Modellierung auf dem Eclipse Summit 2010

Jonas Helming

Europa, insbesondere Deutschland und Frankreich, sind Hochburgen der Software-Modellierung. Alleine ein Blick in das Programm der diesjährigen Eclipse Summit zeigt, dass auch hier Modellierung eines der zentralen Themen war. So groß die Zahl der verschiedenen Beiträge, so groß ist die Vielfalt der verfügbaren Projekte. So groß ist aber auch teilweise die Verwirrung der Entwickler bei der Auswahl der passenden Technologie. Das ist per se kein schlechter Zustand. Jeff Noris zeigte in seiner Keynote eindrucksvoll, warum es für Innovationen oft wichtig ist, sich mehrere Wege gleichzeitig offen zu halten.

Trotzdem ist für die industrielle Anwendung eine durchgängige Lösung wichtig. Diesem Problem widmet sich die Eclipse Modeling Platform. Das Ziel dieses Industriekonsortiums ist es, durchgängige Anforderungen an eine Modellierungsplattform zu definieren und in Kooperation mit den einzelnen Projekten umzusetzen (siehe Interview mit Stephan Eberle).

Im textuellen Bereich war das am prominentesten vertretene Projekte erneut Xtext. Ein Tutorial zeigte, wie in Kombination mit Acceleo Android-Applikationen entwickelt werden können. Auf der graphischen Seite wurden verschiedene sehr ausgereifte Editoren vorgestellt, beispielsweise der BPMN-Editor von Bonitasoft, Papyrus oder der Obeo Designer, die alle auf GMF aufbauen. Als Alternative zu GMF gewinnt Graphiti immer mehr Beachtung. Am letzten Konferenztag demonstrierte schließlich Ed Merks, dass EMF nun sogar seinen Weg in die Cloud, namentlich in das Google Web Toolkit gefunden hat.

Ein Highlight der Konferenz im Bereich Modellierung war das Modell-Symposium. Hier wurden in knappen vier Stunden ganze 14 Demos vorgestellt. Das Motto der Veranstaltung: Möglichst wenige Folien, möglichst viele Demos. Mitra, ein Tool zur Modell-Transformation, zeigte eindrucksvolle die Möglichkeiten von GEF3D. Mehrere Diagramme werden in 3D in einer Zeichenfläche angezeigt und ermöglichen so eine visuelle Nachverfolgbarkeit der Transformation. COPE, präsentiert von Markus Herrmannsdörfer, erlaubt eine einfache Migration von Instanzen, falls das zugrunde liegende Modell geändert wird. Die EMF Client Platform erlaubt es, eine EMF-basierte Anwendung mit nur einem Klick zu erstellen. Eike Stepper präsentierte einen Prototypen der File Integration von CDO. Damit können Ressourcen aus dem Repository nahtlos in den Eclipse Workspace eingeblendet werden. EMFStore demonstrierte eine Integration mit den Java Development Tools, mit dem Konflikte auf Ecore Files durch interaktives Mergen gelöst werden können. Florian Pirchner präsentierte eine Lösung basierend auf RedView, EMFStore und Xtext, mit der Ein- und Ausgabe-Daten für Testfälle komfortabel modelliert werden können. Sven Efftinge demonstrierte, wie mit Xtext Dokumentationen geschrieben werden können, die dann in unterschiedlichen Formaten bereitstehen.

Damit war erneut die Vielfalt der vorgestellten Projekte und Lösungen sehr eindrucksvoll. Modellierung ist im Eclipse-Umfeld schon lange kein Rand-Thema mehr sondern einer der lebendigsten Bereiche. Neben dem Trend zu sehr ausgereiften, in der Industrie einsetzbaren Lösungen, werden laufend neue Einsatzbereiche erschlossen.

Jonas Helming ist Doktorand am Lehrstuhl für angewandte Software-Technik (Prof. Bruegge) an der technischen Universität München. Er verfügt über langjährige Erfahrungen im Bereich Software Engineering, insbesondere im Umgang mit Eclipse-Technologien. Sein Forschungsfokus liegt in der Integration von System-Modellierung und Projekt-Management-Artefakten. Seit 2007 ist er Mitbegründer und Leiter des UNICASE-Projektes, eine Platform für die Umsetzung Modell-basierter Ansätze. Im Rahmenprojekt UNICASE entstanden zwei Eclipse-Frameworks, die EMF Client Platform (ECP) und der EMFStore, die momentan als Eclipse-Projekte vorgeschlagen werden.
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