Der Informatiker von heute ist ein Allrounder

Das sind die Must-Have-Skills der IT-Profis

Ender Özgür

© Shutterstock.com / Mathias Rosenthal

Grundvoraussetzung für einen IT-Beruf ist zumeist ein Studium mit dem Schwerpunkt Informatik, was aber auch Quereinsteigern keine Angst machen muss: letztendlich entscheidet das Gesamtpaket aus technischem Know-how, Erfahrung und Soft-Skills. Ob abgeschlossenes Studium oder Quereinstieg – die folgenden Must-Have-Skills verhelfen Software-Entwicklern, ihr Talent bestmöglich zu nutzen.

Die Zeiten sind vorbei, in denen Programmier-Jobs belächelt wurden, denn gut ausgebildete Fachkräfte sind die Hoffnungsträger unserer Wirtschaft. Große wie kleine Unternehmen ringen um IT-Experten aus aller Welt. Der Dekra-Arbeitsmarkt-Report 2016 ermittelte, dass Absolventen eines IT-Studiums mitunter die besten Jobchancen haben. Die vielen ausgeschriebenen Stellen deuten aber auch auf einen Engpass in der Branche hin.

Auch in der IT ist Kommunikation das A und O

Eine proaktive Vorgehensweise ist dabei besonders wichtig. Gelerntes in der Praxis anzuwenden ist zwar das Ziel eines jeden Studiums, doch im beruflichen Umfeld stoßen Experten oftmals auf schier unlösbare Probleme. Informatiker sollten über die Stärke verfügen, nach Hilfe zu fragen. Hilfe anbieten oder einzufordern ist eines der wesentlichen Qualitätsmerkmale eines Entwicklers. Diese Stärke zeigt auch ein gesundes Selbstbewusstsein, das in der Branche verlangt wird. Der IT-Profi von heute sollte den Kollegen Ideen, Konzepte und Problemstellungen einfach erklären und zielführend über etwaige Lösungsansätze debattieren können.

Das muss auch in interdisziplinären Teams funktionieren, denn interdisziplinäre Fähigkeiten gewinnen immer mehr an Bedeutung. Ein Team, das aus hochgradigen Spezialisten besteht, die tief in ihren Domänen verwurzelt sind, aber nicht über ihre Bereichsgrenzen blicken wollen oder können, wird nie so effizient arbeiten können, wie ein Team, das neben Spezialisten auch solche Mitglieder aufweist, die an den Schnittstellen mehrerer Domänen arbeiten können.

Der Kunde ist König – Lösungsorientiertes Denken

Schnell entwickeln sich Software-Projekte zum Spießrutenlauf. Kunden reagieren während der Projektphase oft auf Veränderungen im Markt und fordern mitunter aufwändige Anpassungen in der Software. Diese Wünsche in solchen Situationen abzulehnen, ist der falsche Weg. Der IT-Spezialist muss sich in den Kunden hineinversetzen können und Alternativen aufzeigen, wenn es darum geht ein Softwareprodukt zu verbessern oder eventuelle Probleme zu beheben. Entwickler müssen sich beim Kundenkontakt die Fragen „Wie erkläre ich dem Kunden das Lösungskonzept?“ und „Welche Vor- und Nachteile sind damit verbunden?“ beantworten und auch die Antworten darauf geschickt ausdrücken können.

Getting things done: Zuverlässigkeit

Wie in allen Bereichen ist Zuverlässigkeit unabdingbar. Terminlich und qualitativ müssen Deadlines eingehalten werden, um das Erreichen des Endprodukts nicht zu gefährden. Unter abgelaufenen Fristen haben Entwickler-Teams als auch Auftraggeber gleichermaßen zu kämpfen. Um diese Bredouille zu vermeiden, ist gutes Teamwork und eine solide Kommunikationsbasis notwendig, die zahlreiche Projektmanagement- und Kollaborations-Tools bieten.

