Mobile World Congress 2011

Das Ende von Palm OS

Die japanische Firma Access hat in den vergangenen Jahren ihre von PalmSource übernommene Plattform ALP, zumindest im Hintergrund, ausgestellt. Nach dem Desaster mit dem Emblaze Else hat man das Investment aber nun wohl vollständig abgeschrieben. Die von Access entwickelten Betriebssysteme sind am Kongress dieses Mal überhaupt nicht präsent. Stattdessen zeigt man diverse Programme, die unter dem Motto Kleinkram laufen könnten, für Endkunden und Netzbetreiber .

Dual Screens

Schon vor dem Kongress hat eine Pressemitteilung eine bemerkenswerte Innovation von Fujitsu angekündigt, die Neugierde weckt. Es handelt sich um ein höchst originelles Klapphandy. Statt eines Bildschirms und einer Tastatur besteht der höchst seltsame Exote aus zwei Displays. Der noch namenlose, aber geniale Prototyp wird am Stand des Unternehmens vorgeführt und erringt mit Recht viel Aufmerksamkeit. Ob dem Modell Zukunft beschieden ist, wird sich zeigen. Auszuschließen ist es jedenfalls nicht.

Dual-Screen-Smartphone von Fujitsu (Bild: Tam Hanna)

Bis dato steht leider noch nicht fest, ob oder wann das System kommerzialisiert wird. Der gezeigte Prototyp wirkt jedenfalls eindrucksvoll, wenn auch ungewohnt bis seltsam.

Finnisches

Natürlich ist Nokia auch dieses Jahr nur durch seine Abteilungen Nokia Siemens und TrollTech vertreten. Am TrollTech-Stand finden sich unter dem Personal bemerkenswert viele Nokia-Veteranen, die sich für vorbeikommende Entwickler sympathischerweise viel Zeit nehmen. Neue Geräte wie das in Entwicklerkreisen als bestätigt geltende QWERTY-VGA-Telefon werden hingegen nicht gezeigt. Auch findet man keine Spur vom N9 oder einem Windows-Phone-7-Gerät.

Geschickt getimet, kündigte der ehemalige Microsoft-Manager Steven Elop die Partnerschaft zwischen Microsoft und Nokia bereits am 11. Februar, also drei Tage vor dem offiziellen Kongressbeginn, an: Nokia, so heißt es, würde seine Smartphones in Zukunft ausschließlich mit Windows Phone 7 betreiben. Symbian und S40 würden demnach nur mehr im Low-End- und Mid-End-Segment Verwendung finden.

Die Entwicklungswerkzeuge bleiben im Rahmen dieser Partnerschaft exklusive Domäne von Microsoft. Qt unter Windows Phone 7 wird es also auf absehbare Zeit nicht geben. Auch das geheimnisvolle C++-SDK für Windows Phone 7, von dem in Gerüchteküchen hartnäckig gemunkelt wird, lässt sich bedauerlicherweise nirgends blicken.

Übrigens: Die Ankündigung der „heiligen Allianz“ von Microsoft und Nokia hat den MeeGo-Mitentwickler Intel kalt erwischt: Am MeeGo-Stand erwartet uns eine Truppe von mehr oder minder frustrierten Entwicklern, die ihre Anwendungen auf zweckentfremdeten X-86-Tablets und Netbooks vorführen.

Research in Motion

Auch Research in Motion scheint dieses Jahr sein Herz für Entwickler entdeckt zu haben. Sein Stand ist voll von kleinen Tischen, an denen Mitglieder der BlackBerry Alliance ihre Produkte auf BlackPads vorführen.

Die von den Entwicklern verwendeten BlackPads machen einen sehr stabilen Eindruck. Einige der Geräte können – unter Aufsicht – getestet werden. Zusätzlich gibt es wie immer eine kleine Auswahl von Telefonen des kanadischen Herstellers zu bestaunen.

Interessierte Entwickler bekommen normalerweise innerhalb einer Stunde einen Termin mit durchaus kompetenten Beratern, die eventuelle Fragen beantworten. Die Nähe zu den im so genannten App-Planet stattfindenden Seminaren ist sicherlich nicht zufällig gewählt.

Funktechnische Lustigkeiten

Mit einem überaus witzigen Produkt, das im Bereich des Daten-Roamings zu massiven Preissenkungen führen könnte, überrascht der Roaming-Techniker StarHome. Seine Innovation ermöglicht Netzbetreibern, fremde Kunden beim ersten Zugriff auf das Internet auf eine eigene Portalseite umzuleiten. Wer dort seine Kreditkartendaten eingibt, ist fortan beim Surfen (nicht bei Anrufen oder SMS) Kunde des Gastproviders und zahlt keine Entgelte an seinen Heimnetzbetreiber.

Am Stand der finnischen Firma BlueGiga Oy gibt es wie immer Neues zum Thema Bluetooth. Diesmal zeigt der CEO des Unternehmens Bluetooth-4-Module. Laut Herstellerangaben kann man damit Geräte entwerfen, die mit einer Knopfbatterie mehrere Wochen lang „im Standby“ sitzen können.

Im Zubehörbereich werden diverse solarbetriebene Batterieladegeräte präsentiert. Das zugrunde liegende Konzept ist hierbei immer gleich: Das Solarpaneel lädt einen Akku, der danach das Telefon auflädt.

Totales Chaos

Die bereits im letzen Jahr eher fragwürdige Organisation des Kongresses hat sich dieses Jahr in ihrer „Unfähigkeit“ selbst übertroffen. Erstmals gab es vor den meisten Männertoiletten lange Schlangen. Auch die Freundlichkeit der Security lag im Durchschnitt noch eine Standardabweichung unter der des Vorjahrs. Und schon damals war sie nicht besonders hoch. Sowohl Pressemitglieder als auch Aussteller mussten wegen des völlig unkooperativen Verhaltens sturer Security ununterbrochen zeitraubende Umwege machen. Ob das beinahe schon sprichwörtliche Chaos am MWC irgendwann einmal seinen Weg in geordnete Bahnen finden wird?

Fazit

Fast könnte man den Mobile World Congress 2011 als Familientreffen bezeichnen. Die Organisation war wie immer ein Desaster. Es gab vergleichsweise wenig Neues, aber es wurde viel „genetzwerkt“. Der Besuch des MWCs hat sich also durchaus gelohnt. Vor allem für Entwickler. Denn die fanden erfreulicherweise dieses Jahr an jeder Booth ein offenes Ohr.

Tam Hanna befasst sich seit der Zeit des Palm IIIc mit Programmierung und Anwendung von Handcomputern. Er entwickelt Programme für diverse Plattformen und betreibt außerdem mehrere populäre Onlinenewsdienste zum Thema.
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