Ein Überblick

NetBeans 3.2 vs. Forte4J Internet-Edition 2.0

Frank Bensberg und Lofi Dewanto

Aus dem Hause Sun werden mit NetBeans und Forte for Java gleich zwei Java-Entwicklungsumgebungen geliefert. Wesentlicher Unterschied zwischen den beiden ist die Tatsache, dass NetBeans Open Source und kostenfrei ist, während Forte4J eher als kommerzielle Distribution des NetBeans-Codes anzusehen ist. Wir untersuchen die beiden verwandten Werkzeuge im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

netbeansbinrunidew.exe

Durch das Starten dieser Skriptdateien legt NetBeans ein Benutzerverzeichnis namens nbuser32 an, das je nach Betriebssystem unterschiedlich abgelegt wird. Empfehlenswert ist auf jeden Fall die Verwendung des JDK 1.3. Dies beschleunigt nicht nur die Ausführungsgeschwindigkeit der Entwicklungsumgebung, sondern ermöglicht auch die Nutzung des JNDI-Moduls direkt in der Entwicklungsumgebung (JNDI ist ein fester Bestandteil des JDK 1.3). NetBeans läuft – mit der gleichen Java Virtual Maschine – unter Windows leider viel schneller als unter Linux. Ein Beweis dafür, dass die Windows-Implementierung der JVM viel effektiver ist. Die readme-Datei von NetBeans weist darauf hin, dass die JVM in Linux mehr Arbeitsspeicher beansprucht als jene unter Windows.
Für viele alteingesessene Benutzer von NetBeans ist in der Version 3.2 ein lang erwartetes Feature der Entwicklungsumgebung enthalten. In dieser Version ist es möglich, die gesamten Fenster innerhalb eines einzigen Hauptfensters darzustellen. Die Anwender von NetBeans haben die Auswahl zwischen MDI (Multiple Document Interface) und dem alten Prinzip SDI (Single Document Interface). In Anbetracht der zahlreichen Fenster wird der Java-Entwickler das MDI-Konzept sehr schätzen, da es einen weitaus besseren Überblick ermöglicht.

Module von NetBeans

Die Architektur von NetBeans gehört zu einer der besten und durchdachtesten in diesem Bereich. Die hochgradige Modularisierung des gesamten Programms ermöglicht eine problemlose Erweiterung und bewirkt gleichzeitig eine Verkürzung der Ladezeit – das sogenannte Install what you need-Prinzip. Die Anwender von NetBeans können selbst bestimmen, welche Module während des Starts der Entwicklungsumgebung geladen werden sollen. Tabelle 1 zeigt die vorhandenen Projekte und Module von NetBeans.

Projekt Module und Beschreibung
The Core IDE Basis-Implementation. Zu diesem Projekt gehören folgende Module: core, autoupdate, utilities, projects.
OpenIDE Open APIs für die Erweiterung der Entwicklungsumgebung. Dazu gehören folgende Module: openide, openidex, apisupport.
Debugger Mitgelieferte Module: debuggercore, debuggertools, debuggerjpda.
Tools Mitgelieferte Module: ant, i18n, image, jarpackager, properties, scripting, text.
Web Web-orientierte Komponenten für die Entwicklungsumgebung. Dazu gehörende Module: applet, extbrowser, html, httpserver, icebrowser, j2eeserver, web.
Java Mitgelieferte Module: java, clazz, beans, javadoc, objectbrowser.
Version Control Integration der Versionskontrolle-Software in die Entwicklungsumgebung. Zu diesem Projekt gehören folgende Module: javacvs, vcscvs, vcscore, vcsgeneric.
Source Editor Quellcode-Editor mit folgendem Modul: editor.
Form Editor Formular-Designer mit folgendem Module: form.
Distributed Applications Support Mitgelieferte Module: Jini, JNDI, RMI.

Zu den genannten Modulen stehen ebenfalls noch einige experimentelle sowie Hilfsmodule zur Verfügung. Sehr ansprechend sieht das Modul für die Builddatei mit Ant aus. NetBeans erkennt die Builddatei von Ant – unter der Bedingung, dass dieses Ant-Modul installiert ist – und kann sie entsprechend verarbeiten. Für ein IDE-unabhängiges Projekt, wie es ja häufig bei Open-Source-Projekten vorkommt, gilt Ant als eine der besten XML-basierten Build-Umgebungen.
Denjenigen Entwicklern, die auf ein CVS-Repository zugreifen müssen, bietet NetBeans ein integriertes Tool für CVS an. Mit Hilfe eines Assistenten wird sogar die Einrichtung des CVS-Zugriffs auf einem entfernten CVS-Repository kinderleicht.
Eine gute Hilfe für Quellcode-Perfektionisten gibt der Quellcode-Formatierer. Mit einem einfachen rechten Mausklick kann der aktuelle Code nach eigenem Geschmack formatiert werden. Hier werden ebenfalls einige Einstellungen angeboten. Der Formular-Editor hilft dem Entwickler bei dem Entwurf seiner Benutzeroberfläche. Ein Nachteil dieses Editors ist, dass einmal generierte Quellcodes nicht mehr verändert werden können, also kein Two-Ways-Tool (siehe Kasten: Two-Way-Verfahren unter Patentschutz). NetBeans markiert diesen Code mit einem nur lesenden Markierer.

