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Neue Eclipse IDE für sicherheitskritische Systeme: PolarSys Packaging Project vorgeschlagen

Hartmut Schlosser

Die PolarSys Industry Working Group hat unter dem Kürzel „3P“ ein neues Eclipse-Projekt vorgeschlagen. 3P steht für „PolarSys Packaging Project“ – und der Name ist auch Programm. Es geht darum, Packages, Plattformen und Installer für Technologie-Stacks bereit zu stellen, die vom Polarsys Architecture Committee für wichtig bei der Entwicklung von Embedded-Systemen befunden wurden.

Die PolarSys-spezifischen Packages beziehen sich auf Komponenten von Eclipse und den PolarSys-Technologie-Projekten. Das initiale Bundle soll aus einer modellgetriebenen Konfigurierung von Eclipse bestehen, die die meisten Phasen des Entwicklungsprozesses, angefangen bei der Spezifizierung über das Design bis hin zur Implementierung, abdeckt. Über spezielle Installer soll die Einrichtung der Komponenten erleichtert werden. Auch im Fokus des Projektes liegt es, Plattformen bereit zu stellen, die das Bauen neuer Packages einfach halten. Neben Eclipse-Packages sind auch Komponenten auf Basis anderer Technologien wie C/C++ oder CAML nicht ausgeschlossen. Kompatibel soll das ganze mit dem „Very Long Term Support“ sein, der Initiative der Eclipse Foundation, um Technologie-Support über längere Zeiträume zu gewähren.

In der PolarSys-Gruppe hatten sich Ende 2011 verschiedene Unternehmen wie Airbus, Ericsson, Thales, Intecs SpA, Obeo und Soyatec zusammengeschlossen, um gemeinsam Tools für die Entwicklung sicherheitskritischer eingebetteter Systeme bereit zu stellen. Angestrebt werden kollektive Lösungen für die Bereiche Luftfahrt, Verteidigung, Transport, Telekommunikation und Healthcare. Hintergrund ist, dass die besonderen Bedürfnisse vertikaler Märkte eine Weiterentwicklung des traditionellen Open-Source-Governance-Modells verlangen, um beispielsweise den langfristigen Support von Software-Systemen bis auf einen Zeitraum von über zehn Jahren zu gewährleisten. Interessierte Parteien können über Mitgliedszahlungen Einfluss auf die Richtung der Entwicklungen nehmen können, ohne zwangsläufig Entwickler für die Projekte abzustellen.

Hervorgegangen ist Polarsys aus dem OPEES-Konsortium, das im Bereich Luft- und Raumfahrt über 30 Unternehmen zusammenfasst und die kollektive Entwicklung von Software-Komponenten wie die modell-basierte Tool-Chain Topcased verantwortet.

Als erste Committer für das 3P-Projekt treten Pierre Gaufillet (Airbus), Matthieu Helleboid und Benoit Langlois (beide Thales) auf. Mit Pierre Gaufillet hatten wir uns vor einigen Monaten über PolarSys unterhalten. Die Motivation für Airbus, der PolarSys-Gruppe beizutreten, beschreibt er wie folgt:

Seit 2004 verwendet Airbus Open-Source-Tools für seine Luftfahrtapplikationen. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass obwohl Open Source viele Verfügbarkeitsprobleme über einen sehr langen Zeitraum löst, es noch andere anstehende Herausforderungen gab: die Erhaltung von Qualifikationen und Komponenten, die Koordination der Entwicklungsbemühungen industrieller Nutzer, die Teilung der Kollaborationskosten (VCS, Mailinglisten, Build-Systeme etc.), die Gewährleistung der Produktreife von Tools usw. Aus diesem Grund hat sich Airbus dafür entschieden, mit industriellen und akademischen Partnern 2009 ein ITEA-Projekt namens OPEES zu starten. Das Hauptanliegen von OPEES ist es, eine tragfähige Organisation und ein Ökosystem entstehen zu lassen, wodurch langfristig für Open-Source-Tools und -Komponenten im Allgemeinen gesorgt wäre, und zwar so, dass die Richtlinien der Industrien für kritische und eingebettete Systeme eingehalten werden. Diese tragfähige Organisation ist Polarsys. Kurzum, Airbus und die anderen OPEES-Partner haben Polarsys ins Leben gerufen und sich der IWG angeschlossen, um die Entwicklung und Pflege von Open-Source-Toolsets nachhaltig abzusichern.

PolarSys-Mitbegründer Benoît Langlois im Gespräch mit dem Eclipse Magazin:

Eclipse wird immer mehr zur Referenzplattform für Softwareentwicklung. Das Anliegen der Polarsys IWG (Industry Working Group) ist es, gemeinsam mit wichtigen Akteuren aus der Industrie, Toolanbietern und Akademikern eine gemeinsame, integrierte und nachhaltige technologische Plattform für kritische Softwaresysteme zu gestalten, die den Ansprüchen der Industrie gerecht wird. Unternehmen wie Thales können diese Plattform mit ihren eigenen Komponenten bereichern und ihre spezifischen Entwicklungsprozesse damit unterstützen, zum Beispiel in puncto Systementwicklung. Unter dem Dach von Eclipse genießt Polarsys internationale Aufmerksamkeit und hat die nötige kritische Masse, das heißt ein großes Publikum.

Das PolarSys Packaging Project soll Ende 2012 mit einer ersten Plattform an den Start gehen, die auf der Version 0.1 der „Eclipse CBI for PolarSys IDE“ basiert. Die erste Major-Version 1.0 der PolarSys IDE ist für Oktober 2013 geplant, basierend auf Eclipse Kepler und verfügbar auf den Plattformen Windows (64 bits), Linux (64 bits), MAC und Solaris.

Der 3P-Projektvorschlag kann auf der Eclipse-Proposal-Seite eingesehen werden.

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Hartmut Schlosser
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