Was hörst du beim Coden?

Bits & Beats: Welche Musik Entwickler beim Programmieren hören

Hartmut Schlosser

© Shutterstock/Ollyy

Hört Ihr beim Programmieren Musik? Nun, vielleicht sollte man die Frage lieber umformulieren: WELCHE Musik hört Ihr beim Programmieren? Denn laut einer Studie von Qualtrics sind es sage und schreibe 96% der Software-Entwickler, die täglich zumindest eine gewisse Zeit lang mit Musik im Ohr coden.

Musik hält im Flow

Wer kennt nicht die Situation: Man ist mitten in einem verzwickten Programmierproblem – und just in dem Moment, da man sich der Lösung nähert, fällt dem Kollegen die „spannende“ Story von der letzten Grillparty ein. Man verliert den Faden, ist raus aus dem Flow und braucht Minuten, bis man die Konzentration wieder zurück auf das Problem lenken kann.

Die Kosten solcher Unterbrechungen sind durch Studien belegt. So hat etwa das Game Developer Magazin 10.000 Programmiersessions in Eclipse und Visual Studio ausgewertet. Das Ergebnis: Nach einer kleinen Unterbrechung vergehen bis zu 15 Minuten, bis Programmierer tatsächlich wieder Code in den Editor tippen. Nur 10 Prozent schaffen es, die Arbeit in weniger als einer Minute wieder aufzunehmen, wenn sie beim Schreiben einer Methode unterbrochen werden. Nach größeren Unterbrechungen vergehen im Durchschnitt 23 Minuten, bis man seine Arbeit wieder aufnehmen kann.

Doch dem nicht genug: Außerdem fand das Magazin heraus, dass sich Unterbrechungen am schlimmsten auswirken, wenn der „Memory Load“ am höchsten ist; wenn also besonders konzentriert gearbeitet wird. Statistisch gesehen verfügen Entwickler maximal über eine zweistündige Programmier-Session pro Tag, in der sie nicht unterbrochen werden.

Was das mit Musik zu tun hat? Richtig eingesetzt, hilft Musik dabei, störende Elemente auszublenden, Unterbrechungen zu minimieren und den Flow beim Programmieren beizubehalten. Doch welche Musik ist dafür am besten geeignet?

Welche Musik hören Entwickler?

Nun ist Musikgeschmack sicherlich eine recht individuelle Angelegenheit – genauso wie die Wirkung bestimmter Musik auf die Konzentrationsfähigkeit. Fördert die Mitsing-Pop-Hymne nun das Programmieren oder stört sie eher? Sollten es monotone Beats oder klassische Klänge von hypnotischer Qualität sein – oder helfen knackige Metal-Riffs dem Denkprozess eher auf die Sprünge?

Trotz aller Individualität ergeben sich in verschiedenen Zielgruppen durchaus gemeinsame Hörgewohnheiten. Diese hat Qualtrics in einer Gruppe von 400 Software-Entwicklern unter die Lupe genommen, die nach ihrem Umgang mit Musik bei der Arbeit befragt wurden:

Wie eingangs erwähnt hören 96% der Entwickler zumindest ein Mal am Tag Musik. 78% schätzen Musik sogar so hoch wie nichts anderes beim Programmieren. Weit abgeschlagen landet mit 6% die absolute Stille auf Platz 2: So richtig ruhig hat man es als Entwickler aber ohnehin selten.

Bei den Musikstilen scheint der Mainstream Pop das Klischee des Techno/Metal-hörenden Nerds eingeholt zu haben. Unter den Lieblingskünstlern am häufigsten genannt wurden U2, Taylor Swift, die Beatles, Maroon 5, Linkin Park und Katy Perry. 28% gaben Pop als ihre präferierte Musikrichtung an. Elektronische Musik belegt mit 12% den zweiten Platz, dicht vor Klassik mit 11%. Reggae gaben nur 2% der Befragten an.

Weitere Erkenntnisse der Studie:

  • Entwickler über 35 Jahre hören dreimal so oft Radio beim Coden als ihre jüngeren Kollegen.
  • 71% der unter 35jährigen hören Musik „sehr oft“ oder „immer“ beim Coden. Bei den über 35jährigen sind dies nur 47%.

Auch über die Art und Weise des Musikhörens gibt die Studie Auskunft. So genießen 80% der Entwickler ihre individuelle Musik über Kopfhörer – die Topmarken sind hier wohl Bose, Sony und Beats. Wie sich dies bei Tech-affinen Menschen gehört, wird Musik vorwiegend gestreamt: via Pandora (29%), YouTube (23%) oder Spotify (19%).

Wie sieht es bei Euch aus?

Wie die Präferenz für das Internetradio Pandora zeigt, bezieht sich die Umfrage auf die Vereinigten Staaten. Doch wie sieht es hierzulande aus? Welche Musik steht bei Euch ganz oben auf der Playlist beim Coden?

Das wollen wir in einer kleinen Umfrage herausfinden – macht mit:

Welche Musik bevorzugst du beim Programmieren?

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare
  1. Benjamin Makus2017-07-14 15:17:22

    Nichts geht über Tool und Animals as Leaders beim Coden!

  2. Bianca2017-07-14 16:22:17

    Ich höre am liebsten Videospiele Soundtracks.
    Am liebsten von NES oder SNES spielen, aber auch z.B. der Animal Crossing Soundtrack ist sehr angenehm.

  3. Stephan Zerhusen2017-07-15 00:53:52

    Animals as Leaders sind der Hammer! Generell geht Progressive Metal gut, aber auch Drum'n'Bass.

  4. Det2017-07-15 08:51:53

    Musik ohne Gesang (Lindsey Sterling). Vor allem deutsche Texte geht gar nicht.
    Am besten Ambient oder Lounge, wegen der Kontinuität.
    Auch gut: Soundtrack des Planetariums Bochum.

    ABER: Am liebsten absolute Stille, denn ich habe festgestellt, dass dabei die besten und saubersten Lösungen entstehen.
    Musik Hören belegt nun mal einen Teil des Gehirns.

  5. Sebastian2017-07-15 20:11:50

    Hauptsächlich (Dark) Ambient (z.B. viele Cryo Chamber-Sachen), gelegentlich auch Post-Rock (z.B. neuere Solstafir). Ruhigere Videospiel-Soundtracks (z.B. Hyper Light Drifter) oder atmosphärischere Black Metal-Sachen (z.B. Paysage d' Hiver oder Dark Space) gehen auch. Beim Debuggen hartnäckiger Probleme oder nervigen organisatorischen Aufgaben darf's dann auch mal was Elektronisches sein.

  6. Aron2017-07-18 15:35:28

    Animals as Leaders +1

    Wer sie mag, könnte sich auch für The Algorithm begeistern lassen.

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