„There is no I“ –  Teamplayer statt Einzelkämpfer

Als geschlossenes Team auftreten ist wichtig. Fehler einzugestehen und Selbstkritik zu äußern, ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Fähigkeiten selbstkritisch zu betrachten und sich neue Verhaltensmuster anzueignen, ist im IT-Sektor gefragter denn je. Es gibt nicht mehr einen Experten, es gibt unzählige Experten, auch innerhalb eines Unternehmens – da zählt der Zusammenhalt sowie die gegenseitige Unterstützung und nicht der Einzelkämpfer. Zusätzlich hat die Clean-Code-Developer-Initiative Tugenden aufgestellt, die ein teamorientierter Software-Entwickler auf alle Fälle an den Tag legen sollte.

Teamplay fängt bei der Code-Semantik an, da ist sich auch System Architect Christian Springsguth sicher: „Wichtig für einen Entwickler ist es, dass er mit dem Code eine Absicht ausdrücken kann. Der Code muss verraten, warum etwas getan wird. Das ist meist wichtiger als zu zeigen, wie etwas getan wird. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass der Code auch von anderen verstanden und weiterentwickelt werden kann.“

Man lernt nie aus: Frameworks, Programmiersprachen, CMS und Co.

Der griechische Philosoph Heraklit sagte einst “Nichts ist so beständig, wie der Wandel” – das trifft auch auf die Software-Branche zu. Wer in der Programmier-Elite mitspielen möchte, muss sich ständig an den Marktanforderungen orientieren und sich weiterbilden, seien es Programmiersprachen, Frameworks, Web Technologien oder Shop-Systeme. Offenheit zum Lernen ist das eine Must-Have, was einzelne Technologiekenntnisse schlägt. Allerdings sind organisatorische und technische Erfahrungen dadurch natürlich mindestens genauso wichtig.

Manche Entwickler plädieren eher für den Mut zur Lücke: Es sei nicht nötig, alles bis ins Detail zu wissen, sondern man benötige viel eher Offenheit und Neugier, um andere Disziplinen kennenzulernen. Auch der Willen zur Kommunikation und nicht zuletzt eine Prise Humor schaden nicht, um sich selbst in der Hektik des Alltags nicht allzu ernst zu nehmen. Wenn man es dann noch schafft, mit einem Auge auf das Gesamtbild der Produktanforderungen zu schauen, um so den Überblick zu behalten, ist man auf einem guten Weg. Auch das zeichnet einen Top-Kandidat für eine Beschäftigung als Entwickler aus, dementsprechend spielt neben dem Erlernen des Fachwissens der Team-Gedanke eine wesentliche Rolle.

Plan ist Plan: Einsatzbereitschaft trifft Flexibilität

Unvorhergesehene Ereignisse sind alles andere als selten. Inhaltlich fehlerhafte Absprachen und unterschiedliche Interpretationen kennen Software-Teams nur zu gut. Besonders am Ende eines Projektes ist die Nervosität beim Kunden am höchsten und es fallen aufgrund kurzfristiger Änderungswünsche Überstunden an. In dieser Hinsicht spielt die Qualitätssicherung eine große Rolle, bei der Entwicklerkollegen unterstützend Einsatzbereitschaft und Flexibilität entgegenbringen sollten.

Fazit: Der Informatiker von heute ist ein Allrounder

Ob Startup oder Konzern – Fachkräfte im IT-Bereich sind gefragt wie nie zuvor. Qualifizierte Informatiker müssen mittlerweile neben Enthusiasmus und Leidenschaft auch eine Reihe an Soft-Skills mitbringen. Das Gesamtpaket aus sozialer Kompetenz und technologischen Know-how muss schlichtweg stimmen. Team-Player statt Alleskönner, so lautet die Devise, denn IT-Experten mit dem gewissen Etwas gehört die Zukunft.

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Ender Özgür
Ender Özgür wurde 1972 in Berlin geboren und hat Informatik an der TU Berlin studiert. Er ist bereits seit 2001 Teil der Neofonie und verantwortet als Head of Software Factories die zeitgemäße Umsetzung von Entwicklungsprojekten. Zu seinem Team zählen 30 Entwickler.
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