Neuer Scala Fork: Droht die Fragmentierung der Community?

Claudia Fröhling
©shutterstock.com/kuvona

Scala Compiler Forks sind derzeit en vogue. Letzte Woche hatten wir von Typelevel berichtet, deren Ziel es ist, eine unabhängige, non-profit Open Source Foundation zu gründen und unter deren Dach den Scala Compiler weiter zu entwickeln.

Während dieser Fork in allgemeiner Harmonie aller Beteiligten und mit dem Segen von Martin Odersky das Licht der Welt erblickt, brauen sich an anderer Stelle dunkle Wolken über dem Scala-Land zusammen. Und wieder geht es um den Scala Compiler.

Scala Compiler Forking Flashmob

Hinter dem neuen Scala Compiler Fork „Policy“ steckt kein Geringerer als Paul Phillips, Mitbegründer von Typesafe. Er verließ das Unternehmen letztes Jahr im Juni mit den Worten:

I’m starting to find myself annoying, and knowing what high tolerance I have for myself, I must be in the red zone.“

Phillips war bislang der größte Scala Contributor, mit über 3.500 Commits im Scala Repository. Fünf Jahre hatte er an Scala gearbeitet, dann aber gekündigt, weil er „den Glauben verloren“ habe. Niemand habe mehr Scala-Code geschrieben als er, so Phillips in einem Talk (siehe Slides).

scala commits github

Am Fork arbeite Phillips schon seit einer Weile, jedoch sei „Policy“ noch in der Entwicklung und eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bereit. Da aber Typelevel ihn mit ihrem eigenen Fork kalt erwischt habe, hätte er sich entschlossen, jetzt schon zu veröffentlichen.

However since typelevel has also forked the scala compiler, publishing now and giving them an opportunity to exploit my work seems the lesser evil.

Verbrannte Erde

Wer sich genauer mit Paul Phillips beschäftigt, bemerkt jede Menge Sarkasmus in seinen Aussagen. Damit scheint er bereits in der Vergangenheit in der Scala Community angeeckt zu sein. Auch auf Twitter nimmt er kein Blatt vor den Mund:

 

Auf der GitHub-Seite des Compiler-Forks geht Phillips noch weiter: Er habe kein Interesse daran, einen Fork zu produzieren, der eines Tages wieder in den Scala Core zurückfließt. Damit unterscheidet sich sein Ansatz ganz deutlich von dem des Typelevel-Teams, das letzte Woche betont hatte, man wolle mit einem konservativen Ansatz Scala voranbringen und stets Kompatibilität mit dem Kern garantieren können.

Phillips Fork ist das genaue Gegenteil, er wirft Typesafe sogar vor, ein unfähiger („unfit“) Steward der Scala-Community zu sein. Den Preis dafür bezahlten die Scala-Entwickler, so Phillips. Fünf Jahre lang habe er versucht, diesen Umstand intern zu lösen, jetzt müsse er es eben von außen tun (siehe letzter Absatz auf der GitHub-Seite des Forks).

Der Fall Scala

Egal wie überspitzt Phillips die Situation möglicherweise darstellt, dürfte dieser neue Fork doch die Diskussion in der Scala Community wieder entfachen. Auf Twitter diskutiert man bereits fleißig. Flankierte Typesafe letzte Woche noch Typelevels Fork mit einem extra Blogpost, fehlt jetzt eine offizielle Reaktion zu Phillips neuem Compiler – was wenig verwunderlich ist (Stand: 08.09., 12 Uhr). Martin Odersky retweetet aber die Information, dass es bereits 777 Scala-Forks auf GitHub gäbe (mittlerweile sind es sogar schon 787). Ganz nach dem Motto: Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Naheliegend ist jedenfalls, dass eine mögliche drohende Fragmentierung der Scala Community mit Sorge beobachtet wird.

Mehr zum Thema Scala Community finden Sie auch hier auf JAXenter:

Der Fall Scala: Weshalb sollte man Scala verteidigen?“
Bis einer weint: Ist Scala der Prügelknabe der Nation?“
Kommentar: Scala Bashing – Was ist anders
Scala is a unifier: Martin Odersky auf der JAX

Was halten Sie von den beiden Forks des Scala Compilers? Diskutieren Sie hier in den Kommentaren mit!

Aufmacherbild: Cracked heart shaped cookie decorated with red icing as a concept of broken heart, breakup and end of relationship von Shutterstock / Urheberrecht: kuvona

Geschrieben von
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling hat in verschiedenen Redaktionen als TV- und Onlineredakteurin gearbeitet, bevor sie 2008 zur Software & Support Media GmbH kam und sich bis 2014 um alle Projekte des Verlages im Ressort Java kümmerte. Claudia hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und Multimedia Producing. Ihr Google+ Profil findest du hier.
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1 Kommentar auf "Neuer Scala Fork: Droht die Fragmentierung der Community?"

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Wieder einmal ein Zeichen dafür, dass sich altenrative Sprachen auf der Java-VM nicht wirklich lohnen, einzusetzen (zumindest nicht im professionellen Umfeld, wo es auf Konstanz und Kontinuität ankommt).

Als Forschungsprojekt, für neue Ideen usw. ist Scala auf jeden Fall interessant, aber wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich in einem Projekt zukünftig noch mit gering unterschiedlichen Compilern usw. zu tun habe, ist das wenig produktiv.