Die Java Magazin Kolumne

Neues von OpenJDK: Einstecken und Loslegen

So langsam nimmt JDK 7 Konturen an. Eines der fehlenden Puzzlestücke, das überarbeitete Java-Plug-in, wird bald sein Open-Source-Debüt feiern.

Eines der kontinuierlichen Reizthemen in der Java Community war in der Vergangenheit das Java-Plug-in für Webbrowser. Das Plug-in ermöglicht es Benutzern von Browsern wie Mozilla Firefox auf Webseiten eingebettete Java-Programme (Applets) sicher im Browser auszuführen. Applets waren Mitte der

90er Jahre, als Java das erste Mal in der Öffentlichkeit auftauchte, etwas ganz Neues und trugen mit dazu bei, die Begeisterung für diese neue Programmiersprache zu entfachen. Den Java Applets folgten andere Technologien in den Mainstream, und damit auch in die Browser – für die Programmiersprache Java war es aber der Einsatz auf den Servern, der den durchschlagenden Erfolg brachte.

Mit dem Auftauchen von erfolgreichen RIA-Technologien wurde deutlich, dass ein neues, moderneres Plug-in erforderlich ist. Ken Russell machte sich auf, dieses neu zu schreiben, und zwar mit einem neuen Design, das es ermöglicht, Applets als eigene Programme außerhalb des Browsers laufen zu lassen. Damit ergaben sich neue Möglichkeiten der Interaktion mit Applets – man könnte sie z.B. aus dem Browser herausziehen und auf dem Desktop ablegen. Oder aber man lässt sie weiterlaufen, wenn der Browser geschlossen wird. Und schließlich kann man auch aus dem Ruder gelaufene Applets abschießen, ohne den Browser schließen zu müssen. Das neue Plug-in fand mit den neuen Features den Weg in das Java SE 6 Update 10.

Für Sun stellte sich damit die Frage, wann und wie das Plug-in Open Source wird und damit ein Teil von OpenJDK. Da es auf der und für die Java-SE-6-Codebasis entwickelt wurde, und nicht auf dem Quelltext von OpenJDK 7 aufsetzte, wäre eine parallele Entwicklung sehr kompliziert geworden. Die klaffende Lücke wurde von der OpenJDK Community schnell und pragmatisch mit einer eigenen Lösung gefüllt – das Open-Source-Plug-in in IcedTea entstand aus dem gcjweb-Plug-in des GNU-Classpath-Projekts und wurde um eine Web-Start-Implementierung ergänzt, die auf dem freien NetX-Projekt basiert.

Durch das „Community-Plug-in“ in IcedTea wurde es auch erstmals möglich, Applets auf 64-bit GNU/Linux laufen zu lassen. Das ist auch das Anliegen eines der beliebtesten Java SE Bugs auf derBug Parade. Es heißt ja bekanntlich, dass Konkurrenz das Geschäft belebt – das Plug-in von Ken Russel unterstützt nun ebenfalls 64-bit-GNU-/Linux-Systeme, und damit sollte dieser Bug ab dem Java SE 6 Update 12 zur Geschichte gehören. Damit aus dem freundschaftlichen Nebeneinander ein Miteinander der Implementierungen werden kann, gab Joe Darcy Januar bekannt, dass sich Sun entschlossen hat, die eigene Java-Web-Start-Implementierung und das neue Plug-in für Browser mit Unterstützung für die Netscape-Plug-in-API (z.B. Firefox 3) als Teil von OpenJDK zuveröffentlichen.

Mehr Miteinander wagen

Die FOSDEM ist das größte Treffen der europäischen Open-Source-Entwickler. Der Java Libre Developer Room auf der Konferenz ging 2009 ins fünfte Jahr, und hat sich als wichtigstes Treffen der Open Source VM Community etabliert. In diesem Jahr waren neben den großen Namen wie OpenJDK und IcedTea auch wieder viele kleinere Projekte vertreten, die innovative Nischen schaffen und besetzen.

Eines von ihnen ist Jalimo. Jalimo integriert die Open Source VMs, OpenJDK, Cacao und PhoneME in das OpenEmbedded-Framework. Mit OpenEmbedded können Linux-Distributionen für Embedded-Systeme erzeugt werden. Neben der Unterstützung für eine hybride Cacao+OpenJDK VM, bei der die Cacao VM die JIT und den Garbage Collector für die ARM CPU beisteuert, und OpenJDK die Klassenbibliothek, ist bei Jalimo nun auch eine Cross-compilierte Version von OpenJDK mit dem Zero Backend für HotSpot enthalten. Damit läuft OpenJDK nun auch auf Embedded-Linux-Geräten wie dem „Bug“-System von BugLabs. Die OpenJDK Community hat viele der Ziele, die man sich auf der vorherigen FOSDEM-Konferenz im Jahr 2008 vorgenommen hat, erreicht – das Release von Red Hat Enterprise Linux 5.3 mit Support für OpenJDK 6 in produktivem Einsatz rundet ein Jahr ab, in dem OpenJDK 6 sich wie ein Lauffeuer von Distribution zu Distribution verbreitet hat. Seit 2008 ist Java nun endgültig unter Linux angekommen. Bei der diesjährigen FOSDEM wird es vor allem darum gehen, die gemeinsame Entwicklungsarbeit an OpenJDK 6 und OpenJDK 7 so zu organisieren, damit OpenJDK weiter als Community wachsen und gedeihen kann. Dabei sollten auch die kleinen Unterschiede zwischen IcedTea und OpenJDK 6 zunehmend minimiert werden, indem der Patch-Fluss verbessert wird. Was sich die OpenJDK Community für 2009 auf der FOSDEM vorgenommen hat, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe.

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