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Projekt Moby: Wie Docker Container im Mainstream etablieren will

Dominik Mohilo

© 2017 Docker Inc.

Vier Jahre ist die Container-Revolution bereits alt. Heutzutage hat beim Begriff „Container“ jeder Entwickler sofort das Bild eines kleinen, blauen Wals im Kopf, dem Maskottchen von Docker. Nachdem die Container-Technologie mittlerweile ausreichend ausgereift ist, will Docker nun den nächsten Schritt gehen und sie im Mainstream etablieren. Mit dem Open-Source-Projekt Moby könnte das gelingen.

Schon Heraklit von Ephesos wusste: Stillstand bedeutet den Tod. Auch in der Softwareentwicklung ist dieses Prinzip nicht von der Hand zu weisen, gibt es doch ständig neue Technologien, neue Möglichkeiten und neue Anforderungen, an die es sich anzupassen gilt. Um nicht still zu stehen und die Evolution von Docker in der Welt des Open Source voranzutreiben, wurde das Projekt Moby gestartet, wie Solomon Hykes, Gründer von Docker, auf dem Blog des Unternehmens verkündete.

Individuelle Container-Systeme mit Moby

Der Name – darüber brauchen wir gar nicht zu reden – ist natürlich eine Anspielung auf den „Großen Weißen Wal“. Treffend, wenn man bedenkt, was dieses Projekt alles beinhaltet. Moby dient in erster Linie dazu, Entwicklern die Möglichkeit zu geben, eigene Container-Systeme aufzusetzen. Die nötigen Werkzeuge und Komponenten werden mit Moby in einem Paket zur Verfügung gestellt, aus dem sich dann die gewünschten herauspicken und ganz nach eigenen Vorstellungen zu einem so genannten Assembly zusammenstellen lassen.

Die zentrale Bibliothek von Moby beinhaltet containerisierte Backend-Komponenten, unter anderem etwa die Docker Core Engine containerd und das SwarmKit. Durch das in Moby enthaltene Framework werden diese Komponenten schließlich zu einer Container-Plattform zusammengefügt, das Tooling zum Builden, Testen und Deployen von Artefakten wird gleich mitgeliefert: fertig ist das Container-System. Abgerundet wird das Paket durch ein Referenz-Assembly, das den Namen Moby Origin trägt und an dem sich Nutzer bei der Zusammenstellung des eigenen Assemblys orientieren können.

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Doch nicht nur die bereits etablierten Komponenten aus dem Docker-Universum können für das eigene Container-System verwendet werden: Entwickler können auch eigene Komponenten, die als Container verpackt sein müssen, für ein individuell zusammengestelltes Assembly verwenden. Frei nach dem Motto „bring your own components“ (BYOC) können diese mit etablierten gemischt werden. Kein Wunder also, dass Solomon Hykes Moby als so etwas wie ein „Lego-Set“ für Container-Systeme bezeichnet.

Nicht für jeden sinnvoll

Projekt Moby richtet sich explizit nicht an Entwickler, die einfach nur ihre Anwendungen in einem Container laufen lassen wollen. Für diesen Zweck empfiehlt sich eher die Docker Community Edition (Docker CE). Auch Unternehmen, die nach einer einfach zu nutzenden Container-Plattform suchen, sind nicht die Zielgruppe von Moby, diesen wird die kostenpflichtige Docker Enterprise Edition (Docker EE) von den Machern empfohlen.

In erster Linie ist Moby also für all jene gedacht, die ihren Build individualisieren oder ein eigenes Container-System erstellen wollen. Die breite Bandfläche an Möglichkeiten spricht natürlich auch Entwickler an, die ihre Anwendungen in möglichst vielen verschiedenen Umgebungen testen möchten und natürlich prinzipiell experimentierfreudige Docker User.

Mit Moby in den Mainstream

Docker Inc. gab bekannt, im Zuge der Veröffentlichung von Moby sämtliche Open-Source-Kollaborationen in dieses Projekt auszulagern und es als Laboratorium für die Forschung und Entwicklung zu nutzen. Dabei geht es um nicht weniger, als die Zukunft der Container-Technologie. Das Projekt soll zukünftig Community-zentriert und offen verwaltet werden, Vorbild hierfür sei das Fedora-Projekt von Red Hat.

We think the best way to scale the container ecosystem to the next level to get containers mainstream is to collaborate on assemblies at the ecosystem level.

–Solomon Hykes

Der Weg in den Mainstream führt Docker Inc. zufolge also weg von vorgefertigten Lösungen. Es ist noch nicht lange her, seit das Unternehmen etwa ein Dutzend unterschiedliche Assemblys veröffentlichte, jedes einzelne spezialisiert auf verschiedene Plattformen (etwa Windows und Mac Desktop, Windows Server und verschiedene Cloud-Plattformen).

Inwiefern sich die individuelle Zusammenstellung von Container-Systemen auf die Verbreitung von Docker Inc. auswirken wird, bleibt abzuwarten. Nicht zu verleugnen ist allerdings, dass die Entscheidungsträger bei Docker erkannt haben, dass nicht nur Stillstand den Tod bedeutet, sondern auch der von vielen befürchtete Vendor Lock-in.

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Seit der Integration von Docker Swarm in die Kernengine in Docker 1.12 und den darauffolgenden Diskussionen um einen Docker-Fork (JAXenter berichtete hier und hier), hat Docker viel getan, um sich versöhnlich mit der Community zu zeigen. Die Vorwürfe der Ausnutzung einer marktbeherrschenden Position wurden jedenfalls durch die Spende der Docker Core Engine containerd an die Cloud Native Computing Foundation (CNCF) und das nun gelaunchte Projekt Moby abgemildert.

Weitere Informationen zu Moby gibt es auf der Homepage des Projektes, auf GitHub und natürlich auf dem Blog von Docker.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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