Neuer Herausforderer für Eclipse: Java-IDE EasyEclipse auf Kickstarter

Redaktion JAXenter

Nutzerfreundlicher, schöner, schneller – Kaum etwas kurbelt Innovation auf dem IDE-Markt derzeit so stark an wie die scharfe Konkurrenz. Die dürfte die Eclipse-Community mittlerweile gewohnt sein: Seit einiger Zeit schon sägen die Entwicklungsumgebungen NetBeans und IntelliJ in Sachen User Experience, Plug-in-Integration und Performance kräftig am Thron der Eclipse-IDE (wir berichteten). Über die Besonderheiten der jeweiligen IDE gibt unter anderem unsere Q&A-Serie Eclipse vs. NetBeans vs. IntelliJ: Java-IDEs auf dem Prüfstand Aufschluss.

Konkurrenz formiert sich nun auch in den eigenen Reihen – und zwar nicht nur durch Cloud-Umgebungen wie Orion: Vor einigen Tagen lancierte Pascal Rapicault, seines Zeichens Leiter bzw. Committer mehrerer Eclipse-Projekte wie Equinox p2 oder PDE, eine Kickstarter-Kampagne für das Projekt EasyEclipse. Ziel dieses Vorhabens ist es, eine neue Eclipse-basierte Java-IDE bereitzustellen, die neben Java (inklusive der in Kürze verfügbaren neuen Version 8) die Buildsysteme Maven und Ant, die Versionsverwaltungstools Git, Subversion und CVS sowie XML, HTML und CSS integriert.

Darüber hinaus soll die neue IDE mit einem Installation Wizard, einer Launcher Bar, Global Search, einer reduzierten Toolbar, aufgeräumten Menüs, Code-Templates und –Präferenzen, einem Tipps-und-Tricks-Dialogfenster und einem Feedback-Plug-in ausgestattet sein.

Productivity first

Die Vorteile gegenüber der traditionellen Eclipse-IDE: Nach dem Motto „Productivity first“ sollen Plug-ins und neue Technologien nicht mehr durch den Nutzer integriert werden müssen. Dem Anwender wird auf der Projektseite versprochen, dass die Integration für ihn erledigt würde, er sich also um nichts mehr selbst zu kümmern brauche. „EasyEclipse will simplify the workflow by changing the way we think about delivering Eclipse“, so Rapicault im Vorstellungsvideo (s.u.). Unverkennbar zielen der Entwickler und seine beiden Mitstreiter – darunter ein UI-Designer – auf eine einheitliche Produktvision ab, jene Eigenschaft also, die Eclipse-Anwender bislang schmerzlich vermissen, in anderen Entwicklungsumgebungen hingegen umgesetzt sehen. Das machte u. a. eine Diskussion auf der letztjährigen EclipseCon Europe deutlich.

EasyEclipse schickt sich also an, den Rückstand der traditionellen Eclipse-IDE zum State of the Art aufzuholen. Dabei soll das Projekt von Eclipses größtem Asset, dem über die Jahre gewachsenen, reichhaltigen Ökosystem aus verschiedensten Firmen, Technologien und Experten, profitieren. Im Unterschied zur in Teilen hierarchischen Projektverwaltungsstruktur bei Eclipse sollen Probleme allerdings „at their root“, nicht „at the top“ angegangen werden, so Rapicault. Das lässt einen inklusiveren, demokratischeren Entwicklungsprozess vermuten, der in der Projektvorstellung allerdings nicht weiter erörtert wird. Da man andererseits damit wirbt, dass Plug-ins und Bugfixes von einer zentralen Instanz integriert und verwaltet werden, stellt sich die Frage, wie beide Ansätze miteinander vereinbar sind. Spezifiziert wird, dass 20-30 % der Erträge aus verkauften Lizenzen in die Weiterentwicklung von Open-Source-Komponenten fließen werden. Um die Verwendung der Gelder transparent zu machen, möchte man eine Liste der Verbesserungen veröffentlichen, die auf diese Weise finanziert wurden.

