Nerdspielzeuge und hochfliegende Ideen – die EclipseCon Europe 2012 hat begonnen!

Diana Kupfer

Startschuss für die EclipseCon Europe: Am Dienstagmorgen hat die Eclipse-Entwicklerkonferenz offiziell begonnen. Rund 580 Eclipse-Enthusiasten aus aller Welt haben sich im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg versammelt, um drei Tage lang Erfahrungen und Best Practices rund um Eclipse-Technologien auszutauschen und sich über den neuesten Stand der Projekte zu informieren, die unter dem Dach der Eclipse Foundation entwickelt werden.

In Kategorien wie“Eclipse Technology“, „Building Industry Solutions“ oder „Community & Collaboration“ werden mehr als 160 Sessions und Workshops angeboten. Außerdem bestand im Vorfeld die Möglichkeit, informelle themengebundene Zusammenkünfte, sogenannte BoFs („Birds of a Feather“) zu organisieren, die in den Abendstunden stattfinden.

Nicht zu vergessen das Herzstück einer jeden Konferenz: ihre Keynotes. Derer gibt es drei, und interessanterweise widmet sich keine davon exklusiv der Eclipse-Plattform. Ein hohes Nostalgie-Potenzial, aber auch eine gewisse symbolische Bedeutung, hat die mittlere Keynote am Mittwochmorgen, „We Can Do Better – IBM’s Vision for the Next Generation of Java Runtimes“ von John Duimovich, IBM-CTO für Java-Technologien. Schließlich verweist sie nicht nur implizit auf die mehr als eine Dekade zurückliegenden Ursprünge von Eclipse als IDE aus dem Hause IBM – sondern legt auch eine Rückbesinnung auf die „Mutter“-Plattform und deren Zukunft nahe, mit der der Erfolg von Eclipse nach wie vor steht und fällt: Java.

Einen Blick in die – sehr nahe – Zukunft darf man von Christian Heilmanns Keynote „Welcome to the New Web“ erwarten. Ein ausgewiesener Experte für Webtechnologien und Autor von vier Büchern auf diesem Gebiet, ist Christian Heilmann, derzeit bei Mozilla, dafür prädestiniert, der Eclipse-Community eine Marschrichtung – oder mehrere Richtungen? – in Sachen mobile und Webentwicklung zu empfehlen. Nicht, dass dieser Bereich in der Eclipse-Welt bislang Terra incognita gewesen wäre: Mit den Projekt „Orion“, zu dem es auf der EclipseCon neben einem Workshop immerhin vier Sessions und eine BoF gab bzw. gibt, hat sich ein Teil der Community ja schon gut auf Entwicklung im Browser eingestimmt. Gleiches gilt für mobile Entwicklung, derer sich u. a. das Projekt Rich Ajax Platform (RAP) angenommen hat.

Visionen verleihen Flügel – und Rotoren

Und überhaupt: In der Eclipse-Welt scheint es nichts zu geben, was es nicht gibt. Sogar fliegende – naja, nicht Untertassen, aber Roboter. Mit ihrem hohen Entertainment-Faktor waren diese Nerd-Spielzeuge die idealen Protagonisten der Eröffnungs-Keynote „The Future is Unmanned“ – neben Jörg Lamprecht, der sich mit seiner Firma Aibotix auf die Entwicklung von Multikoptern spezialisiert hat. Unbemannte Flugroboter erfüllen den uralten Traum vom Fliegen zumindest teilweise, zumal hochwertige Aufnahmen mit diversen Sensorgeräten – Thermo- und multispektralen Kameras, GPRs oder Geruchssensoren – die passive Teilnahme am Flug möglich machen. So sind die Multikopter auf dem besten Weg, zu zusätzlichen Sinnesorganen derjenigen zu werden, die die Sensordaten in Echtzeit verfolgen bzw. auswerten – eine neue Dimension von Augmented Reality. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die sich mit mehreren kooperierenden Flugdrohnen im Zusammenspiel eröffnen: Eine völlig neue Art der maschinellen Schwarmintelligenz, die die menschlichen Möglichkeiten im wahrsten Sinne überflügelt, kam in den Demovideos zum Vorschein, die Lamprecht vorführte. Und sogar mit Kinect sind die Drohnen schon steuerbar. Im Konferenz-Wettbewerb „Flight Club“ (s. Bild), initiiert und betreut von Aibotix, haben Konferenzteilnehmer die Möglichkeit, Codebeiträge zu einem Custom-Stabilizer einer Aibot-Kamera beizusteuern.

Der Flight Club: Coden für eine stabilere Kamera.

Die unterhaltsam-spielerische Eröffnungskeynote ist nicht zuletzt ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung M2M (Machine-to-Machine), den derzeit wohl innerhalb und außerhalb der Eclipse-Community am schnellsten wachsende Bereich: Bis Sommer 2013 planen die Koneki- und Mihini-Entwickler, eine eigene, einsatzbereite M2M zur Verfügung stellen zu können. Verschiedenste Sessions werden zu eingebetteten Systemen angeboten, von der Protokollebene bis hin zur ausgereiften OSGi-powered Smart-Home-Lösung, die auf dem in die EclipseCon eingebetteten OSGi Community Event eine zentrale Rolle einimmt. Außerdem findet sich die M2M Industry Working Group am Mittwochabend zu einem BoF-Treffen ein.

M2M ist auch der Themenschwerpunkt des nächsten Eclipse Magazins (Ausgabe 1.2013). Darin wird zu lesen sein, wie sich die Eclipse Community und verschiedene Zweige der Soft- und Hardwareindustrie für das M2M-Geschäft wappnen.

Alles in allem geht es bislang kurzweilig und äußerst unterhaltsam zu auf der EclipseCon – wenn auch zuweilen etwas oberflächlich: Für das Gros der sowohl inhaltlich als auch räumlich weit auseinanderliegenden Sessions ist ein Zeitslot von gerade einmal 30 Minuten vorgesehen. Mangels Zeitpuffer macht das einen tiefen Einstieg in einzelne Themen fast unmöglich. Ein gewisser Jahrmarktcharakter lässt sich mit Blick auf diese Konferenz also nicht verleugnen – nicht nur wegen besagter Nerdspielzeuge und des bunten Entertainment-Rahmenprogramms. Andererseits kann man so natürlich unverbindlich in verschiedenste Ideen und Technologien hineinschnuppern – und sich einen hervorragenden Eindruck verschaffen davon, was die Eclipse-Community derzeit bewegt. Vorwärts und nach oben, versteht sich.

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Diana Kupfer
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