Dollar zu haben, soll aber zunächst nur in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien eingeführt werden.

Multimedia-Kugel und Datenbrille

Für Aufsehen sorgte Google auch mit dem Media-Streaming-Gerät Nexus Q. Bei diesem kugelrunden schwarzen Gerät handelt es sich um ein Miniatur-Mediencenter, das offensichtlich als Konkurrenz zu Apple TV und Apple Airplay positioniert werden soll. Auch hierbei steht wieder der Zugriff auf Videos und Musik über Google Play im Vordergrund. Das auf Android 4.0 basierende Gerät soll bereits ab Juni 2012 für 299 US-Dollar verfügbar sein. Es lässt sich via HDMI an den Fernseher und per optischem Digitalausgang an die heimische Stereoanlage anschließen, verfügt aber auch über einen eigenen Verstärker für den direkten Anschluss von Lautsprecherboxen.

Abb. 2: Mit Nexus Q bietet Google einen weiteren Zugangsweg zu seinen Inhalten an

Auch bei der Datenbrille, die schon seit einiger Zeit in den Medien kursiert, geht Google nun einen Schritt weiter. Neben einer Demonstration der Fähigkeiten der Brille bot Google allen Konferenzteilnehmern den Kauf der Google Glass Explorer Edition für einen Preis von 1.500 US-Dollar an. Ausgeliefert wird die Brille allerdings erst Anfang 2013. Entwickler haben dann die Möglichkeit, sich schon einmal mit der Android-basierten Augmented-Reality-Brille mit eingebautem Head-Mounted-Display (HMD) vertraut zu machen und entsprechende Anwendungen zu entwickeln. Wann es einen kommerziellen Marktstart geben wird, ist allerdings noch unklar.

Mehr Auswahl beim Browsen

Google hat außerdem die finale Version von Chrome für Android vorgestellt. Diese läuft auf Geräten mit Android ab Version 4.0 und ist nun erstmals auch für iPhone und iPad verfügbar. Neben Verbesserungen bei Stabilität und Performanz ist im Gegensatz zu den bisherigen Betaversionen nun auch eine einfachere Bedienung auf Tablets möglich. Im Gegensatz zum integrierten Android-Browser ist unter anderem die Synchronisationsmöglichkeit mit dem Desktop-Chrome-Browser ein wichtiger Unterschied. Gleichzeitig hat Adobe nun das endgültige Aus für Flash auf Android besiegelt. Bereits seit November 2011 war zwar klar, dass Flash in mobilen Browsern ausgedient hat und Adobe sich dafür stärker auf die Standalone Engine AIR sowie HTML5 konzentrieren will, doch mit Android 4.1 werden nun Tatsachen geschaffen und kein Flash Player mehr für diese Version angeboten. Auch für ältere Versionen von Android werden ab dem 15. August keine Neuinstallationen des Flash Players über Google Play mehr bereitgestellt. Lediglich für bereits installierte Flash Player wird es vorläufig noch Sicherheitsupdates geben. Wer Flash auf Android jetzt noch nutzen möchte, muss es also noch vor dem 15. August installieren. Entwickler können allerdings weiterhin alte Versionen des Flash Players aus dem Archiv von Adobe herunterladen, werden dann allerdings nicht mit automatischen Updates via Google Play versorgt.

Umso verwunderlicher ist es, dass Mozilla fast zeitgleich die Version 14 des Firefox-Browsers für Android vorgestellt hat, der nun erstmals Flash unter Android unterstützt. Auch Firefox nutzt das Flash Plug-in von Adobe, das man vor der ersten Nutzung auf Google Play herunterladen muss. Wie Mozilla zukünftig die Flash-Unterstützung auf Android sicherstellen will, wenn Adobe das Plug-in nicht mehr bereitstellt, bleibt offen. Ungeachtet dessen kann Firefox 14 für Android, der ab der Version 2.2 von Android läuft, noch mit weiteren nützlichen Neuerungen aufwarten. Ähnlich wie Chrome for Android bietet der Browser eine Synchronisation mit seinem Desktop-Pendant über die Cloud an. Hierbei werden neben dem Adressleistenverlauf auch gespeicherte Kennwörter, Lesezeichen, offene Tabs sowie Formulardaten abgeglichen. Eine weitere Neuerung ist die Unterstützung von „Do not Track“, um die Privatsphäre zu verbessern.

Fazit

Google startet mit einer Reihe neuer Geräte mit dem Schwerpunkt auf Inhalten den Angriff auf Konkurrenten wie Amazon und Apple. Während das Nexus 7 Amazons Kindle Fire Paroli bieten soll, bringt Nexus Q Android direkt ins Wohnzimmer, ohne dass man gleich den kompletten Fernseher gegen ein Google TV austauschen muss. Obwohl bis zur Verfügbarkeit von Google Glass noch eine Zeit lang vergehen wird und die Akzeptanz beim Benutzer vermutlich auch ihre Zeit braucht, kann Google damit womöglich einen ganz neuen Trend lostreten. An der Browserfront zeigt sich klar, dass die Konkurrenz hier das Geschäft belebt. Trotz des neuerlichen Flash-Supports von Firefox scheint das Ende von Flash auf Android nun endgültig besiegelt zu sein. Adobe macht somit den Weg frei für HTML5.

Geschrieben von
Kay Glahn
Kay Glahn
Kay Glahn ist unabhängiger Technologieberater mit den Schwerpunkten mobile Applications und Services. Er berät internationale Kunden bei der Umsetzung von Projekten im Mobile-Bereich.
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