120 000 kanadische Dollar werden für EasyEclipse benötigt. Bislang wurden 662 Dollar geboten. Noch 42 Tage kann man die Kampagne unterstützen.

Provokation, Innovationstreiber, Warnsignal

Auf der Zielgeraden der Java-8-Integration in Eclipse wird manch ein Mitglied der Eclipse-Community diese interne Konkurrenz in Sachen Java-Tooling als Provokation empfinden: Seit Monaten arbeitet das Entwickler-Team, das für die Java Development Tools (JDT) verantwortlich zeichnet, mit Hochdruck an der Unterstützung der neuen Java-Version – bislang erfolgreich und nach Zeitplan. Alles Wissenswerte dazu werden Sie in der nächsten Ausgabe des Eclipse Magazins lesen können. 

Andere werden lediglich mit den Achseln zucken – entweder, weil sie EasyEclipse nicht allzu ernst nehmen, oder weil die Idee, Eclipse-Projekte über Crowdfunding zu finanzieren, schon seit geraumer Zeit durch die Eclipse-Community geistert. LiClipse machte im vergangenen Jahr als erstes schwarmfinanziertes Eclipse-Tool von sich reden. Und auch auf der EclipseCon Europe wurde über eine Crowdfunding-Kampagne zur Generalüberholung der IDE nachgedacht, die Idee jedoch zunächst verworfen. Dieses Vorhaben nun bei Kickstarter umzusetzen, einer populären Finanzierungsplattform, die vor wenigen Tagen die Eine-Milliarden-Dollar-Marke an Geldzusagen knackte, ist nur naheliegend. Dass nicht nur Crowdfunding, sondern auch Crowdtesting und Crowdsourcing in der Codevervollständigung bei Eclipse immer beliebter werden, zeigt der aktuelle Themenschwerpunkt des Eclipse Magazins.

Das Schicksal des EasyEclipse-Projekts wird die gute alte Eclipse-IDE zwar nicht unmittelbar beeinflussen, könnte aber den Innovationsdruck im JDT-Projekt deutlich erhöhen. In jedem Fall wird der Erfolg von EasyEclipse ein Indikator für den Misserfolg von Eclipse sein. Denn bislang definiert EasyEclipse sich ausschließlich über die Abgrenzung zur herkömmlichen Eclipse-IDE, die Zielgruppe dürfte also hauptsächlich aus frustrierten Eclipse-Anwendern bestehen. Reicht deren Nachfrage bereits aus, um darauf ein Geschäftsmodell aufzubauen, sollte dies als Warnsignal verstanden werden.

 

 

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2 Kommentare auf "Neuer Herausforderer für Eclipse: Java-IDE EasyEclipse auf Kickstarter"

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Jeremie Bresson
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Wo ist Provokation? Die commiters in den verschiedenen Eclipse Projekte machen einen super Job (inklusiv Platform Team und JDT). Doch ist viele bewusst, dass Projekte wie JDT Ressourcen brauchen. Lange war IBM der Hauptsponsor in diesem Bereich. Zeiten ändern. IBM fährt eine andere Strategie, niemand hat Probleme damit. Nachfolger von IBM ist erwartet. Am einfachsten wäre, wenn ein Gross Firma sich meldet und entscheidet N Commiters in den Verschiedene Projekte reinzustellen. JBoss ist einen super Beispiel [1] für das Projekt JSDT. Es brauch weitere solche Initiative für die Platform, für JDT, für PDE, usw. Am besten sollten diese Aufwände zwischen… Read more »
Redaktion JAXenter
Gast

Danke für die Einschätzung! Der Gründer von EasyEclipse beantwortet uns voraussichtlich nächste Woche einige Fragen zu seinem Projekt hier auf JAXenter. Stay tuned!