Die Finalisten der JAX Innovation Awards 2014

Neo Technology und der Weg zur innovativen Unternehmenskultur

Hartmut Schlosser

In der Kategorie „Most Innovative Open Tech Business“ steht Neo Technology im Finale der JAX Innovation Awards 2014. Wir sprachen mit Michael Hunger über Geschichte und Motivation hinter Neo Technology und den Weg hin zu einer innovationsfördernden Unternehmenskultur.

 

Auf der JAX 2014 findet übrigens das erste GraphDB Meetup statt. Michael Hunger und Stefan Armbruster von Neo Technology halten zwei Vorträge, zu denen auch Nicht-JAX-Besucher willkommen sind:

• Graph Data Modeling mit Michael Hunger
• Offensichtliche und ungewöhnliche Anwendungsfälle für Graph Datenbanken mit Stefan Armbruster

Infos unter: http://www.meetup.com/Graph-Databases-Rheinland-Pfalz/events/176175262/

JAXenter: Was ist die Geschichte hinter Neo Technology?

Michael Hunger: Neo Technology (neotechnology.com) unterstützt die Entwicklung der quelloffenen NoSQL-Datenbank Neo4j (neo4j.org) und bietet kommerziellen Support und Lizenzen. Neo4j wurde Ende der neunziger Jahre innerhalb eines progressiven DMS/CMS Systems in Schweden entwickelt, um sowohl komplexe Verschlagwortung und Suche über Inhalte über sehr viele verschiedene Sprachen, Synonyme und Bedeutungshierarchien als auch ein umfangreiches Rechtemanagement für dieses SaaS-System zu ermöglichen. Die Graphdatenbank-Technologie wurde nach der DotCom-Ära aus der Anwendung herausgelöst, getrennt davon als quelloffene Software weiterentwickelt und steht Nutzern seit 2003 zur Verfügung. Im Jahr 2007 wurde dann die Firma Neo Technology zur kommerziellen Unterstützung von Neo4j gegründet. Seitdem verwenden zehntausende Open-Source-Nutzer und hunderte von Kunden die Technologie. Neo Technology ist seit dem ersten Tagen in Schweden eine internationale Firma und beschäftigt Mitarbeiter in Schweden, USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien, Griechenland und Malaysia.

JAXenter: Welches Geschäftsmodell verfolgen Sie? 

Michael Hunger: Neo Technology lizenziert Neo4j für den geschäftskritischen Produktiveinsatz bei Unternehmen mit kommerziellen Verträgen, die Service & Support, und Enterprise-Features wie HA-Cluster, Live-Backup, Monitoring und Performance-optimierte Komponenten enthalten. Des Weiteren bieten wir Schulungen, Workshops und Entwicklungsunterstützung für Pilotprojekte von (potentiellen) Kunden sowie Consulting. Der größte Teil der Arbeit mit unseren Kunden wird aber von unserem Netzwerk von Partnern durchgeführt, die erstklassige Arbeit leisten und es uns erlauben, uns auf die Weiterentwicklung des Kernproduktes zu konzentrieren.

JAXenter: Welche Rolle spielen bei Ihnen offene Technologien?

Michael Hunger: Neo4j wird komplett offen entwickelt und steht im Quelltext zur Verfügung. Die Kommunikation mit unseren Nutzern erfolgt über offene Kanäle wie Google Groups (https://groups.google.com/group/neo4j), Stackoverflow (stackoverflow.com/questions/tagged/neo4j) oder Twitter (twitter.com/neo4j). Der gesamte Quellcode wird offen auf GitHub (github.com/neo4j/neo4j) gehostet und steht dort für Beiträge aus der Community sowie Feedback in Form von GitHub-Tickets zur Verfügung. Wir nutzen IntelliJ und Eclipse zur Entwicklung und Jenkins / Teamcity für den Buildprozess. Neo4j ist in Java, Scala, und JavaScript (Coffeescript) implementiert und stützt sich massiv auf die schnelle Weiterentwicklung dieser mächtigen und performanten Technologien. Innerhalb der Software nutzen wir viele offene Bibliotheken, um für Aufgaben, für die es schon bewährte Lösungen gibt, den Entwicklungsaufwand zu sparen und von erprobten Implementierungen zu profitieren.

JAXenter: Welche nächsten Ziele stehen auf Ihrer Roadmap?

Michael Hunger: Für Neo Technology ist kontinuierliches, gesundes Wachstum ein wichtiges Ziel. Wir wollen als einer der Top-Player im NoSQL-Bereich und Marktführer unter den Graphdatenbanken weiterhin zur Weiterentwicklung der Technologien und Weiterbildung der Entwicklergemeinschaft beitragen. Dazu stehen wir im engen Kontakt mit unseren Nutzern. Wir haben Initiativen wie GraphAcademy (graphacademy.com) gestartet und investieren massiv in Training, Bücher (http://neo4j.org/buch_de) und lokale Events (z.B. während der JAX www.meetup.com/Graph-Databases-Rheinland-Pfalz/events/176175262) für unsere Community.

Demnächst steht auch eine weitere Finanzierungsrunde für Neo Technology an, so dass wir das personelle Wachstum leichter abfedern können.

Für Neo4j selbst sind eine ganze Menge Neuerungen geplant. Zum einen ist zur Zeit noch höhere Performance ein Fokus, besonders auch die unserer Abfragesprache Cypher. Des Weiteren wollen wir Neo4j leichter nutzbar und auch für sehr große Datenmengen fit machen, dazu werden wir die künstlichen Begrenzungen der Datenbank weiter erhöhen, so dass auf bis zu einer Billion Elemente zugegriffen werden kann. Schnellerer und einfacherer Datenimport und -export sowie Integration in andere Technologien sind Bereichen in denen Neo4j kontinuierlich Verbesserungen erfährt. 

JAXenter: Wie schaffen Sie es, innovativ zu bleiben?

Michael Hunger: Für Neo4j selbst nutzen wir alle Feedbackkanäle, die sich uns bieten. Wir hören auf die Vorschläge, Ideen und Nöte unserer Kunden und Nutzer. Wir verfolgen auch die Marktsegmente von Graphdatenbanken, NoSQL und Datenbanken genau, um an neuen Entwicklungen frühzeitig teilzunehmen. Wir fördern und fordern unsere Nutzergemeinschaft mit verschiedensten Events, Wettbewerben und Unterstützungsangeboten auf vielen Kanälen. Daraus entwickeln sich vielfältigste Beiträge unserer Community sowohl im Bereich von Software wie Treibern, Integrationslösungen, Visualisierungen, Tools als auch von interessanten Veröffentlichungen in Magazinen, Büchern und Blogs. Diese Beiträge nutzen wir selbst wieder bei der Weiterentwicklung von Neo4j.

Im Entwicklungsbereich, indem wir die bestmöglichen Entwickler einstellen, die Softwareentwicklung nicht nur als Job sondern als Berufung und Leidenschaft sehen, und sich auch kontinuierlich weiterbilden, neue Technologien und Ansätze anschauen und ausprobieren und selbst aktiv weitergeben. Wir versuchen auch, unseren Mitarbeitern zu ermöglichen, genügend Zeit für Experimente und kreatives Engagement zu geben. Aus diesen 10-20% freier Aktivität haben sich in der Vergangenheit beeindruckend wichtige Teile der Technologie, Interaktion und Firmenkultur entwickelt.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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