Neue OpenJDK-Richtlinien veröffentlicht

Hartmut Schlosser

Der Entwurf für die neuen Governance-Richtlinien zur Führung des OpenJDK-Projektes steht zur Einsicht bereit. Nachdem entsprechende Bemühungen des OpenJDK Intermin Governance Board (2007 von Sun gegründet) ins Stocken geraten waren, hatte Mark Reinhold in Zusammenarbeit mit John Duimovich (IBM), Jason Gartner (IBM), Mike Milinkovich (Eclipse Foundation), Doug Lea (State University of New York Oswego) und Adam Messinger (Oracle) einen Neuanlauf unternommen, dessen Ergebnis „OpenJDK Community Bylaws – DRAFT 7“ nun der Community vorgelegt wurde.

Als zentrales Element sieht das Dokument die Installation eines neuen Governance Board vor, das aus mindestens fünf Personen bestehen soll: einem von Oracle ernannten Chair, einem von IBM besetzen Vice Chair, dem von Oracle bestimmten OpenJDK-Leiter sowie aus zwei von der OpenJDK-Community gewählten sogenannten „At-Large Member“.

Das neue Board soll in der Erstbesetzung folgende Gestalt annehmen:

  • Adam Messinger (Chair, Oracle)
  • Jason Gartner (Vice Chair, IBM)
  • Prof. Doug Lea (At-Large, SUNY Oswego)
  • Mike Milinkovich (At-Large, Eclipse)
  • Mark Reinhold(OpenJDK Lead, Oracle)

Wie Reinhold berichtet, sei es das Ziel gewesen, effiziente, leichtgewichtige Regelungen zu fixieren, die mit der aktuellen Praxis in Einklang ständen. Transparenz und Meritokratie (Einfluss gemäß der Höhe der geleisteten Beiträge) hätten dabei im Vordergrund gestanden. Bei dem Dokument handele es sich um einen ersten Wurf, den man der Community mit der ausdrücklichen Bitte um Feedback vorlege.

Erste Reaktionen sind nicht ausgeblieben. So bewertet etwa Simon Phipps den Vorschlag in seiner eigenen Skala der Offenheit mit -3 (im Raum der möglichen -10 und 10).
Phipps kritisiert insbesondere den starken Einbezug von Oracle und IBM, die Abwesenheit von Regelungen zu Trademark- und Lizenz-Fragen sowie Oracles alleinige Verantwortlichkeit über die Bestimmung einer Release-Roadmap. Positiv bewertet Phipps, dass es Oracle gelungen sei, starke Partner wie Red Hat, Google und Apple ins Boot zu holen.

Zweifellos ist Oracle bemüht, neue Bewegung ins OpenJDK-Projekt zu bringen. Mit Spannung darf beobachtet werden, welche Auswirkungen das Community-Feedback tatsächlich auf die endgültige Fassung der Bylaws haben wird. Viel Zeit dafür scheint indes nicht zu bleiben. InfoQ zitiert Mark Reinhold mit der Aussage, dass die beiden leeren At-Large-Sitze bereits in den nächsten vier Wochen besetzt werden sollen.

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Hartmut Schlosser
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