Two-Way-Verfahren unter Patentschutz

Borland, als Erfinder des Two-Way-Tool-Verfahrens, hat kürzlich seine Technologie unter Patentschutz gestellt. Somit ist es Open-Source-Initiativen ab sofort nicht mehr möglich, dieses überaus nützliche und durch die Borland-Entwicklungstools populär gewordene Feature in ihre Projekte zu integrieren. So muss leider auch NetBeans ohne Two-Way-Verfahren auskommen.

Die Entwicklungsumgebung NetBeans wird von vielen anderen Herstellern verwendet, da sie stark erweiterbar und modular aufgebaut ist. Sun verwendet sie als Basis für die eigene Entwicklungsumgebung Forte4J, die im nächsten Abschnitt vorgestellt wird. Zudem verwenden bekannte Hersteller wie BEA, Compaq, IONA u.a. diese Entwicklungsumgebung, um darauf aufsetzend eigene Produkte herzustellen (siehe www.netbeans.org/third-party.html).

Abb. 1: NetBeans MDI Benutzeroberfläche

Forte4J Internet-Edition wird mit folgenden zusätzlichen Features ausgestattet:

Abb. 2: Forte4J SDI Benutzeroberfläche mit diversen Tools

Unter Linux mit Pentium III 733 und 256 MB Arbeitsspeicher ist die Ausführungsgeschwindigkeit der beiden Entwicklungsumgebungen leider nur ausreichend. Dies liegt jedoch am JDK 1.3 für Linux, das diesem Artikel zu Grunde liegt. Tatsache ist, dass alle Java-Programme unter Linux mit dem JDK 1.3 mit der oben genannten Rechner-Konfiguration langsamer laufen als unter Windows. Das zukünftige JDK 1.4 für Linux lässt jedoch hoffen, dass die neue JVM eine bessere Ausführungsgeschwindigkeit der Java-Programme ermöglicht. Wichtig unter Linux ist ebenfalls, dass ein größerer Arbeitsspeicher für die JVM zur Verfügung steht. Unter Windows mit JDK 1.3 zeigen beide Entwicklungsumgebungen eine Super-Geschwindigkeit, wie man es aus der JBuilder-Welt bereits gewohnt ist. Für weitere Tipps und Tricks zur Performance-Optimierung steht die Seite www.netbeans.org/articles/faqs/performance.html zur Verfügung.
Für ein umfangreiches Java-Projekt stellt NetBeans bzw. Forte4J Community-Edition eine echte Alternative zu JBuilder Personal-Edition dar. Für die Community-Edition bietet die Firma Sun sogar einen Support an, sodass der Entwickler mit seinen Problemen nicht allein gelassen wird. Forte4J Internet-Edition ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert für diejenigen, die viel im Bereich von serverseitigen Programmen (JSP, CORBA) entwickeln müssen.
Auf die Enterprise-Edition von Forte4J 3.0, die auf NetBeans 3.2 basiert, sind wir auf jeden Fall gespannt. Der erste Einblick in das Early Access Program zeigt, wie wichtig die XML-basierte Web-Service-Technologie für Sun ist [3]. Die Entwicklung von NetBeans und Forte4J zeigt auf jeden Fall, wie wichtig die Open-Source-Aktivitäten für die Firma Sun sind. Zudem werden einige bekannte Open-Source-Geschäftsmodelle durch den Verkauf und Support von Forte4J genutzt, die die monetären Ziele der Firma unterstützen. Schließlich müssen die in Open Source getätigten Investitionen wieder Rückflüsse bringen. Diese offene Strategie der Firma Sun wird sicherlich eine breite Zustimmung finden. Für die Open-Source-Entwickler stellt NetBeans eine wirklich offene Entwicklungsumgebung dar, und gehört auf jeden Fall zu den Besten!

Literatur und Links

[1] Intersimone, D.: Borland is awarded a patent for its Two-Way-Tools? method in: community.borland.com/article/0,1410,27281,00.html

[2] Intersimone, D.: JBuilder 4 Foundation to JBuilder 5 Personal in: community.borland.com/article/0,1410,27345,00.html

[3] Copeland, R.: Sun Fortifies Java Development in www.informationweek.com/841/forte.htm

[4] NetBeans 3.2: www.netbeans.org

[5] Forte4J 2.0: www.sun.com/forte/ffj/index.html

Geschrieben von
Frank Bensberg und Lofi Dewanto
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