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Nach Groovy- und Grails-Debakel: Open Source braucht ein besseres Geschäftsmodell!

Michael Thomas
© Shutterstock.com/Sergey Nivens

Vor dem Hintergrund von Pivotals Ankündigung, sich aus der direkten Finanzierung von Groovy und Grails zurückzuziehen (lesen sie dazu auch das Interview mit Graeme Rocher über die Zukunft von Grails), sinniert Lukas Eder auf dem jOOQ-Blog darüber, dass Open Source keine zusätzliche Unterstützung, sondern ein besseres Geschäftsmodell benötigt. Er bezieht sich dabei auf eine Aussage von Jamie Allen (Director of Global Services bei Typesafe), der auf Twitter daran erinnerte, dass FOSS-Projekte von seinen Nutzern unterstützt werden sollten. Aber haben sie das überhaupt nötig? Eder geht dieser Frage aus streng betriebswirtschaftlicher Sichtweise auf den Grund.

Es gibt kein zweites Red Hat

Zunächst merkt Eder an, dass selbst große und erfolgreiche Anbieter von Open-Source-Software wie Red Hat sich im direkten Vergleich mit Riesen wie Microsoft, Oracle oder Amazon im Hinblick auf Marktkapitalisierung und Umsatz deutlich geschlagen geben müssen – als Konkurrenz sind sie somit praktisch unbedeutend. Doch warum ist das so?

Eders einfache Antwort, verdeutlicht am Beispiel von Groovy: Viele Entwickler haben Groovy vermutlich ein einziges Mal heruntergeladen und danach nie wieder mit dem Anbieter interagiert. Die meisten wussten vermutlich nicht einmal, dass Pivotal der Hauptsponsor von Groovy war. Groovy war zwar eine starke Marke, zog aber nur wenige Interessenten an.

Hätte es also, wie von Allen gefordert, geholfen, Groovy zu unterstützen? Eder meint: vielleicht. Eine Groovy-Stiftung im Stile der Apache Software Foundation hätte Groovy etwas unabhängiger machen können und möglicherweise kommt es noch dazu.

Praktikable Lösung?

Red Hat verdient Geld mit Linux, weil es ein komplexes Ökosystem darstellt. Für den Produktionseinsatz ist ein Support-Abonnement praktisch unabdingbar. Bei Scala oder Groovy hingegen wurde die kritische Arbeit bereits von den Entwicklern erledigt; den Verantwortlichen für die Überwachung und Steuerung der IT-Services und der IT-Infrastruktur ist es herzlich egal, auf welcher Sprache diese basieren, stattdessen interessieren sie sich für die JVM, Weblogic und die Datenbank. Oder kurz gesagt: Im Support, nicht in der Entwicklung, liegt langfristig das Geld.

Wie im Beispiel Pivotals kann es Eder zufolge auch ein schlechtes Zeichen sein, wenn der Entwickler einer Sprache keinerlei kostenpflichtigen Support anbietet, da sich in diesem Fall die Frage stellt, welche Motivation ihn überhaupt antreibt.

Das Geschäftsmodell

Eder ist der Ansicht, dass nicht der Endnutzer von OSS-Produkten abhängig ist, sondern die OSS-Anbieter von den Kunden, da Letztere das Produkt bei Bedarf einfach forken und solange nutzten können, bis sich eine Alternative auftut. Der Anbieter hingegen ist vom guten Willen und der Gunst der FOSS-Communities abhängig und nutzt diese im Zweifelsfall, um fragwürdiges Upselling mit Produkten zu betreiben, die in keinerlei Beziehung zueinander stehen.

Eders Schlussfolgerung und Fazit: Open Source sollte zu einem rentablen, sinnvollen Geschäft gemacht werden, das Merhfachlizenzierungen und vernünftiges Upselling umfasst und dessen Kurs vom Markt und den Anbietern bestimmt wird. Open Source als Freemium-Einstieg für das tatsächliche Geschäft sozusagen. Entwickler könnten FOSS weiterhin als Ideal im Herzen tragen, dürften jedoch nicht ihr ganzes Herzblut hineinlegen.

Aufmacherbild: Back view of businessman drawing sketch on wall von Shutterstock.com / Urheberrecht: Sergey Nivens

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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