Per aspera ad astra – und zurück!

Neu im Eclipse-Universum: Apogy – das Framework für Reisen ins All und mehr

Dominik Mohilo

© Canadian Space Agency

Für die elfte Apollo-Mission reichte noch ein Computersystem, dessen Rechenleistung heute jedes handelsübliche Smartphone übertrifft. Doch wesentlich wichtiger für die Raumfahrt ist heutzutage eine stabile und gut funktionierende Software. Das nun bei Eclipse vorgestellte Framework Apogy eignet sich aber für weit mehr als nur für Flüge ins All.

Über die Jahre ist die Raumfahrt immer komplexer geworden. Um die ersten Menschen auf den Mond zu bringen, genügten noch schlichte Computer, die aus Tastatur und Display bestanden. Viel gab es damals auf dem Bildschirm nicht zu sehen – undenkbar für die aktuelle Raumfahrt.

Not macht erfinderisch

Im Zuge des kanadischen Raumfahrtprogramms fanden die Entwickler der Canadian Space Agency heraus, dass sie eine Menge Programme und Tools benötigten, um die vorhandene Technik (bspw. Forschungsfahrzeuge und –roboter) zu steuern, zu überwachen, und deren Messungen zu analysieren und visualisieren.

Doch das eigentliche Problem war, dass diese vielzähligen Programme mit unterschiedlichster Hardware funktionieren und dementsprechend neu geschrieben werden mussten – kurz: was fehlte war ein Framework, das bei der Entwicklung wiederverwendbare Funktionen bot, ohne dabei die Individualisierungsmöglichkeiten für die Programmierung zu beeinträchtigen.

Das nun Open Source zur Verfügung gestellte Framework Apogy wurde von der Canadian Space Agency für eben jene Zwecke entwickelt. Apogy, das nicht mit dem eingestellten Project Eclipse Apogee verwechselt werden darf, bietet ein Framework und ein breites Spektrum an Komponenten, um Tools für die Planung, Validierung, Ausführung und Überprüfung physischer Systeme zu erstellen.
Damit ist das Framework nicht nur für Anwendungsbereiche im Raumfahrtkontext verwendbar, sondern auch für irdische Projekte.

Großer Funktionsumfang

Apogy besteht aus einer Reihe von Frameworks, EMF-Modellen und Komponenten für grafische Benutzeroberflächen (GUIs), die die Entwicklung von Software erleichtern. Das Framework basiert dabei auf der Eclipse-Plattform, EMF und vielen anderen Eclipse-Technologien.

In seiner aktuellen Version bietet Apogy ein breites Spektrum an Funktionen, die alle in einem Modell-System hinterlegt sind. Dieses definiert die Steuerung, Telemetrie, verwendete Einheiten, Limitierungen, Dokumentation, 3D-Topologie und die 3D-Repräsentation. Basierend auf diesem Modell können neue Systemkonfigurationen zusammengestellt und an die Bedürfnisse des aktuellen Projektes angepasst werden.

So einfach, wie die Erstellung eines EMF-Modells: Das Zusammenstellen eines Rovers im 3D-System Editor / Quelle: https://projects.eclipse.org/proposals/apogy

Abbildung 1: So einfach wie die Erstellung eines EMF-Modells: Das Zusammenstellen eines Rovers im 3D-System Editor / Quelle: https://projects.eclipse.org/proposals/apogy

Die umfangreichen Tools für Visualisierung, Steuerung und Planung sind allerdings nicht die einzigen Vorteile, die Apogy mit sich bringt. Nutzer haben in Apogy die Möglichkeit, eine komplette Kontrollstation innerhalb des Frameworks zusammenstellen – bereits bevor die zu verwendende Technik physisch vorhanden ist. Erstellt man beispielsweise die Kontrollstation für einen Rover, der später einmal auf dem Mars Proben sammeln soll, ist es nicht nötig, diesen direkt anzubinden. Es reicht, den Rover im 3D-Editor von Apogy zu erstellen (Abb. 1), mit den nötigen Funktionen auszustatten und dann in einer digitalen Umgebung zu testen (Abb. 2). Das Ganze soll, so die Entwickler, so einfach sein,  wie ein EMF-Modell zu erstellen.

Abbildung 2: Der im 3D-System-Editor erstellte Rover kann, dank des 3D-Environment-Viewers, auf Herz und Nieren getestet werden. / Quelle: https://projects.eclipse.org/proposals/apogy

Abbildung 2: Der im 3D-System-Editor erstellte Rover kann, dank des 3D-Environment-Viewers, auf Herz und Nieren getestet werden. / Quelle: https://projects.eclipse.org/proposals/apogy

Ausblick

Zukünftig möchte das Team des Projektes vor allem von der aktiven Eclipse Community profitieren und etwa zwei Mal im Jahr ein Release veröffentlichen (April / Oktober). Die Community soll vor allem dazu beitragen, existierende Funktionalitäten oder Komponenten von Apogy durch eventuell besser geeignete aus anderen Eclipse-Projekten zu ersetzen und andersherum.

Für das kommende Jahr haben sich die Entwickler zum Ziel gesetzt, die User Experience zu verbessern. Dies soll über die Erschaffung von User-Interface-Komponenten geschehen, die die Nutzung von Apogy auf Operator-Seite vereinfachen.

Die Pläne der Entwickler sehen auch ein Open-Source-Portal vor, auf dem Apogy-System-Modelle für weit verbreitete Hardware wie etwa Webcams erhältlich sein sollen und ein Online-Tutorial, das es Nutzern und Entwicklern leichter machen soll, mit der Arbeit mit Apogy zu starten. Ein offensichtliches Einsatzgebiet für das Framework könnte die aktuelle Drohnentechnologie sein.

Im Proposal von Apogy auf der Seite der Eclipse Foundation sind, neben einer sehr umfangreichen Funktionsübersicht, sämtliche Informationen rund um das Projekt erhältlich.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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